Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Haalta

Haalta f. ‘Halde’ ist zu schwdt. Halden f. bzw. Halten ‘Abdachung, Abhang eines Hügels, Berges, Berglehne’, ahd. halda, mhd. halde ‘Bergabhang’, wdt. Haalta ‘Halde, Abhang’ (ID. 2, 1174 ff.; GRICHTING 1998, 102; ZINSLI 1946, 323 und 1984, 569) zu stellen. Die meisten Walliser Belege weisen die Fortis /-t-/ auf. Im Oberwallis wird der Vokal /a/ vor /lt/ gelängt; deswegen ist das HL HAALTA. Die Endung des Singulars im Nominativ ist im Goms, -a in den meisten Bezirken, -u im westlichen Bezirk Leuk. Der Nominativ Plural endet meistens auf -ə oder -e; im Lötschental -ä (zum Paradigma siehe RÜBEL 1950, 9 f.) Im Goms ist darum nicht immer zwischen Singular und Plural zu entscheiden; in historischen Belegen sind oblique Formen vom Typ Halden ebenfalls mehrdeutig; entscheiden kann dort jedoch der Artikel (Typ an der Halden vs. an den Halden).

Das HL kommt in rund 570 Namen vor. Das Simplex Haalta ist im Singular und Plural häufig belegt: Im Singular rund 45 mal (darunter auch die Belege Haauta mit /l/-Vokalisierung im unteren Goms), im Plural rund 35 mal (mit einigen Unsicherheiten in beiden Fällen). Die häufigen Plurale haben wohl eine Art Kollektivbedeutung.

Diminutive sind im Singural selten: Haaldi, Haltgi, Halti, Haaltji; häufiger im Plural als Haldienen, Haljini, Haltinen, Haaltjini, Haltlein, Haltlin und Halty. Eine lautliche Besonderheit ist in Halji ‘die kleine Halde’ (FLNK, Blitzingen) und Haljini ‘die kleinen Halden’ (Greich, Mörel, Ried-Mörel) zu finden, das zum Nomen Hale zu stellen ist (vgl. BENB 1, 2, 191 mit Verweis auf ID. 2, 1176 f.), das sonst im Oberwallis fehlt.

Attributive Adjektive sind vor allem Ober und Unter in t Obru Haalte ‘die oberen Halden’ (Ausserberg, Filet, Gampel Naters, Täsch, Turtmann, Zwischbergen; teilweise mit anderen Endungen oder Diminutiv) und t Undru Haalte ‘die unteren Halden’ (Ausserberg, Binn, Bister, Filet, Gampel, Naters, Niederwald, Turtmann, Unterems, mit ähnlichen Varianten). Mehrfach belegt ist Läz ‘nordseitig, unbesonnt’ in t Läz Halta (Bürchen, Niederwald, Raron, Unterbäch) und historisch in der Letzen Halten (1770, Termen; 1697, Fiesch); das Gegenstück ist ein Kompositum t Sunnuhalte ‘die besonnten, auf der Sonnseite liegenden Halden’ (Feschel und Diminutiv in Täsch). t Leidu Haaltä ‘die unschönen (steilen) Halden’ (Gampel) beziehen sich auf die Steilheit, ebenso wie die Böse Halten ‘die böse Halde’ (1765, Binn). Leng ‘lang’ in in der Lengen Halten ‘in der langen Halde’ (1629, Bitsch) und Lenghaute ‘die lange Halde’ (FLNK, Selkingen) bezieht sich auf die Ausdehnung, während t Hee Halte ‘die hohe Halde’ (Obergesteln, Zermatt) und t Hohauta ‘die hohe Halde’ (Bellwald und historisch Filet, Mörel, Ried-Brig) entweder die hohe Lage oder die Ausdehnung auf der Höhe meinen. Dazu kommen weitere Adjektivbildungen.

Vorangestellte Genitive wie Gassero Halten ‘in der Halde der Leute vom Ortsteil Gassa / der Familie Gasser’ (1679, Ried-Brig), in Hoffersch Haltgy ‘in der kleinen Halde der Familie Hofer’ (1764, Visperterminen), ts Jakobsch Haaltu ‘die Halde des Hl. Jakob (Kapelle)’ (Erschmatt), Jannenhalta ‘die Halde des Jann’ (1555, Ausserberg), oder einfach PN oder FaN wie in t Häisi Haalta ‘die Halde des Hans’ (Eyholz), Hüeberhauta ‘die Halde der Familie Huber’ (Steinhaus), di Zanpärtlameehaaltu ‘die Halde, die man erst am Tag des Hl. Bartholomäus (24. August) beweiden durfte’ sind eher selten; in manchen Fällen wie dem mehrfach belegten t Fuggshaaltu ‘die Halde der Familie Fuchs / wo es Füchse hat’ (Leuk u. a.) ist unklar, ob es sich um das Tier oder den FaN Fux handelt.

Zweigliedrige Komposita mit Haalta als Grundwort sind sehr häufig. Sie reichen von Bestimmungswörtern mit Gemeinde- oder Weilernamen wie Eischollhaalte, Gieschhalte ‘Halde unter dem Weiler Giesch’ (Hohtenn), Naterschhalta oder Badhalte (zu Brigerbad) über solche, die andere Fluren benennen, wie etwa t Mosshaalte ‘die Halden beim Gebiet Moos (feuchtes Gebiet)’ (Randa) oder t Ordhaauta ‘die Halde beim Gebiet im Ord’ (Steinhaus) und viele andere. Tiernamen kommen vor: Freschhalta ‘die Halde beim Gebiet Frescha (Frosch)’ (Randa), di Geishaaltä ‘die Halden für die Geissen (Ziegen) (Wiler, ähnlich Eischoll, Glis), die Gembshalta ‘die Halde mit Gemsen’ (1755, Simplon), in der Kalberhalten ‘in der Halde, wo Kälber weiden’ (1711, Oberems), die Múrmúndenhalte ‘die Halde mit Murmeltieren’ (1519, Visperterminen), di Tierhaalte ‘die Halde mit (Wild-)Tieren’ (Bürchen, als Diminutiv auch Unterbäch) (Tier sind im Allgemeinen Gemsen und andere jagdbare Wildtiere), Wolfuhaalte ‘die Halde mit Wölfen / des Wolf (PN)’ (Bürchen) mit unklarer Deutung: es kann sich auch um einen PN handeln. Bei t Schwiihaalte ‘die Halden für die Schweine’ (Staldenried) ist unklar, ob wirklich ein Tiername vorliegt oder doch eine Form von schwīnen ‘schwinden, abnehmen’ (ID. 9, 1910 ff.) vorliegt.

Auch Baum- und Pflanzennamen sind belegt: t Aamadhalta ‘die Halde mit Emd (Spätheu)’ (Ausserberg), jn Eychhalten ‘in der Halde bei den Eichen’ (1642 u. später, Raron), t Erlhaalte ‘die Halden bei den Erlen’ (Eisten), t Eschhaalte ‘die Halde bei den Eschen’ (Obergesteln), die Gäärschthaalte ‘die Halden beim Gäärschthoru, benannt nach Gerstenanbaustelle’ (Mund), t Heimmuhalta ‘die Halde mit Gutem Heinrich (Pflanzenname)’ (Birgisch), t Klepfihaalta ‘die Halde mit Leimkraut (Silene vulgaris)’ (Naters), t Schwärtoluhaalta ‘die Halde mit Schwertlilien’ (Visperterminen), ts Tahaaltä ‘bei den Halden mit Tannen’ (Kippel) und andere.

Neben den zweigliedrigen Komposita gibt es auch mehrgliedrige, wie z. B. in der Steinhaŭshalten ‘in der Halde beim Steinhaus’ (1801, Unterems), Teelacherhalte ‘die Halde bei den Teelachra (Äcker bei den Dählen)’ (Oberems), t Jungholzhaalte ‘die Halden beim Jungholz (Jungwald)’ (Reckingen) und andere. Komplexere enthalten auch attributive Adjektive wie t Leid(i) Wätterhaaltu ‘die unschöne (steile) Halde, die dem Wetter ausgesetzt ist’ (Gampel); der Name kann allerdings auch gelesen werden als ‘die Halde, die dem unschönen Wetter ausgesetzt ist’.

Als Bestimmungswort ist Haalta in zweigliedrigen Komposita mit den Grundwörtern Acher, Bodu, Egg(a), Gassa, Grabu, Lerch, Matta, Rüüs, Schiir, Suon, Trog, Tschugge, Wäg, Wald, Wasser, Weid, Wild und Zug belegt. Auch hier gibt es komplexere Formen wie t Hautewasserleita ‘die Wasserleite zur Halde’ (Niederwald, ähnlich Bratsch, Randa), doch sind sie selten.

Eine auffällige Form ist das Partizip Präsens in Haldende Acher ‘der Acker, der eine Halde ist (steiler Acker)’ (1398, Münster) und an der Haldenden Mattun ‘an der abschüssigen Wiese’ (1467 u. später, Naters). Es ist zum schwdt. Verb halden ‘sich neigen, abschüssig sein’ (ID. 2, 1176) zu stellen, ist aber lebend nicht belegt.

VSNB, Bd. 2, Sp. 426

Vorkommen

haalde

haaldi

haalgini

haalji

haaljini

haalt

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haaltji

haaltjini

haaltjinu

haaltu

haaltun

haauta

haaute

halde

haldende

haldienen

haldji

halji

halt

halta

haltä

halta

haltä

halta

hältä

halta

haltä

halta

haltä

halta

halte

halten

haltgi

halti

haltienen

haltin

haltinen

haltini

haltji

haltjinen

haltjini

haltlein

haltlin

halton

haltu

haltun

halty

hauta

haute