Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Gemscha

Gemscha ‘die Gämse’ f. ist zu schwdt. Gams f., Gëmschi n., wdt. Gemscha, Gämschi (Goms), Gämscha (Lötschental), Gämschu f. ‘Gämse’, mhd. gams, ahd. gamissa (ID. 2, 321; GRICHTING 1998, 86) zu stellen. Die Benennung geht vermutlich auf das spätlateinische camox ‘Gämse’ zurück (KLUGE / SEEBOLD 252011, 330; FEW 2, 148). Auch hieher gehört der frühere Gemeindename Gamsu (amtlich Gamsen) mit seinen Flurnamen. Der Ort ist heute Teil der Gemeinde Brig-Glis.

Das Simplex im Singular ist nur einmal belegt als t Gams ‘die Gams’ (Fieschertal), laut Gwp. Gärten im Talgrund von Fieschertal, wo es kaum Gämsen hat. Es ist zu überlegen, ob hier das lat. CAMPUS ‘Feld’ vorliegt, vgl. HL GANS.

Der frühere Dorfname Gamsu ‘Gamsen’ (Glis) erscheint 1233 als Gamosun, 1301 als Gamsun und so weiter; der Beleg aus der 2. Hälfte des 13. Jh. apud Chamoson ist romanisch. Da die Gemeinde in der Rottenebene liegt, ist namengebend wohl der Bach Gamsa (Glis, Visperterminen, hier auch als Wasserleitung aus der Gamsa), der aus dem Nanztal in den Rotten fliesst. In Glis bildet sich ein Namennest mit der Gamsnergrund ‘der Grund bei Gamsen’, ts Gamsuchi ‘das Kinn (Schlucht) der Gamsa’, ts Gamsusand ‘das Sandgebiet der Gamsa (Bach aus dem Nanztal)’ (mehrere Belege), bim Gamsustäg ‘beim Steg (über den Rotten) bei Gamsen’, Gamsner Eÿen Werk ‘das Werk in den Auen von Gamsen / der Leute von Gamsen’ (1851), in den Gamsner Driesten ‘in den Driesten, die zu Gamsen gehören’ (1849), Gamswasserleytta ‘die Wasserleitung, die nach Gamsen fliesst’ (1521). In Visperterminen ist ebenfalls ein Namennest zur Gamsa belegt: neben Gamsa selbst kommen vor der Gamsugletscher ‘der Gamsagletscher (Gletscher, aus dem die Gamsa entspringt)’, Gamsenkhünn ‘das Kinn (Schlucht) der Gamsa’ (1700), di Gamsuschreeji ‘der Wasserfall der Gamsa’, Gamserthal (SK) ‘Gamsertal (SK) ist der Name auf SK für das Nanztal, durch das die Gamsa fliesst’ (Glis), Gamserchopf ‘der Felskopf oberhalb des Gamsgletschers’ (FLNK; auch Eisten der Gamserchopf). In Visp ist die Gambsen Wasserleÿtten ‘die Wasserleitung aus der Gamsa’ (1530) belegt. Brigerbad kennt 1673 aúff dem Gambsensandt ‘auf dem Sandgebiet der Gamsa’.

In den meisten anderen Fällen ist das HL GEMSCHA in zweigliedrigen Komposita verbunden mit folgenden Grundwörtern Alpa, Bäärg, Blatta, Fad, Faggs, Flüö, Haalta, Hooru, Land, Licka, Ritz, Schiir, Schluocht, Spitz, Stafel, Tiri, Wäg, Wart und Wang.

Komplexer sind di Gämschfriheit ‘die frei liegende Felswand für die Gämsen’ (Leukerbad), und ts Ober und ts Unner Gämschalpji ‘der obere und der untere Teil der kleine Gämsalpe’ (Guttet).

Ein Diminutiv im Genitiv ist in ts Gämscherlisch Biel ‘der Hügel der kleinen Gämse’ (Mund) enthalten. Der Ort befindet sich auf ca. 2450 m, sodass kaum an einen Besitzernamen zu denken ist. In einigen wenigen Fällen kann auch an das lat. CAMPUS ‘Feld’ gedacht werden (cf. HL GANS).

VSNB, Bd. 2, Sp. 256

Vorkommen

chamoson

gambsen

gams

gamsa

gämsch

gämscherlisch

gamser

gamsner

gamsu

gemmsch

gems

gemsch

gemschi