Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Etz

Etz, auch Etzi f. ist zu schwdt. Etzi, Ätzi f. zu stellen, das laut ID. eine ‘Weide, besonders als Massbezeichnung ein Stück Weide, das in einem Tag abgeätzt werden kann’ (ID. 1, 629) bezeichnet. In den Bezirken Mörel und Goms wird diese vom Vieh für eine Verpflegung benötigte Weidefläche nicht Ätze sondern Weide f. genannt. Die Nahrungszufuhr erfolgte in drei Zehrungen in Morgen-, Tag- und Abendweid bzw. in Morgen-, Abend- und Nachtätze. Zwischen dem Morgen- und Abendmelken nahm das Vieh die erste, teilweise aus frischem, unberührtem Gras bestehende, und die zweite Mahlzeit auf einem abgeätzten Gebiet ein. Die letzte Mahlzeit wurde gegen sieben Uhr auf einem noch nicht betretenen Land der Abendweide bzw. der Nachtätze geboten (RÜBEL 1950, 84). In den Namen wird Etz / Etzi als ‘Viehfutter’ ohne Rücksicht auf die Massbezeichnung gedeutet.

Das Simplex im Singular ist als am Ezÿ ‘am Etzi (kleines Gebiet mit Viehfutter)’ nur in Gampel 1794 belegt; die Konstruktion mit einem n./m. legt einen Diminutiv nahe. Einen Plural findet man in t Ezine ‘die Weiden mit Viehfutter’ (Randa).

Als Grundwort ist das HL in die Voretzÿ ‘das vor der Etzi (Weide mit Viehfutter) gelegene Gebiet’ (1726, Mund) und t Mässeetzi ‘die Weide mit Viehfutter, wo der Milchertrag gemessen wurde’ (Ergisch) belegt.

Sonst erscheint das HL als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita vor allem in den Typen Etzweid ‘die Weide mit Viehfutter’ (FLNK, Fieschertal, Goppisberg, Niederwald, FLNK Oberwald), in Oberwald auch t Ober und t Unner Etzweid ‘die obere und die untere Weide mit Viehfutter’, und historisch als Etzweidt (1500, Fiesch) und Etzweid (1745, Visperterminen), das alternativ Ouvandium ‘Üewand, Magerwiese’ genannt wird, und ts Etzmad (Grengiols), das Etzmatt (1529 u. später, Binn), im Etzmatt (1529, Lax). Der Typ Etzweid zeigt, dass im Goms neben Weid auch Etzweid gebraucht wird (anders RÜBEL 1950, 84). Nur einmal belegt ist t Etzegerten ‘das Brachland mit Viehfutter’ (1868, Birgisch). Lebend in Eisten belegt ist Etzibärg ‘das bergwärts gelegene Gebiet mit Viehfutter’ (FLNK, Eisten; LT Eziberg) mit dem zweimal im gleichen Dokument belegten Etziberg (1833, Eisten; 1833, Grächen). Komplexer sind ts Geistricheletzmad ‘die Mähwiese mit Viehfutter, die so gross ist wie eine Ziegenglocke’ und Schlänggeetzmad ‘der schmale Streifen von Etzmad ‘Mähwiese mit Viehfutter’’ (beide in Grengiols für die gleiche Flur), sowie t Wanneetzmeder ‘die Mähwiesen mit Viehfutter bei den Wannen (Mulden)’ (Binn). Schwierig zu deuten ist di Banetzflüe ‘die Fluh des Banet / die Fluh im Gebiet Bann-Etz (Etzweide im Banngebiet?)’ (Randa), wo aber kein Bann-Gebiet belegt ist. Der PN oder FaN Banet ist im Übrigen sonst nicht bezeugt; es kommt nur hier vor, sodass auf eine Lemmatisierung verzichtet wird.

VSNB, Bd. 2, Sp. 91

Vorkommen

eetzi

etz

etzi

etzine

etzji

etzy

ezi