Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Färich

Färich m. ‘Pferch’ ist zu schwdt. Pfärrich, Pfäärich, Fäärich, Fäderich, Pfärch, Färrig, Ferig u. ä. m./n., Pl. unverändert und Fäärichen u. ä., ahd. parrih, mhd. pferrich m., ‘eingefriedigter Platz, Pferch’ und wdt. Färich, Färig (Saastal), Färrich (Lötschtal und Rarner Schattenberge), Ferich (Leuker Berge) ‘Pferch, Gehege’ (ID. 5, 1174 ff.; GRICHTING 1998, 76; RÜBEL 1950, 110) zu stellen. In Grächen, St. Niklaus, Randa und Täsch ist auch ‘Viehstall auf der Alpe’ (SDS 7, 246) gemeint.

Das Simplex erscheint im Singular in verschiedenen Formen: der Fääderich ‘der Pferch’ (Münster), em Färech ‘im Pferch’ (Bellwald), der Färich ‘der Pferch’ (Eyholz und sechs weitere Belege), im Färich ‘im Färich’ und andere Präpositionen (Goppisberg und drei weitere Belege), Färrich ‘der Pferch’ (Ausserberg, Eggerberg, Ried-Brig) und der Färig (Saas Almagell, zwei Belege). Historisch ist jm Ferrich (1688, Zeneggen und vier weitere, teilweise andere Präpositionen) belegt. Unklar ist in Unterbäch 1649 am Ferek, wo entweder ‘am Pferch’ oder ein Kompositum mit Egg(a) gemeint ist.

Der Plural des Simplex ist ebenfalls unterschiedlich geformt: ts Färrchu ‘bei den Pferchen’ (Mund), t Färicha ‘die Pferche’ (Erschmatt, FLNK Zermatt), Färiche ‘die Pferche’ (Oberwald), Ze Färichu ‘bei den Pferchen’ (Eisten, Täsch) (Eisten hat LT u. FLNK Ze Färigu), t Färiga ‘die Pferche’ (Saas Almagell, Saas Grund), Ze Färigu ‘bei den Pferchen’ (Eisten, Saas Balen), t Färricha ‘die Pferche’ (Ausserberg, Simplon (SK Feriche)), Ze Färrichu ‘bei den Pferchen’ (Eischoll und vier weitere), ob de Färrichu ‘oberhalb der Pferche’ (Raron), Zen Ferrihen ‘bei den Pferchen’ (Blatten). Historisch sind belegt: die Ferracha (1528, Ernen; 1537 an den Ferricha), jn den Ferrichen (1653 u. später, Bister).

Diminutive im Singular sind das Ferrichlin ‘der kleine Pferch’ (1677, Oberems) und Färrichi ‘der kleine Pferch’ (FLNK, Niederwald). Plurale des Diminutivs: t Färichjini ‘die kleinen Pferche’ (Visperterminen), t Färrichjini ‘die kleinen Pferche’ (Raron), in den Ferrichÿnen ‘in den kleinen Pferchen’ (1764, Naters; im gleichen Jahr die Ferrichini).

Mit attributiven Adjektiven erscheint das HL wie folgt: der Alt Färich ‘der alte Pferch’ (Varen), zum Alten Ferrig ‘zum alten Pferch’ (1852, Saas-Almagell), zen Alte Färigu ‘bei den alten Pferchen’ (Saas-Grund), zen Alte Färrichjinu ‘bei den alten Pferchen’ (Niedergesteln), t Altu Färicha ‘die alten Pferche’ (Leuk, Leukerbad), der Aut Färich ‘der alte Pferch’ (Mühlebach), der Gross Färich ‘der grosse Pferch’ (Törbel), zenn Inndrä Färrihen ‘bei den inneren (taleinwärts liegenden) Pferchen (Blatten), der Niib Färich ‘der neue Pferch’ (Varen), der Ober Färich ‘der obere Pferch’ (Steg), in Steinino Ferrich ‘im steinernen Pferch’ (1718, Baltschieder), vber denn Steinninen Faͤrrich ‘über den steinernen Pferch’ (1548, Saas-Balen), der Stenofärich ‘der steinerne Pferch’ (Visperterminen, 1576 Steinin Ferrich) (Steno liesse sich als gekürzte Form nach Brandstetters Gesetz verstehen, wenn der Name als Kompositum genommen wird), im Teiffen Ferrich ‘im tiefen Pferch’ (1584, Binn), zen Uisträ Färrichen ‘bei den äusseren (talauswärts liegenden) Pferchen’ (Blatten), ts Vergiischtig Färigi ‘der kleine neidische Pferch (Motivation unklar)’ (Saas-Almagell).

Belege mit vorangestellten Genitiven sind: der Grunder Färig ‘der Pferch der Leute von Saas-Grund’ (Saas-Grund), ts Holzisch Färricha ‘die Pferche der Familie Holzer’ (Naters), zer Lidnerru Ferrich ‘beim Pferch der Leute von Liden (oberhalb Tatz)’ (Niedergesteln) (Genus Feminin erklärt sich aus Hofstatt), ts Meier Heimsch Färrich ‘der Pferch des Meiers Heimen (PN)’ (Blatten), Merjerrufärricha ‘die Pferche der Leute von Mörel’ (Naters), der Nanserfärich ‘der Pferch der Alpe Nanz’ (Visperterminen), der Pfannerfärich ‘der Pferch des Pfanders (der das entlaufene Vieh pfändete)’ (Blitzingen), der Borterfärrich ‘der Pferch der Familie Borter’ (Naters), der Reckiger Färich ‘der Pferch der Reckinger (auf Ulrichener Boden)’ (Ulrichen), ts Riedufärich ‘der Pferch der Leute vom Ried / der Familie Rieder’ (Grächen), Zschampigo Ferichs ‘des Pferchs der Alpe der Familie Tschampen’ (1714, Binn), Stoffels Ferrich ‘der Pferch des Stoffel / der Familie Stoffel’ (1672 u. später, Törbel), Stoffols Ferrich ‘der Pferch des Stoffel / der Familie Stoffel’ (1672 u. später, Embd) (die beiden Belege bezeichnen wohl die gleiche Flur), ts Taafidsch Färrich ‘der Pferch des David (PN)’ (Ferden), im Vischperfärich ‘im Pferch der Leute von Visp (im Nanztal)’ (Visperterminen). Die Namen im Nanztal beziehen sich auf Tärbinernanz und Vispernanz.

Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Grundwort beziehen sich häufig auf die Tiere für die Pferche: die Gaalgifärricha ‘die Pferche beim Gaaltgi (Alpe für die jungen Ziegen, die noch nicht geworfen haben)’ (Baltschieder), der Geissfärich ‘der Pferch für die Ziegen’ (Embd, Randa; Plural in Naters), der Gitzifärich ‘der Pferch für die jungen Ziegen’ (Ried Mörel), der Chalberfärich ‘der Pferch für die Kälber’ (Bratsch, Mund, Törbel und historisch Raron), ts Muttschfärrich ‘der Pferch der ungehörnten Ziege’ (Raron; formal ist ts Muttsch ein Genitiv!), jm Rosferrich ‘im Pferch für die Pferde’ (1664, Oberems), der Schaaffufärich ‘der Pferch für die Schafe’ (Visperterminen, zwei Belege), der Schaffärich ‘der Pferch für die Schafe’ (Ernen, Salgesch, Plural Bratsch), der Stüedfärrich ‘der Pferch für die Stuten’ (Ausserberg), Vühfehrich ‘der Pferch für das Vieh’ (1839, Bellwald), jm Wolffärich ‘im Pferch, der vor Wölfen schützte’ (1488 u. später, Naters). Ob in der Fuggsfärrich ‘der Pferch im Gebiet mit Füchsen / der Familie Fux’ (Oberems) die Besitzer oder die bedrohenden Tiere gemeint sind, ist unklar.

Die meisten zweigliedrigen Komposita weisen im Bestimmungswort auf eine nahegelegene Flur hin: di Bifigfäricha ‘die Pferche auf der Alpe Bifiga (eingezäunte Stück Wiesen)’ (Törbel), der Brandjifärich ‘der Pferch im kleinen brandgerodeten Gebiet (Brandj)’ (Visperterminen), Eggufärich ‘der Pferch bei den Eggachra’ (Eischoll), di Guggifärriha ‘die Pferche auf der Alp Guggina’ (Blatten) und andere mehr. Einige wenige Komposita enthalten Pflanzennamen: Blüemufärrich ‘der Pferch mit Blumen’ (Birgisch, ev. sind Heublumen gemeint), der Griffolfärrich ‘der Pferch am Ort, wo Preiselbeeren wachsen’ (Törbel), ze Heimefärichu ‘bei den Pferchen der Familie Heimen / des Heimo / wo es Heimine (Guter Heinrich (Chenopodium bonus-henricus)) hat’ (Embd; unklar, welche Deutung gilt), t Stockfäricha ‘die Pferche im Stock (bestocktes Gebiet)’ (Steg; nur wenn ‘Stock’ als Baumstock verstanden wird). Auf das Material der Pferche bezieht sich der Steifärich ‘der Pferch aus Stein’ (Ried-Mörel), dazu kommen Steifärrich (Ried-Brig), ts Steifärichji (Visperterminen), t Steifärricha (Glis), bim Steinigefärich (Oberwald; unsicher, ob ein Adjektiv vorliegt) und ze Steinefärigu (Eisten), sowie die schon genannten Adjektivbildungen mit Steinin ‘steinig’. In allen Fällen sind Pferche aus Stein gemeint, während andere Pferche dauernd oder temporär aus Holzzäunen bestehen. Drei Namen sind besonders: der Boozufärich ‘der Pferch mit Gespenstern’ (Bürchen), Bsetzfärich ‘der Pferch, der bei der Alpauffahrt (Bsetzi) gebraucht wird’ (FLNK, Unterbäch) und der Nachtfärich ‘der Nacht-Pferch (Pferch für das Vieh in der Nacht)’ (Oberems).

Komplexere Konstruktionen sind der Borertschuggufärrich ‘der Pferch bei den Borertschugge (Felsen mit Bohrlöchern)’ (Hohtenn), der Drispitzfärich ‘der Pferch mit dem Dreispitz (dreieckige Mauer gegen Lawinen)’ (Visperterminen), t Forsaasfäricha ‘die Pferche bei der Vorsass (Voralpe)’ (Blatten), t Hofattfärricha ‘die Pferche beim hohen Felsband’ (Mund), der Lochreeftufärrich ‘der Pferch beim steilen Abhang zum Loch’ (Hohtenn) und weitere.

Als Bestimmungswort verbindet sich das HL mit folgenden Grundwörtern zu zweigliedrigen Komposita: Acher, Fad, Flüö, Gassa, Gletscher, Güet, Gufer, Hitta, Hooru, Licka, Löuwina, Matta, Müra, Pletscha, Schiir, Stafel, Stutz, Tschugge, Wäg und Wald. Einen Beleg für das HL im Genitiv bietet ts Fäärigsch Müüru ‘die Mauer des Pferchs’ (Saas-Almagell).

Komplexere Fälle sind: der Färiwaldstafol ‘der (Alp-) Stafel im Färiwald (Wald bei ze Färiche (bei den Pferchen))’ (Eischoll) und Zwischfärichflienu ‘die Flühe zwischen den Pferchen’ (Randa).

Unklar ist Zen Gampinen der Ferrich Susta dem Treichweg (1787) in Leuk. Susta ist laut PH. KALBERMATTER (p. c.) eine Fehllesung für juxta ‘neben’, also ‘der Pferch neben dem Treichweg’.

Abgeleitet ist der FaN Ferricher (cf. HL FERCHER), zu dem Ferrihers Bidemlin ‘der kleine Boden der Familie Fercher’ (1425, Eggerberg) zu stellen ist.

VSNB, Bd. 2, Sp. 123

Vorkommen

fääderich

fäärigsch

färech

färi

färich

färicha

färiche

färichji

färichjini

färichu

färig

färiga

färigi

färigu

färrchu

färrich

färricha

färrichen

färrichi

färrichini

färrichjini

färrichjinu

färrichu

färriha

färrihen

färu

ferek

ferich

fericha

ferichgi

ferrich

ferricha

ferrichen

ferrichlin

verch

verrich