Satz
Satz m. ist zu schwdt. Satz m., Pl. Sätz, Setz, Dim. Sätzli, Setzli (Pl. Setzleni) m. ‘Felsstufe, schmale Terrasse an einem Abhang, Fels’, mhd. saz m. (ID. 7, 1517 ff., bes. 1526, 6a; ZINSLI (1946, 335)) zu stellen. GRICHTING (1998, 167) kennt zwar Sazz m., Pl. Sezz und gibt ‘Satz, Sprung, Reichtum’ als Deutung, jedoch nicht die hier angenommene Deutung für Flurnamen.
Als Simplex im Singular kommt das HL als der Satz ‘der Felsabsatz’ oder im Satz ‘im Felsabsatz’ in Fieschertal, Niedergesteln, Randa und Visperterminen vor. Der Plural t Setz ‘die Felsabsätze’ ist in Täsch und Törbel belegt. Der Obliquus steht in uf de Setze ‘auf den Felsabsätzen’ (Betten, Grengiols), sowie uf de Setzu (Ried-Mörel), ine Setzu (Baltschieder), ufe Setzu (Eisten). Ein Diminutiv im Plural ist t Setzjini ‘die kleinen Felsabsätze’ (Ritzingen).
Mit attributiven Adjektiven ist das HL wie folgt konstruiert: der Blaaw Satz ‘der blaue Felsabsatz’ (Randa), die Finstere Sastz (?) ‘der finstere Felsabsatz (unsichere Lesung und Genus Feminin)’ (1801, Salgesch), der Lägend Satz ‘die ebene Terrasse’ (Fieschertal), t Läze Setz ‘die sonnabgewandten Felsabsätze’ (Blitzingen), Ober Satz ‘der obere Felsabsatz’ (SK, Niedergesteln). Komplexere Konstruktionen sind der Ober Blau Satz ‘der obere blaue Felsabsatz’ und der Unner Blau Satz ‘der untere blaue Felsabsatz’ (beide Zermatt).
Als Grundwort ist das HL in zweigliedrigen Komposita wie folgt belegt: t Dischtelsetz ‘die Felsabsätze mit Disteln’ (Fieschertal), t Griessetz ‘die Felsabsätze oberhalb der Griestolä (Mulden mit Steingeröll)’ (Grengiols), di Grindjisetz ‘die Felsabsätze im Bereich der Alpe auf dem kleinen Grund’ (Oberems), die Grumpulsetz ‘die Felsabsätze mit (Stein-)Gerümpel’ (Saas-Balen), der Reschtisatz ‘der Felsabsatz bei der Reschti (Raststelle)’ (Fieschertal) mit der Ober Reschtisatz ‘der obere Teil des Felsabsatzes bei der Reschti (Raststelle)’ und der Unner Reschtisatz ‘der untere Teil des Felsabsatzes bei der Reschti’ (beide Fieschertal). Als Bestimmungswort kommt das HL zusammen mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Matta und Wald.
Zum Verb setzen im Sinn von ‘pflanzen, anbauen’ (ID. 7, 1617) sind wohl das Verbalabstraktum auf -I (SONDEREGGER 1958, 497) Setzi f. ‘der Ort, wo man Pflanzen / Reben setzt’ und das Bestimmungswort Setz- in Setzgrabu ‘Setzgraben (Graben, der zur Verjüngung der Reben dient)’ und Setzräbe ‘Setzreben (Setzlinge, die zur Verjüngung der Reben dient)’ zu verstehen (EGLI 1982, 170 und 200). Das Simplex Setzi ist nur historisch belegt: Setzi (1632, Raron – im Kontext steht an der Alten Bÿnden ‘am alten Pflanzplatz’; Setzi scheint einfach eine Alternative dazu zu sein), an der Setzi ‘am Ort, wo man Pflanzen setzt’ (1674, Hohtenn), d Setzi ‘der Ort, wo man Pflanzen setzt’ (1571, Unterbäch). Auslautendes /n/ ist erhalten in jn der Setzin ‘am Ort, wo man Reben setzte’ (1304 u. später, Eyholz; im Kontext steht vinea ‘Weinberg’), in der Seycin ‘am Ort, wo man Reben setzte’ (1245, Stalden; später Setzin, ebenfalls vineam ‘Weinberg’), an die Setzin ‘an den Ort, wo man Pflanzen setzte’ (1653, Bürchen). Das Kompositum Setzgrabe ist als der Setzgrabo und t Setzgräbna (beide Visperterminen), Setzgraben (1822, Salgesch), Setzgräbu (FLNK, Stalden) und Setzgräbe (FLNK, Zeneggen) belegt. Der Typ Setzräbe kommt als Setzräben (1629, Zeneggen), Setzreben (1845, Salgesch), die Setzreben (1708, Leuk) vor.
Unklar ist Setzi im dreimal belegten Setzihore (Bellwald, Fieschertal, Selkingen), das auf LT als Setzehorn belegt ist. Die Gwp. aus Selkingen sagt, es sei ein Gipfel mit “Felssätzen”, jedoch liegt kein Simplex Setzi unterhalb des Gipfels.
Nur einmal ist das Bestimmungswort Setzil in Setzilried ‘das Ried beim Gebiet, wo Pflanzen gesetzt wurden (unklar)’ (Bürchen) belegt. Es lässt sich als Stellenbezeichnung auf -IL zu Satz, pl. Setz auffassen (SONDEREGGER 1958, 513) Die Form t Satzig (Stalden) mit dem wohl dazugehörenden aŭf der Obren Satzig (1824) scheint eine Stellenbezeichnung auf -IG (<ahd. -ing) zu sein (SONDEREGGER 1958, 506), hier wohl mit kollektiver Bedeutung ‘die Felsabsätze’. Satzing (ID. 7, 1582 ff.) ist zwar erwähnt, aber in ganz anderen Bedeutungen. Ob das nur einmal belegte t Satzge (Visperterminen) hieher zu stellen ist, bleibt offen. ID. kennt satzge nur als Verb für Baselstadt im Sinn von ‘springen’ (ID. 7, 1581).
Ein sonst nirgends belegtes ts Fersetz ist als ts Ober und ts Unner Fersetz (Gampel) belegt. Laut Gwp. handelt es sich um Schutzmauern für den Fluss Lonza. Da das Gebiet, in dem sie liegen, der Steischlag heisst, dürfte es sich um eine Schutzmauer vor Steinschlag handeln; auf der Karte erkennt man in diesem Gebiet zwei Mauern. Vermutlich handelt sich bei Fersetz um ein Verbalabstraktum zum Verb versetze (ID. 7, 1678 ff.), entweder in Bedeutung 1 ‘sperren’ oder in Bedeutung 4 ‘versetzen von Bauteilen’. Ob das einmal belegte zer Setzmüüru ‘bei der Mauer zum Schutz der Lötschberglinie’ (Niedergesteln) das Wort für ‘sperren’ enthält oder doch eine Mauer auf den Felsabsätzen meint, ist unklar. In beiden Fällen ist jedoch klar, dass die Mauer dem Schutz der Lötschberglinie gegen Steinschlag dient.
VSNB, Bd. 4, Sp. 31
Vorkommen
fersetz
- Ober Fersetz Gampel
- Unner Fersetz Gampel
satz
- Blaaw Satz Randa
- Finstere Satz Salgesch
- Lägend Satz Fieschertal
- Ober Blau Satz Zermatt
- Ober Reschtisatz Fieschertal
- Ober Satz Niedergesteln
- Reschtisatz Fieschertal
- Satz Visperterminen
- Satz Fieschertal
- Satz Fieschertal
- Satz Niedergesteln
- Satz Randa
- Satzwald Mörel
- Satzwald Filet
- Satzwald Leuk
- Unner Blau Satz Zermatt
- Unner Reschtisatz Fieschertal
satzge
- Satzge Visperterminen
satzig
- Obru Satzig Stalden
- Satzig Stalden
seezi
- Seezi Oberems
setsisch
- Chammsetsisch Bildtanna Birgisch
setz
- Dischtelsetz Fieschertal
- Griessetz Grengiols
- Grindjisetz Oberems
- Grumpulsetz Saas-Balen
- Läze Setz Blitzingen
- Setz Täsch
- Setz Törbel
- Setzacher Raron
- Setzgräbe Zeneggen
- Setzgräbna Visperterminen
- Setzgrabo Visperterminen
- Setzgrabu Salgesch
- Setzgräbu Stalden
- Setzmatte Niedergesteln
- Setzmüüru Niedergesteln
- Setzräbe Zeneggen
- Setzreben Salgesch
- Setzreben Leuk
setze
setzi
setzil
- Setzilried Bürchen
setzin
setzjini
- Setzjini Ritzingen