Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Chriz

Chriz ‘Kreuz’ ist zu schwdt. Chrüz, wdt. entrundet Chriz, Chriiz, Dim. Chriizji n. ‘Kreuz als Sinnbild des Christentums überhaupt; Kruzifix zur Bezeichnung der Grenzen der Gerichtsbarkeit einer Stadt; Kreuz als Zeichen überhaupt (Kreuze (z. T. mit roter Farbe) an Bäumen, Steinen, Fels als Grenzzeichen)’ (ID. 3, 938 ff.; GRICHTING 1998, 54), ahd. krūzi, kriuze, mhd. kriuz(e), kriuce entlehnt aus lat. CRUX (CRUCIS) f. (KLUGE / SEEBOLD 252011, 541) zu stellen. In FlN ist häufig unklar, ob ein Wegkreuz (meist ein Kruzifix) oder eine Wegkreuzung (Kreuzung von zwei oder mehr Wegen) oder ein Zusammenfluss von Bächen oder Wasserfuhren gemeint ist. Bei Chrizwäg ‘Kreuzweg’ und Chrizgassa ‘Kreuzgasse’ (cf. URNB 2, 469) kann auch an Abzweigungen und Verbindungswege gedacht werden. Weiter scheint Chriz auch in Alpnamen Verwendung zu finden, so häufig in Mittelchriz ‘Mittelkreuz’, wo vermutlich die Lage zwischen Bächen oder Grenzen entscheidend ist. Im ganzen Oberwallis ist das Aufstellen von Kreuzen auf markanten Punkten (wie Gipfel, Felsen usw.) verbreitet; das Heilige Kreuz als Patrozinium von Kirchen und Kapellen spielt eine Rolle. In solchen Fällen kann auch ein Weiler oder ein Ortsteil den Namen Chriz erhalten.

Chriz kommt als Simplex im Singular häufig vor, der Plural (da fast immer endungslos) hingegen ist sehr selten; in geschriebenen Texten sind auch Crütz, Crutz, Kreitz oder lateinisch (apud) Crucem ‘beim Kreuz’ zu finden. Häufig ist auch der Diminutiv Chrizji ‘das kleine Kreuz’, nur selten der Plural Chrizjini ‘die kleinen Kreuze’.

Attributive Konstruktionen mit Adjektiven sind etwa ts Alt Chriz ‘das alte Kreuz’, bim (e)Rotu Chriz ‘beim roten Kreuz’, ts Änner Chriz ‘das jenseitige, weiter entfernte Kreuz’, ts Blau Chriz ‘das blaue Kreuz’, ts Ho Chriz oder ts He Chriz ‘das hohe (hochgelegene oder grosse) Kreuz’, ts Ober Chriz ‘das obere Kreuz’, ts Schwarz Chriz ‘das schwarze Kreuz’, ts Unner Chriz ‘das untere Kreuz’, bim Niwi Chriz ‘beim neuen Kreuz’.

Als Grundwort wird Chriz verbunden mit benachbarten Gebieten wie Aanuchriz ‘das Kreuz auf der Aana (Alpe)’, Bälerchrizji ‘das kleine Kreuz auf der Alpe Bäll’, Burgchriz ‘das Kreuz auf der Burg’, Cheeruchriz ‘das Kreuz bei den Kehren’. Selten ist eine Präzisierung wie Härzjesuchriz ‘das Kreuz mit dem Herzen Jesu’. Ab und zu kommen Genitive vor, die einen Stifter oder das Andenken an einen Verunfallten betreffen: Herr Guntren Kreuz ‘das Kreuz des Herrn Guntern’, Jägerchriz ‘das Kreuz, das an verunfallte Jäger erinnert (mit Gedenktafel)’, ts Kaarlifrantsch Chriz ‘das Kreuz für Franz, den Sohn des Karl’ usw. Verbreitet ist Mittelchriz ‘das Mittelkreuz’, wie oben gesagt für ein Gelände zwischen Bächen oder Wegen.

Sehr zahlreich ist Chriz als Bestimmungswort zu Acher, Ägerta, Bach, Biel, Biina, Bodu, Brand, Brunnu, Egg(a), Eie, Fääsch, Fura, Gartu, Gassa, Grund, Haalta, Hooru, Hubel, Hüs, Kapälla, Läger, Lerch, Matta, Räbe, Schiir, Schleif, Schluocht, Schnitta, Stadel, Stafel, Stock, Tanna, Teiff, Tola, Tschugge, Wald, Wasser und Wäg, die häufig eine Lage relativ zu einem Kreuz oder einen Ort mit einem Kreuz bezeichnen. Seltsam ist der Chrizinuleerch ‘Lärche mit Kreuzen’ (Guttet), eine Lärche, in der sich Hirten mit Kreuzen verewigen können. Modern sind zwei Haltestellenangaben von Seilbahnen: Station Steibenkreuz (Bellwald) und Station Kreuzboden (Saas-Grund), beide mit hochdeutschem Namen.

Die Ableitung Chrizer gehört meist zum FaN Kreuzer (cf. HL KREUZER (FAN)).

VSNB, Bd. 1, Sp. 369

Vorkommen

chri

chriiz

chriizji

chriizjini

chriizli

chritzen

chriz

chrize

chrizi

chrizinu

chrizji

chrizjinu

chrüz

creuz

crucem

crütz

crytz

kreitz

kreutz

kreutzgy

kreuz

Kreuz

kreuz

kriz

krizji

krütz

krutze