Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Ried

Ried ‘gerodetes Stück Land’ ist zu Ried (ID. 6, 1729 ff.) zu stellen, wo zwei verschiedeneWortstämme unterschieden werden, von denen der erste Riedgras und Sumpfgebiete meint, der zweite gerodetes Land. ZIMMERMANN (1968, 46) betrachtet Ried im Vispertal als Rodungsname. Das gilt wohl für die meisten der Belege im Oberwallis (z. B. die Gemeinden Ried-Brig, Ried-Mörel, Staldenried). URNB (2, 1078) vertritt für Uri die Meinung, dass eher die Bedeutung ‘Riedgras, sumpfiger Boden’ gemeint sei. Ableitungen von Ried wie Rieder, Riedin können auch FaN sein (AWWB 210, cf. HL RIEDI (PN), sowie RIEDMATTEN (FAN) und WINKELRIED (FAN)). Das Lemma kommt in unseren Daten über 300 Mal vor; im Einzelfall kann nicht über die genaue Bedeutung entschieden werden, es sei denn, der Kontext mache die Bedeutung klar, wie in bona paludosa quibus dicitur der Riedgrund ‘die sumpfigen Güter die der Riedgrund heissen’ (1526 (Kopie 1932), Gampel).

Das Simplex im Singular Ried n. (teilweise mit dem vokalischen /r/-Vorschlag) ist rund zwanzig Mal belegt. Das Simplex im Plural Rieder kommt nur etwa fünf Mal vor – in historischen Belegen kann eine Vermischung mit dem Namen Riederi / Riedera / Riederu ‘Wasserleitung vom / zum Ried’ stattfinden (z. B. Riederu ‘Wasserleitung vom / zum Ried’ (Ergisch, FLNK) mit einem Beleg von 1440 die Ryeder, 1654 die Riederren usw.)).

Diminutivbildungen im Singular sind selten und haben die Formen Riedgi, Riedgin (nur historisch), Riedji, Riedlin (1582 u. später, Blatten), Rietzgÿ (1542, Mund). Diminutive im Plural sind kaum belegt: Rietjini und Ze Rietjinu (beide Unterems).

Ableitungen auf /-ERA/ oder /-ERI/ sind für Wasserleitungen belegt: Riedera (Eischoll, Bürchen), Riederi (Naters, Ried-Brig, Ried-Mörel, St. Niklaus, Staldenried).

Als attributive Adjektive zu Ried sind belegt: Änner Ried ‘das jenseitige Ried’ (Visp, Eischoll), das Durstig Ried ‘das wasserarme Ried’ (1315 u. später, Visperterminen; 1307 Staden), das Foder Ried ‘das vordere Ried’ (1719, Turtmann), ts Horiäd ‘das hohe Ried’ (Gampel, weitere historische Belege in Kippel, Ferden), jm Huͤndren Rÿedt ‘im hinteren Ried’ (1594, Stalden), im Inneren Riedt (1676, Staldenried), ts Nider Ried ‘das niedere (untere) Ried’ (Eischoll, Staldenried, weitere historische Belege in Binn, Ried-Mörel, Zermatt), ts Ober Ried (Ausserbinn und mehrere weitere), ts Unner Ried (Ausserbinn und mehrere weitere) und Wiissriäd ‘das weisse Ried’ (Blatten), das vermutlich nach der Wiis Flüä ‘weisse Fluh’ (FLNK, Blatten) benannt ist.

Vorangestellte Genitive im Singular oder Plural sind meist PN oder FaN: Bertschen Ried ‘das Ried des Bäärtschi / der Familie Bäärtschi’ (1725, Turtmann), aŭff Dirrigo Riedt ‘auf dem Ried der Familie Dirren’ (1691, Bürchen), Eyholzersch Ried ‘das Ried der Familie Eiholzer’ (Betten), in des Fenders Ried ‘im Ried des Fenners (Fähnrichs)’ (1770, Turtmann), Geroldigo Ried ‘das Ried der Familie Gerold / der Leute des Gerold’ (1659, Betten), ts Gibschturiedgi ‘das kleine Ried der Familie Gibsten’ (Betten), ts Goltscheriäd ‘das Ried des Gold (PN)’ (Ferden), im Hansen Ried ‘im Ried des Hans’ (1828, Betten), jn Jacob Walckers Riet ‘im Ried des Jacob Walker’ (1659, Betten), ts Mangisch Ried ‘das Ried der Familie Mangisch’ (Betten), im Schwitzer Ried (1737, Turtmann), ts Wälligsch Ried ‘das Ried der Familie Wellig’ (Betten). Die vielen Belege aus Betten zeigen, dass in dieser Gemeinde die verschiedenen Fluren nach den Besitzern oder Nutzern benannt wurden.

Als Grundwort ist Ried in folgenden zweigliedrigen Komposita vertreten: Alburied ‘das Ried bei der Alba (Weisse?)’ (Bürchen, Raron, Visp, Zeneggen), Bärriäd ‘das Ried, wo es Bären hatte’ (Wiler), ts Blatturiedji ‘das kleine Ried unterhalb von Blatten’ (St. Niklaus), Chiipelriäd ‘das Ried bei Kippel’ (Kippel), Färdaried ‘das Ried bei Ferden’ (Ferden), Gasuried ‘Gasenried’ (St. Niklaus), ts Goltsch(e)riäd ‘das Ried des Gold (PN) (?)’ (Ferden), ts Lochried ‘das Ried bei der Höhlung’ (Betten), ts Pägguried ‘das Ried des Päggu (PN)’ (Raron, Niedergesteln), an dem Watzenriede (1304, St. Niklaus, wohl Fehlschreibung für Gasenried), ts Wicheried ‘das Winkelried / das Weiherried’ (Zeneggen, schon 1389 Wichenriede) (cf. HL WICHEL).

Als Bestimmungswort ist Ried (auch Rieder) zusammen mit einer Reihe von anderen Grundwörtern belegt: Allmei, Alpa, Acher, Bach, Bäärg, Biina, Bodu, Brigga, Brunnu, Chrache, Erb, Fad, Flüö, Furgga, Gartu, Gassa, Gletscher, Grabu, Grund, Haalta, Matta, Schluocht, Stapfa, Strich, Stutz, Suon, Tal, Wäg, Wald, Wang, Wasser, Weid und Zug.

Komplexere Konstruktionen mit mehreren Gliedern und attributiven Adjektiven sind z. B. t Undru Riedgaarte ‘die unteren Gärten beim Ried’ (Erschmatt), zŭr Riedjiwasserschöpfi ‘bei der Schöpfstelle für die Wasserleite zum kleinen Ried’ (1881, Visperterminen), Hotenner Riedbärg ‘der Riedbärg, der zu Hohtenn gehört’ (Niedergesteln) und zer Riätholzchaplun ‘bei der Kapelle beim Riedholz’ (Kippel).

VSNB, Bd. 3, Sp. 451

Vorkommen

(e)riäd

(e)riädär

(e)riädärsch

(e)riät

(e)ried

(e)rieder

(e)riedi

(e)riedisch

(e)riedji

(e)riedu

riäd

riädär

riät

riätlisch

rieb

ried

riedäru

rieder

riedera

riederen

riederi

riedero

riederro

rieders

riedgi

riedgin

riedi (Ried)

riedji

riedjini

riedlin

riedo

riedsch

riedt

riedtschen

riet

rietjini

rietjinu

rietzgy