Visp
Die Gemeinde Visp (Hauptort des gleichnamigen Bezirkes) liegt auf der linken Rhonetalseite auf rund 660 m am Eingang der Vispertäler. Der Name Visp (gespr. Fischp, frz. Viège) erscheint von Anfang der Überlieferung an in einer latinisierten Form Vespia (11?? Vespiam) oder Vesbia (1075–1125 Vesbia, 1213 Vesbiam) und einer frpr. Form Viegie (1210 Viegie) und Viegi (1220 Viegi). Die heutige Form des Namens ist erstmals 1514 als Visp belegt. Die späte Form Vispach (erstmals 1630; der frühe Beleg Vispach aus dem 12. Jahrhundert im Gemeindearchiv von Naters ist vermutlich eine späte Kopie) ist eine volksetymologische Konstruktion. Unklar ist das Verhältnis zum Flussnamen Vispa. GATSCHET (1867, 248), gefolgt von STUDER (1896, 268), stützt seine Deutung auf die jüngere deutsche Namenform Vispach, in der er eine Kurzform für Wiesenbach sieht. Er hält Vispach für die deutsche Übersetzung von frz. Praborgne, frz. Benennung des Dorfes Zermatt. JACCARD (1906, 509 f.) berichtigt, dass der Name Visp, wie übrigens auch die umliegenden Ortsnamen, nicht dt. sondern rom. Ursprungs sei, gibt jedoch keine weitere Erklärung. ZIMMERMANN (1968, 16 f.) vermutet, dass der Name Visp keltischen Ursprungs sei, er geht irrtümlicherweise von einer Grundform Vespia statt Vesbia aus und verweist auf die Etymologie von HUBSCHMIED (1926, 437 f. und 1933, 106 f.), der den Namen von einem idg. Stamm *wesp- ‘nähren’ ableitet, aus dem im Keltischen ein Substantiv *wospā, *waspā, *wespā ‘Nahrung, eigentlich Futter für das Vieh, Alpweide’ gebildet und daraus wiederum eine weitere Form *wespiā ‘Alpbach’ abgeleitet worden sei. Da die frz. Form Viège aus lautlichen Gründen nicht auf diesen Stamm zurückgeführt werden kann, konstruiert HUBSCHMIED ein spätgall. *wesbia. Diese Etymologie wird von RÜBEL (1950, 132), GUEX (1938, 359 und 21976, 181) und BESSE (1997, 292) kritiklos übernommen. A. JAQUES beschäftigte sich in seinem Beitrag zum 7. Colloque Onomastique Suisse in Lausanne mit der Endung -ubia, die er auch in Vesbia fand, und kam zum Schluss, dass die Endung wohl zweigliedrig sei, dass aber Ort und Fluss nicht getrennt werden können; er plädierte für den Fluss als namengebend.
Aufgrund der frpr. und frz. Formen Viegie und Viège gilt Vesbia als ursprüngliche Form, Vespia müsste im Frz. zu *Vièche führen. KRISTOL ET AL. (2005, 937) vermuten, dass die Formen mit p erst mit der Auslautverhärtung bei der Entlehnung des Namens ins Deutsche entstanden seien.
W. MÜLLER (2011) nimmt an, dass Visp/Viège einen Gewässernamen aus idg. *uis- ‘fliessen’ > rom. *vis- und Endung -ubia repräsentiert (siehe JAQUES oben) und erklärt, dass man wegen des kurzen i von *uis- bei diesem Proparoxytonon zu rom. Vesbia komme. Das spätere -i- in der frz. Namensnennung Viège stamme aus dt. Visp. Für KRISTOL ET AL. (2005) bleibt die Deutung des Namens Visp unsicher, ein Gewässername für den Ortsnamen Visp wird jedoch nicht ausgeschlossen. Die idg. Wurzel *uis- sei in Gewässernamen gut belegt, aus einer ursprünglichen Form *uisuba würde die frührom. Form *Vésobia entstehen, die vor der alemannischen Einwanderung zu Vesbia synkopiert worden wäre.
Der Fluss, an dem die Gemeinde Visp liegt, ist in den Quellen schon früh als Vispa (1275–1298; 1303, 1315), dann auch lat. als Vespia (1322) und aque Vespie (1450) benannt. Deswegen liegt eigentlich die Übertragung des Flussnamens auf den Ort nahe.
Neben dem HL VISP findet sich kein Simplex. Der Beleg supra cristam de Vespia ‘über dem Hügel von Visp’ (1351) meint wohl die Anhöhe, auf der der alte Dorfteil von Visp liegt.
Hingegen ist eine Ableitung auf -ER (auch Genitiv Plural -ERRO) häufig vertreten: ad Alpem Visperro ‘bei der Alpe der Leute von Visp (im Nanztal’ (1519, Visperterminen; 1717 die Wisper Alpen), ad Visperro Ban ‘der Bann (wohl Wald) der Leute von Visp’ (1315 u. später, Visp), ts Fischpersand ‘das Sandgebiet bei der Vispe (heute überbaut)’ (Visp; Variante ts Vischpusand; FLNK Vischpusand), Fischper Wald ‘der Wald, der zur Gemeinde Visp gehört’ (1841, Visperterminen), Visperro … Wald ‘der Wald der Leute von Visp’ (17??, Visp), Visperro Wasser ‘die Wasserleitung der Leute von Visp’ (1309 u. später, Visp), in dyen Visperron ‘in den Gebieten, die zu Visp gehören’ (1306, Raron), in der Fisperrun ‘im Gebiet, das zu Visp gehört’ (1302, Unterbäch)’. In einigen Fällen sind die Namen als Komposita mit Visper als Bestimmungswort behandelt, wobei sich die Form auf die Gemeinde oder den Fluss beziehen kann: ts Unner Vischpersand ‘das untere Sandgebiet bei der Vispe (heute überbaut)’ (Visp), ts Vischperanz ‘die Nanzalpe von Visp’ (Visperterminen), im Vischperfärich ‘im Pferch der Leute von Visp (im Nanztal)’ (Visperterminen), Vischpertäärmino ‘Visperterminen (Gemeindename)’ (Visperterminen, SK Visperterbinen, LT Visperterminen), Vispermatta ‘die Wiese an der Vispa’ (1305, St. Niklaus), Vispertal ‘das Tal der Vispe (von Stalden bis Visp; allgemeiner mit Matter- und Saasertal zusammen)’ (Zeneggen).
Der Fluss wird t Fischpa ‘die Vispe (Fluss aus den Vispertälern zum Rotten)’ (Visp, Stalden, Visperterminen, Zermatt) genannt, historisch auch der Vispen (1560, Täsch; Genitiv konstruktionsbedingt). Zer Vischpa ‘bei der Vispe’ (FLNK, Zeneggen, LT Zer Vispu) ist der Name eines Grundstückes bei der Vispe in Zeneggen. Spezifikationen sind Almagäller Vischpu ‘die Almageller Vispe (die Saaser Vispe im Bereich Almagell)’ (Saas-Grund), t Feeru Vischpu ‘die Vispe (Fluss) vom Feegletscher herunter’ (Saas-Fee), Feer Vischpu ‘die Vispe (Fluss) aus Saas-Fee’ (Saas-Grund), Matter Vischpa ‘die Vispe, die von Zermatt durch das Mattertal fliesst’ (FLNK, Stalden; FLNK, Törbel), Mattervischpa ‘die Vispe, die von Zermatt durch das Mattertal fliesst’ (FLNK, Randa; FLNK, St. Niklaus), Saaser Vischpa ‘die Saaser Vispe (Fluss im Saastal)’ (FLNK, Eisten; FLNK, Stalden; FLNK, Staldenried), Saaservischpu ‘die Saaser Vispe (Fluss im Saastal)’ (FLNK, Saas-Grund; LT Saaservispa; FLNK, Saas-Almagell, LT Saaservispa). Zum Flussnamen gehören weiter Alts Vischpubett ‘das alte Bett der Vispe’ (FLNK, Visp), ts Ober und ts Unner Vischpubett ‘das obere und das untere Bett der Vispe’, t Vischpuräbe ‘die Rebberge an der Vispe (Fluss aus den Vispertälern zum Rotten)’ (Zeneggen), ts Unner Fischpersand ‘das untere Sandgebiet bei der Vispe (heute überbaut)’ (Visp). Mit einer komplexen Präposition findet sich Enendt der Vispen ‘jenseits der Vispe’ (1609, Stalden).
Als vorangestellter Genitiv erscheint einmal ts Vispersch Bodo ‘der Boden des Vispers (Einwohner von Visp)’ (Törbel), offenbar ein Grundstück, das jemand aus Visp gehörte.
Eine Reihe von Belegen ist lateinisch; sofern es dazu eine deutsche Version gibt, ist sie oben angeführt. Nur lateinisch erscheint almeniam burgensium Vespie ‘die Allmein (gemeinsamer Besitz) der Burger von Visp’ (1546, Visp).
VSNB, Bd. 4, Sp. 475
Vorkommen
fischpa
- Fischpa Zermatt
fispen
- Fispen Staldenried
fisperrun
- Fisperrun Unterbäch
vischp
- Cristam de Vischp Visp
vischpa
- Enendt Vischpa Stalden
- Matter Vischpa Törbel
- Matter Vischpa Stalden
- Saaser Vischpa Eisten
- Saaser Vischpa Staldenried
- Vischpa Visp
- Vischpa Grächen
- Vischpa Visperterminen
- Vischpa Stalden
vischper
- Unner Vischpersand Visp
- Vischper Allmei Visp
- Vischper Alpa Visperterminen
- Vischper Ban Visp
- Vischper Brigga Visp
- Vischper Wald Visp
- Vischper Wald Visperterminen
- Vischper Wasser Visperterminen
- Vischperanz Visperterminen
- Vischperfärich Visperterminen
- Vischpersand Visp
- Vischpertäärmino Visperterminen
vischperi
vischpersch
- Vischpersch Bodo Törbel
vischpu
- Almagäller Vischpu Saas Grund
- Alts Vischpubett Visp
- Feer Vischpu Saas Grund
- Feeru Vischpu Saas-Fee
- Ober Vischpubett Visp
- Unner Vischpubett Visp
- Vischpu Saas-Fee
- Vischpu Saas-Balen
- Vischpuräbe Zeneggen
- Vischpusand Visp
visp
vispa
- Mattervispa Randa
- Mattervispa St. Niklaus
- Saaser Vispa Stalden
- Saaservispa Saas Grund
- Saaservispa Saas-Almagell
vispen
- Vispen Täsch
visper
- Vispermatta St. Niklaus
- Vispertal Zeneggen
visperi
- Visperi Eyholz
visperro
- Visperro Raron
- Visperro Wald Naters
vispu
- Zer Vispu Zeneggen
wisper
- Wisper Alpa Glis