Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Trog

Trog m. ist zu schwdt. Trog m., Dim. im Wallis Trogi, Trogji, wesentlich wie nhd. ‘grosses Gefäss aus Holz oder Stein’, mhd. troc, wdt. Trog, im Lötschental Troog ‘Trog, Brunnen’ (ID. 14, 646 ff.; GRICHTING 1998, 198) zu stellen. Bei FlN sind zumeist Brunnen (meist aus Holz) als Viehtränke (Tränketrog) oder die Form des Geländes als Trog ‘Rinne, schmale, lang gestreckte Mulde’ (ID. 14, 628 ff. bes. 638) gemeint; in einigen Fällen ist nicht zu entscheiden, welche Deutung vorliegt. Brunn(en)-, Brunn (en)- und Obertrog sind ‘liegende, offene Behälter für Wasser’ (ID. 14, 646 ff.; ID. 14, 639).

In den rund 190 Belegen mit dem HL sind Simplizia des Singulars Trog sechzehn Mal vertreten. Der Plural ohne Umlaut ist Troge (Binn, Mühlebach), mit Präposition im Dativ Zen Trogu (Birgisch, Visperterminen). Mit Umlaut und anschliessender Entrundung entsteht Treg, das aber nur als Ze Trege (Ernen), resp. Ze Tregu (Saas-Balen, Zermatt, 1692 Filet) und einmal als bi de Tregu (Bitsch) belegt ist. Die Diminutive erscheinen in zwei Reihen, zunächst ohne Umlaut als Singular zum Trogji (Varen), im Plural di Trogjini (Gampel), ze Trogine (Reckingen), bine Trogini (Oberwald), bine Trogjine (Grengiols), bine Trogjini (Oberwald), ze Trogjinu (Gampel, Glis, Varen, Visperterminen), zu Trogjinu (Täsch), mit Umlaut, Hebung und Entrundung entsteht das Trÿgÿ (1608 u. später, Zwischbergen), das Triggy (1530, Ernen), beÿ dem Trigi (1808, Obergesteln), ts Trigi (Simplon), zum Trigji (Törbel, Visperterminen), zum Triglin (1580, Guttet). Da diese Form identisch ist mit dem Diminutiv Triggji zu Tritt, und da der Bezug zu Trog nicht mehr klar ist, wird die Form vermieden.

Attributive Adjektive zum HL TROG sind: fúr den Alten Trog ‘vor dem alten Trog’ (1520, Staldenried), Altentrog ‘der alte Trog’ (auch Haaltentrog, unsicher) (Täsch), zum Altu Trog (Randa), zen Obren Trogen ‘bei den oberen Trögen’ (1642, Visperterminen), den Rendrŭn Trogŭn ‘(über) den jenseitigen Trögen’ (1590, Visperterminen, wohl mit Agglutination von /r/ an ender), zŭm Grossen Trog (1670 u. später, Raron), zum Grossen Trog (1441 u. später, Ausserberg), bi de Grosse Tregu ‘bei den grossen Trögen’ (FLNK, Eischoll), der Rot Trog ‘der rote Trog’ (Binn), ze Wiisse Trogjinu ‘bei den weissen kleinen Trögen (beim Wiisse Bode ‘weisser Boden’)’ (Staldenried).

Vorangestellte Genitive zum HL TROG sind in verschiedenen Formen belegt: beÿ Empfen Trog ‘beim Trog der Familie Empfen’ (1739, Birgisch und Naters), ts Jaaggitrogine ‘die kleinen (Brunnen-)Tröge der Familie mit dem Beinamen Jaaggi’ (Reckingen, zweimal), ts Jakobsch Trog ‘der Trog des Jakob’ (Täsch), ts Chriegersch Trog ‘der (Brunnen-)Trog der Familie Krieger’ (Zwischbergen, ev. auch der Streitparteien), Bielersch Trog ‘der Trog der Familie Bieler’ (FLNK, Zermatt), Blantschentrog ‘der Trog der Familie Blantschen / der Trog beim Gebiet Plantschu’ (1687 u. später, Oberems), Buͤllero Trog ‘der Trog der Leute von Biel (Hügel)’ (1519, Törbel), ts (e) Rittersch Trog ‘der Trog der Familie Ritter (wohl Trogform des Geländes)’ (Eggerberg) und zuo Thomigo Trog ‘beim Trog (Brunnen) der Familie Domig / der Leute des Thomas’ (1540, Ausserberg). Nur dieser letzte Beleg weist einen Genitiv Plural der kollektiven -IG-Ableitung zu einem PN oder FaN auf.

Zweigliedrige Komposita mit dem HL TROG als Grundwort weisen als Bestimmungswort meistens den Namen einer nahegelegenen Flur auf. In einem Fall scheint ein Vorname gemeint zu sein: bim Albinutrog ‘beim (Tränke- )Trog des Albinus (PN)’ (Visperterminen) (der Gemeindename Albinen kommt aus geografischen Gründen nicht in Frage). zum Edeltrogi ‘beim kleinen Trog bei den Erlen’ (Saas-Balen) meint wohl ein früheres Erlengehölz, ts Eichtrogji ‘der kleinen Trog (Brunnen) beim Eich’ (Raron) ein Eichengehölz. Ereztreg ‘die Tröge beim Erezji (kleines Gebiet mit Erz)’ (Eischoll) ist nach einem Erzvorkommen benannt. zum Gassutrog ‘zum (Brunnen- )Trog bei der Gasse’ (Randa), zú dem Geescher Trog ‘der Trog bei der armen Hütte’ (1753, Filet, die Konstruktion kann auch als Genitiv Plural gelesen werden), der Haaltuntrog ‘der Trog bei der Halde’ (FLNK, Täsch, auch Aaltuntrog), zúm Kupffer Trog ‘beim Kupfer-Trog (unklar)’ (1637, Termen, ev. Material des Troges), t Lowwitreg ‘die Tröge (Brunnen) beim Lawinenzug’ (Eischoll), zum Metteltrog ‘beim Trog bei der Mettle’ (Täsch), bi / vnder dem Muntertrog ‘beim / unter dem Muntertrog’ (1702 u. später, Eischoll, unklar), zum Pflantschutrog ‘der Trog beim Gebiet Pflantschu / Plantschu’ (Oberems), zem Bickitrog ‘Trog aus Holz oder Trog auf dem Steinpflaster (beim Stall)’ (1578, Bister; 1578, Termen), ts Blaggjitrogji ‘der kleine Brunnen bei der kleinen Felsplatte’ (Mund), Boozetrogi ‘der kleine Trog mit einem Gespenst’ (FLNK, Niederwald), di Brunntreg ‘die Tröge gespiesen von der Quelle / dem Brunnen’ (Guttet), Bublet Trog ‘der Trog beim Bublet (Ort mit Pappeln)’ (Leuk), ts Burschttrog ‘der (Brunnen-)Trog bei den Burschtjini (mit Riedgras bewachsene kleine Wiesen)’ (Binn), ts Bättiltrogji ‘der kleine Trog mit wenig Wasser / für die Bettler’ (Ergisch), zum Riteschttrogji ‘beim kleinen Trog im Gebiet Ritescht (am meisten gerodetes Gebiet / des gerodeten Gebietes)’ (Hohtenn), der Salitrog ‘der Trog beim Sali (Gebiet mit Salweiden)’ (Grengiols), der Scheidtrog ‘der Trog, in dem Molke abgekühlt wurde’ (Ferden) (ID. 14, 651 s. v. Scheidtrog verweist auf den Trog, in dem beim Käsen Molke abgekühlt wurde), der Schärutrog ‘der Trog mit einem Schutzdach’ (Mund), Semsentrogli ‘der kleine Trog beim Gebiet Sämsu (Kuh-Scheide?)’ (1713, Guttet), der Striitutrog ‘der Trog (trogförmige Mulde) beim Gebiet Striitä (umstrittenes Gebiet)’ (Gampel), der Waldtrog ‘der Trog im Wald’ (1833, Eisten und Grächen), der Wannuntrog ‘der Trog (Tränkestelle) bei der Wanne (Mulde)’ (Niedergesteln). Komplexere Formen sind z. B. der Rosmattutrog ‘der Trog bei der Wiese bei den Roossen (Röstplatz für Hanf und Flachs)’ (Grengiols), vnder dem Schwartzen Kescher Trogg ‘Unter dem Trog bei der schwarzen Hütte’ (1692, Filet), ts Chalberweidtrogji ‘der kleine Trog bei der Weide für die Kälber’ (Gampel) und weitere.

Das HL TROG tritt als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita vor allem in den Typen Trogmatta ‘Wiese beim Trog’ (rund 40 Belege inklusive Plurale und Diminutive) (C. SCHMID 1969, 86 schreibt, die Wäsche sei auf der Trogmatta beim Backhaus aufgehängt worden), Trogacher ‘Acker beim Trog’ (acht Belege) und Trogschlüecht ‘die Gelädeeinbuchtung mit einem Trog / die wie ein Trog aussieht’ (acht Belege) auf. Weitere Grundwörter sind Bodu, Brand, Brunnu, Dorf, Egg(a), Graat, Grabu, Haalta, Hubel, Läger, See, Schiir, Schleif, Schnitta, Stafel, Stuck, Tola und Weid. Komplexer sind t Undru Trogachra ‘die unteren Äcker beim Trog (Geländemulde)’ (Embdt), den Wÿden Brunnen Trog ‘der Trog beim Widenbrunnen (Ortsteil von Oberems)’ (Oberems) und andere.

Eine Ableitung auf -ERE weist di Trogere ‘der Ort mit einem Trog’ (Turtmann) auf (historisch immer Zen Trogeren, nur 1746 Zun Trogero), eine Kleinsiedlung bei Turtmann, wobei nur der Beleg von 1746 auf einen FaN Troger verweist; ob der Beleg Trogerro Alpa (1548, Turtmann) den FaN meint, ist unklar (cf. HL TROGER (FAN)). Die gesprochene Form verweist auf eine Stellenbezeichnung (SONDEREGGER 1958, 471). Eine andere Ableitung auf -ERNA ist belegt in di Trogerna ‘das Gut beim Trog / der Leute mit dem Beinamen Trogi’ (Törbel, 1519 auch in der Troggeren). Das Suffix -ERNA f. ist bei SONDEREGGER (1958) nicht belegt; hier belegt es wohl eine Zugehörigkeit zum Übernamen Trogi.

VSNB, Bd. 4, Sp. 382

Vorkommen

treg

trege

tregu

triggi

triggy

trigi

trigji

triglin

trog

troge

trogen

trogere

trogeren

trogerlin

trogerna

troggi

trogi

trögi

trogine

trogini

trogji

trogjine

trogjini

trogjinu

trogli

trogu