Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Chol

Chol ‘Kohle’ kommt in etwa hundert Fällen als Bestandteil von Namen vor, ist aber nie als Simplex belegt. Es ist zu schwdt. Chol(l) m., n. ‘einzelnes Stück Kohle; die vom Kohlenbrenner gelieferte Kohle; brennender Kohlehaufen, Meiler des Köhlers’, als erster Teil von zusammengesetzten ON meist mit Bezug auf Kohlbrennerei, die an den betreffenden Orten betrieben wurde; mhd. kol, schw. m., f., auch st. n.; Pl. koln, kölen, köler ‘Kohle, Kohlehaufen’ und wdt. Chola, Cholä (Goms), Choln (Lötschtal), Cholu ‘Kohle’ (ID. 3, 207 ff.; GRICHTING 1998, 52) zu stellen. Neben der Holzkohle wurde an einzelnen Orten zeitweise auch Steinkohle (Anthrazit) abgebaut, so etwa im Lötschental. In einzelnen Fällen kann auch die dunkle Farbe des Gesteins gemeint sein; die Ableitung Choller u. ä. kann auch als FaN (AWWB 142 s. v. Koller) verwendet werden. Lautlich gesehen hat Chol einen Kurzvokal und ein geminiertes /ll/, das in Ableitungen zum Vorschein kommt; im unteren Goms mit seiner /l/- Vokalisierung wird das Lexem deswegen als Chou ausgesprochen. Das Simplex Chola m. Varianten ist feminin. Der Umlaut zu /ö/ kommt nur einmal in einem unklaren Fall aus Saas-Fee vor (1762 köllen).

Als Bestimmungswort kommt Chol vor allem im Typ Cholplatz ‘Platz, an dem Kohle gebrannt wurde’ vor; dieser Typ ist verbreitet in den oberen vier Bezirken Goms, Östlich-Raron, Brig und Visp; er fehlt ganz im Bezirk Leuk. Der Typ Cholgrüeba ‘Grube, wo Kohle gewonnen / gebrannt wurde’ findet sich in Oberwald, Obergesteln, Ulrichen und Blatten. Nur in Oberems findet sich ts Cholbrännerplatzji ‘der kleine Platz des Kohlbrenners’. Andere Grundwörter sind die HLL Alpa, Bodu, Gartu, Matta, Miina, Schluocht und Statt. Als Adjektive erscheinen Ober und Unner Chouplatz (Ausserbinn), Reckiger Cholplatz (Ulrichen). Nur einmal wird ein Genitiv vorangestellt: ts Schüüliersch Chollplatz ‘der Platz, an dem ein Mann namens Julier Kohle brannte’ (Gampel).

Eine Reihe von Ableitungen ergänzen das Bild: Choli n. ‘der Ort, wo Kohle gewonnen / gebrannt wurde’ (Leuk, Varen) ist als Simplex belegt; dazu kommen Cholibode (Leuk), Cholimatte (Bratsch), Cholitotz (Inden) und Choligrabu (Inden) – alle im Bezirk Leuk, wo sich auch das Ober Choli und das Unner Choli (beide Varen) befinden. Der Kolÿ Aker (1850, Mund) ist nur historisch belegt; ebenso die Koliwasserleiten (1781, Leuk).

Eine zweite Ableitung ist uneindeutig: Chol(l)er kann sowohl den Köhler (ID. 3, 208) meinen, als auch einen Kohlplatz. Als Simplex ist Choler selten belegt: im Cholär (Dorfteil von Blatten), hingegen erscheint es als Bestimmungswort mit den Grundwörtern Bodu, Grabu, Hooru, Joch, Legi, Schleif, Stüde, Tschugge und Wald. Im Einzelnen ist hier nicht immer klar, was genau gemeint ist: auch die FaN Koller, Kohler, Coller, Coler (AWWB 142) kommen in Frage. Ziemlich sicher ist der FaN in Choligu Gadu ‘der Gaden der Familie Kohler / der Leute des Köhlers’ (Eggerberg) gemeint.

Ableitungen, die für die Köhlerei (als Ort, wo Kohle gebrannt wurde) verwendet werden, sind die Typen Chol(e)ra, Chollerna und Choleri (resp. Choueri im unteren Goms).

VSNB, Bd. 1, Sp. 358

Vorkommen

chol

cholär

choler

cholera

cholerli

choli

choligu

choll

choller

cholu

chooll

chou

choueri

chouerli

kohl

kol

kolen

kolera

kolerna

kolerri

koli

koll

köllen

kolleren

kolleri

kollren

koly