Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Chi

Chi, Chinn ist ein charakteristisches Lemma des Walliserdeutschen, das nach ZINSLI (1946, 102) ‘einen engen, schluchtartigen Felsenabgrund’ bezeichnet. Es ist zu schwdt. Chinn, wdt. Chi n. ‘enge Schlucht, Felsspalte; Schlucht, Felsschrund’ (ID. 3, 320; GRICHTING 1998, 48) zu stellen; die Etymologie ist ungeklärt. In Einzelfällen ist das fast gleichlautende Chinni ‘Kinn’ (ID. 3, 319) anzunehmen, obwohl mundartlich Chimbei ‘Kinnbein’ (GRICHTING 1998, 48) geläufiger ist; die Form Chinni f. kommt nur in Embd vor; sie könnte aus einem Diminutiv als Femininum reanalysiert worden sein. Das Lemma findet sich in etwas über 200 Namen.

Das Simplex ist Chi, im Lötschental Chinn; Plurale sind nicht belegt. Als Diminutive erscheinen Chindli (Naters) und Chinnigji (Ried-Brig). Historische Belege sind anlautend meist mit K geschrieben.

Adjektivische attributive Bildungen sind relative Lagebezeichnungen wie Inner Chi (Oberems), Ober Chi (Simplon, Bitsch), Ober Chinni (Embd), Unner Chi (Simplon), auffallende Eigenschaften wie Füül Chi ‘Schlucht mit faulem Gestein’ (Törbel), Teiff Chi ‘tiefe Schlucht’ (St. Niklaus, Simplon), Stumpe Chi ‘kleine Schlucht’ (Simplon) und Trochu Chi ‘trockene Schlucht’ (Mund, Eggerberg), Farben wie Rot Chi (Zwischbergen) und Wiissu Chinni (Embd); nicht ganz klar ist der historische Belege ze dien Sterren Kynnen (1300, Zeneggen), wo ein FaN Sterren oder ein Adjektiv vom Typ starr vorliegen könnte.

Als Grundwort verbindet sich Chi meist mit einer Lagebezeichnung wie Turtig Chi (Unterbäch, Niedergesteln), Sältinuchi ‘Schlucht der Saltina’ (Glis), Maachi ‘die Schlucht bei St. German’ (Raron, Ausserberg) und vielen weiteren; wohl metaphorisch wird die Körperteilbezeichnung Kinn in Felschi ‘Felskinn’ (Saas-Fee) verwendet. Vermutlich Genitive liegen vor in Goopischchi ‘die Schlucht des Goopi (?)’ (Ausserberg) und Gsellischchinn ‘die Schlucht (der Lonza) des Gesellen (?)’ (Blatten). Sehr selten ist das Grundwort auch ein Diminutiv wie in Feechindli (unklar, liegt auf über 3500 m) (Blatten).

Als Bestimmungswort verbindet sich Chi mit Acher, Bodu, Brigga, Brunnu, Cheer, Egga, Fels, Gassa, Gletscher, Grabu, Hitta, Hooru, Licka, Löuwina, Matta, Schiir, Schluocht, Stalde, Stei, Tola und dem komplexen Wasserleita. Auch hier gibt es wenige Belege mit einem Diminutiv wie in dr Chinglicheer ‘die Kehre bei der kleinen Schlucht’ (Kippel) und dem Plural t Chinglicheera ‘die Chingelkehre (Wegkehren beim kleinen Chinn (Schlucht))’ (Wiler).

Komplexere Bildungen wie Chinegguwang ‘der Grasabhang bei der Ecke an der Schlucht’ (Niedergesteln) oder Uister Wilärchinn ‘die äussere Schlucht der Wilerra’ (Wiler) sind selten.

VSNB, Bd. 1, Sp. 344

Vorkommen

chi

chin

chindli

ching

chingli

chini

chinn

chinne

chinni

chinnigji

ki

kien

kin

kindjini

kindlini

kinn

kinndjini

kinne

kinni

kinnun

kün