Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Cheer

Cheer bezeichnet meist eine Kehre (Kurve) einer Strasse oder eines Weges oder den Turnus des Wassergebrauchs aus einer Wasserleite; andere Gebrauchsweisen sind sehr selten. Es ist zu schwdt. Chēr, Pl. Chēren m., f. ‘Wendung; Umweg; zwei aufeinanderfolgende (durch einmaliges Hin- und Zurückfahren mit dem Pflug entstandene) Furchen’, mhd. kēr m., kēr(e) f. ‘Richtung, Wendung’ (ID. 3, 430 ff.) und zu wdt. Cheer ‘Kurve, Umkehr, Wende, Turnus’ (GRICHTING 1998, 47) zu stellen. Das HL ist in rund 200 Flurnamen vertreten.

Das Simplex Cheer wird häufig mit einer Präposition wie zum / bim / im verwendet, ebenso der seltenere Plural Cheere / Cheera / Cheeru (nur einmal tritt in einem Kompositum der Plural Deischcheerna ‘die Strassenkehren am Deischberg’ (Grengiols) auf). Nur im Plural tritt der Diminutiv Cheerlini auf. Adjektivische Attributbildungen sind vor allem mit dr Leng / Läng Cheer belegt; dazu kommen der Fiischter Cheer ‘der finstere Kehr (Wegkehre im dunklen Wald)’ (Wiler) und der Lüter / Lüüter Cheer ‘Wegkehre in hellem Gebiet’ (Blitzingen, Hohtenn). Sehr zahlreich sind Komposita mit Cheer als Grundwort, zumeist ist das Bestimmungswort der Name eines benachbarten Gebietes; seltener sind es die Kosten (Millioonocheer ‘Millionenkehre’, Ulrichen), der Name der Erbauer (Giontacheer ‘Kehre des Herrn Chionta / Ghionda (?)’, Oberwald) oder ein Bestandteil (Gländercheer ‘Strassenkehre mit einem Geländer’, Zeneggen). Zu den Erbauern eine Anmerkung: die Kehren der Grimselpassstrasse wurden seit den Aufnahmen neu benannt (vgl. Artikel „Jedem Chef seine Grimsel-Kehre“ (Walliser Bote vom 23. September 1995, S. 9); Dank an Prof. KLAUS AERNI † für den Hinweis auf den Artikel): Stoffel-Kehre, Sengge-Kehre, Steiner-Kehre, Magnin-Kehre und Suter-Kehre. Sie sind in der Datenbank des VSNB nicht erfasst. Einen Sonderfall stellt t Oschicheri ‘die Kehre nach oben’ (Stalden) dar; das feminine Cheeri ‘Kehre’ ist sonst nicht vertreten; oschi ist vermutlich eine verschliffene Form zu obschi ‘ob sich, nach oben’. Komplexere Bildungen wie tsch Schmidowildicheer ‘der Kehr bei der Wildi der Familie Schmid’ (Ausserberg) oder Schwarzwaldcheer ‘der Kehr beim schwarzen Wald’ (Ergisch) kommen seltener vor.

Als Partizip von cheeren tritt einmal tsǝ Kcheerete Wasser (‘zu den gekehrten Wassern’, Grengiols) auf; die Motivation ist unklar, sagt doch die Gwp., es habe dort kein Wasser. In der Nähe liegen Chalti Wasser (‘kalte Wasser’), vielleicht erklärt sich der Name daraus.

Als Bestimmungswort ist Cheer vor allem in der Fügung Cheerwasser (Naters, Bitsch, Niederwald) belegt; hier geht es um das Wässerwasser, das im Kehr (im Turnus) von den Geteilen gebraucht werden kann. Weitere Fügungen sind mit Acher, Bach, Biina, Bletscha, Bodu, Chriz, Löuene, Matta, Rigg, Stafel und Wald verbunden; die jeweilige Interpretation ist von der Umgebung abhängig. Komplexere Bildungen sind mit Adjektiven versehen wie der Obere Cheerbode ‘der obere Kehrboden’ und der untere Cheerbode ‘der untere Kehrboden’ (Münster). Seltene Verbindungen eines romanischen Elementes mit dem HL sind in der Pflangcheer ‘der Kehr (Wegkehre) im Bereich Pflang (Ebene)’ (Varen) und des Pfranthier=Kehrwasser ‘(Genitiv konstruktionsbedingt) die Wasserleitung im Gebiet Pfrantieri, welche die Geteilen im Kehr (Turnus) brauchten’ (Feschel) enthalten. Zu den komplexeren Fügungen vgl. auch die einzelnen HLL.

VSNB, Bd. 1, Sp. 338

Vorkommen

cheer

cheera

cheere

cheeren

cheerli

cheerlini

cheerna

cheeru

cher

cheri

cherlinu

keer

keera

keere

keerete

keerlini

kehr

kehren

ker

kere

kerlini