Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Räbe

Räbe kommt als FlN nur im Plural vor, der zu schwdt Rëb f., wie nhd. ‘Weinrebe’, ahd. reba, raeba, mhd. rëbe und wdt. Räba, Räbä (Goms), Räbu ‘Reben’ (ID. 6, 37 ff.; GRICHTING 1998, 158; zum Thema generell EGLI 1982) zu stellen ist. Belegt sind rund 80 Flurnamen. Da der Rebbau generell in tieferen Lagen beheimatet ist, weisen nur die Bezirke Brig, Visp, Westlich-Raron und Leuk entsprechende Namen auf.

Das Simplex ist im Plural als t (e)Räbe ‘die Reben (unterhalb Embd)’ (Embd), zen Rebenn ‘bei den Reben’ (1570, Baltschieder), in den Reben ‘in den Reben’ (1824, Steg) belegt. Der Diminutiv Plural erscheint als ze Räbjunu ‘bei den kleinen Reben’ (Visperterminen), den auch ZIMMERMANN (1968, 62) als Räbjini erwähnt. Das in Naters 1684 belegte in den Rëbinen gehört wohl zu einem Pflanzennamen, nicht hieher (cf. HL REBINEN). Der komplexe Flurname t Räbe unnerm Bord ‘die Reben unter dem Bord (Abhang, Böschung)’ (Staldenried) meint den Dorfteil Bord, unterhalb dessen sich Reben befinden, benennt die Reben also relativ zu ihrer Lage.

Attributive Adjektive sind selten und unsicher: der Grossen-Reben ‘die grossen Reben (Genitiv konstruktionsbedingt)’ (1927, Salgesch), t Jungu Räbe ‘die jungen (neu angepflanzten) Reben’ (Zeneggen), ze Rotu Räbe ‘bei den roten Reben / bei den Reben am Rotten’ (Brigerbad; hist. Beleg von 1673 ‘in den Rotten Reben’ legt eher die zweite Deutung nahe; lebender Beleg hat langes /oo/, was ein Farbadjektiv nahelegt), in die Rothen Reben (1712, Eggerberg) (mit gleicher Unsicherheit), t (e)Rotu Räbe (Lalden, FLNK Roti Räbe) mit relativer Sicherheit Farbadjektiv.

Vorangestellte Genitive sind der Brunnerlinen Reben ‘die Reben der Familie Brunner’ (1732, Zeneggen), ts Heersch Räbe ‘die Reben des (Pfarr-)Herrn’ (Zeneggen), ts Seilersch Räbe ‘die Reben der Familie Seiler’ (Visperterminen), t Schtägerruräbe ‘die Reben der Leute von Steg / der Familie Steger’ (Hohtenn), Stŭpffs Reben ‘die Reben der Familie Stupf’ (1693, Eyholz), vineas de Sturlinguo ‘der Weinberg der Familie Sturlin’ (1275, Visp) (hier ist vinea ‘Weinberg’ vom Bearbeiter als ‘Räbe’ übersetzt worden), vinea Sweglers ‘der Weinberg des Schweglers / der Familie Schwegler’ (1437, Niedergesteln) (auch hier hat der Bearbeiter vinea ‘Weinberg’ als ‘Räbe’ übersetzt).

Als Grundwort wird das HL zunächst mit Besitzern verbunden, wie etwa di Burgerräbe ‘das Rebgebiet, das den Burgern gehört’ (Brigerbad, Visp), in den Kaplaneÿ Reben ‘in den Reben, die der Kaplanei gehörten’ (1838, Visp), t Egger Pmeiräbe ‘die Gemeindereben der Leute von Zeneggen’ (Stalden), in den Kirchen Reben ‘in den Reben der Kirche’ (1757, Gampel), di Pfariiräbe ‘die Reben der Pfarrei’ (Visp, FLNK Pfariiräbe), Pfarriiräbe (FLNK, Salgesch; auch bei MATHIER 2015, 61), di Pmeind(e) räbe ‘die Reben, die der Gemeinde gehören’ (Brigerbad), di Pmeiräbe ‘die Reben, die der Gemeinde gehören’ (Stalden), t Schitzuräbe ‘die Reben der Schützenzunft’ (Gampel, Salgesch (FLNK), Visperterminen) und Spittilräbe ‘die Reben, die dem Spital gehören’ (FLNK, Leuk).

Häufig sind nahegelegene Flurnamen, bei denen sich Rebberge befinden: di Blattu(e)räbe ‘die Reben im Gebiet der Felsplatte’ (Hohtenn), t Cheer(e)räbe ‘die Reben im Cheer (Wegkehre)’ (Varen), t Eich(e)räbe ‘die Reben beim Eich’ (Raron), t Eschräbe ‘die Reben beim Esch (Saatfeld, Weiler von Zeneggen)’ (Zeneggen) und viele andere mehr. Komplexer sind etwa t Fuggshüüs(e)räbe ‘die Reben beim Fuchshaus (Haus der Familie Fux / wo man Füchse anlockte)’ (Hohtenn), di Grossusteinaräbe ‘die Reben im Gebiet bei den grossen Steinen’ (Varen), t Milachruräbe ‘die Reben beim Gebiet Milachru (Mühlacker)’ und weitere. Ein unklares Beispiel ist t Acher(e)räbe ‘die Reben beim Acker / des Tachers (Dachdecker nach Gwp.)’ (Niedergesteln). Das Rätsel löst sich auch nicht beim Blick in die Karte: am betreffenden Ort können Äcker gestanden haben. Gwp. meint aber, die Reben hätten dem Tacher ‘Dachdecker’ Seiler gehört.

Ein Sonderfall sind Setzräben ‘der Ort mit (Reben-) Setzlingen’ (1629, Zeneggen; Übersetzung von Nouae vineae ‘die neuen Weinberge’), die Setzreben ‘die Setzreben (Setzlinge zur Verjüngung der Reben’) (1845, Salgesch), die Setzreben ‘die Setzreben (Setzlinge zur Verjüngung der Reben)’ (1708, Leuk). EGLI (1982, 178 u. 200) gibt Sache und Wort hierzu: es handelt sich um neuangelegte Gräben mit Rebensetzlingen, die z. B. in Zeneggen auch Nouae vineae ‘neue Weinberge’ heissen.

Als Bestimmungswort erscheint das HL nur mit den Grundwörtern Wier und Wild (als Abstraktum Wildi). Komplexer ist ts (e)Räbstäckuschleifji ‘der kleine Schleif für die Räbstäcke (Rebstickel)’ (Gampel). Zu Rebstickel und Rebstecken vgl. EGLI (1982, 164), wo Räbstäcke nur in Gampel und Steg vorkommt. Ein lateinischer Beleg aquaeductum vinearum ‘die Wasserleitung von / zu den Weinbergen’ (1685, Salgesch) ist unsicher, da nicht klar ist, ob es sich um einen Flurnamen oder ein Appellativ handelt.

VSNB, Bd. 3, Sp. 415

Vorkommen

(e)räb

(e)räbe

räbä

räbe

räbjunu

räbu

reben