Äärd
Äärd n., Äärda f. ‘Erde’ ist zu schwdt. Erden f., ahd. erda, mhd. erde ‘Erde, Welt’, in FlN ‘Erdreich, Erdboden, als Stoff, bes. als Element der Pflanzen, doch auch der Menschen’ und ‘Grundstück, Grundbesitz’, in diesen Bedeutungen jedoch eher selten und meistens durch Herd vertreten; wdt. Äärda, Äärdä (Goms), Äärdn (Lötschental), Äärdu ‘Erdreich, Erde’ (ID. 1, 436 f.; GRICHTING 1998, 16) zu stellen.
Das HL kommt nur in wenigen Namen vor. Als Simplex im Singular ist es 1482 in Baltschieder als zem Erd ‘beim Gebiet mit Erde’ belegt; die Rede ist von einem Gut des Johannes Hug. Vermutlich ist einfach ein Gut mit Humus gemeint. t Äärda ‘der Graben mit Erde’ (Wiler) ist wohl ein Graben mit Erde, also ohne Bach oder Fels.
Mit einem Partizip ist Sinkende Erde (LT Saas-Almagell) belegt, eine Übersetzung für das am gleichen Ort belegte t Sickundu Bodme ‘die sumpfigen Böden’ (Nr. 33043, Saas-Almagell) für Böden, auf denen man einsinkt (resp. die sumpfig sind).
Ein unklarer Beleg von 1531 in Münster hat am Juden Erdt ‘an der Erde des Juden’, was wie ein Genitiv Singular eines PN erscheint; 1601 steht dafür an Guden (?) Erdt ‘an der Erde des Guden’, wobei das Fragezeichen eine Leseunsicherheit bezeugt. Das Ganze ist deswegen unklar.
Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Bodu, Bruch, Riische und Wang. Gemeint sind hier immer Gebiete mit Erde (Humus) statt Felsen oder Gestein.
Komplexer ist uf der Äprichwasserleitu ‘auf der Wasserleite bei den Erdbrüchen’ (Zermatt), wo Gwp. meint, die alte Wasserleitung habe viele Erdrutsche verursacht.
Einen Sonderfall stellt das Kompositum vffen Ertrich ‘auf dem Erdreich’ (1537, Ernen) dar, das wohl als Beiname zum PN Johnnes Schmitz erscheint. Gemeint ist wohl einfach ein Gut mit Erde (Humus).
Eine Ableitung auf -LA / -LU (SONDEREGGER 1958, 517 f.) als Stellenbezeichnung ist in den beiden Flurnamen der Äärdjustafil ‘der Stafel beim Gebiet mit Erde’ und der Äärdjuwald ‘der Wald beim Äärdjustafil’ (beide Oberems) enthalten. Vermutlich handelt es sich bei Äärdju (< Äärda + -la / -lu) um einen Alpnamen, der inzwischen abgegangen ist. Die Namen befinden sich heute in einem Wald auf rund 1640 m.
VSNB, Bd. 1, Sp. 60
Vorkommen
äärd
äärda
- Äärda Wiler
äärdju
- Äärdjustafil Oberems
- Äärdjuwald Oberems
ärd
- Ärdriischa St. Niklaus
ärp
- Ärprichwasserleitu Zermatt
erd
- Erd Baltschieder
erde
- Sinkende Erde Saas-Almagell
erdt
- Jude Erdt Münster
ert
- Ertrich Ernen