Chaschtel
Vorbemerkung: Zum lat. CASTELLUM ‘Schloss’ und CASTELLARE ‘zum Schloss gehörig’ finden sich unterschiedliche Arten von Entlehnungen. Chaschtel wurde als Lehnappellativ vor der k-Verschiebung (ca. 9. Jahrhundert) übernommen (GLATTHARD 1977, 281 f.); die Erweiterung Chaschtler ist einerseits auf CASTELLARE zurückzuführen, anderseits liegt ein Zugehörigkeitsadjektiv vor. Eine Wasserleitung in Kippel meint die Ableitung Chaschtlärra. Die Namen der Gemeinden Ober- und Niedergesteln sind direkt aus lat. CASTELLIO entlehnt worden. Aus den frpr. Patois stammen Tschachte (aus CASTELLUM) und Tschachtular (aus CASTELLARE), das in den Quellen auch als Chastellar (und ähnlich) erscheint. Vermutlich aus dem Italienischen castello stammen Gaschtel und hdt. Kastell. Hineinspielen kann gelegentlich auch Chaschte ‘Kasten’ (ID. 3, 535; GRICHTING 1998, 47). Zu CASTELLANUS zu stellen ist der Kastlan ‘Richter’ (auch als Kchaschlaa vorkommend). Da in den Quellen anlautendes Ch- häufig mit K- wiedergegeben wird, bleibt manchmal unsicher, welche Form genau vorliegt. Zu verweisen ist deswegen auf die Artikel CHASCHTE, GESTELN, TSCHACHTE und weitere.
Chaschtel bezeichnet eine ehemalige Burgstelle oder bildlich eine Geländeform, etwa einen Felskopf (siehe ZINSLI 1946, 52). Es ist zu schwdt. Chastel, ‘Schloss, Burg’, ‘grosses Gebäude, Haus’, < lat. CASTELLUM (ID. 3, 534 f.) zu stellen; GRICHTING (1998, 121) hat nur Kasch’tell.
Das Simplex ist Chaschtel / Chaschtäl / Chaschtul / Chaschtil / Chaschtol (Vokal der zweiten Silbe variiert von Osten nach Westen) und kommt so häufig vor, dass meist kaum eine alte Burgruine gemeint ist. Nicht vertreten ist es im Bezirk Leuk, das den Typ Chaschtler aufweist (wohl zu CASTELLARE), der so nicht im ID. erfasst ist. Diese Grundform ist leicht verwechselbar mit einer /-ER/-Ableitung Chaschtler (BENB 1, 2,432 f. führt sie ohne Erklärung auf, URNB (s. v. Chastlergraben) vermutet eine /-ER/-Ableitung als Stellenbezeichnung). Der Plural ist nur als Kastleren (Turtmann, zu CASTELLARE) belegt. Diminutive haben die Form Chascht(e)lji (Bitsch) oder Chaschtulti (Simplon). Ableitungen als Simplex sind t Chaschtleri (Wasserleitung, Grengiols) und Chaschtlärra (Wasserleitung, Kippel), wohl eine Wasserleitung zum nahe liegenden Chaschtel am gleichen Ort (in Wiler ist t Chaschtärra (sic!) eine Wasserleitung zum Chaschtel; es ist unklar, ob hier das /l/ einfach verschwunden ist, oder doch ein Chaschte zu Grunde liegt).
Eine seltene Form Chaschler weist Bürchen mit der Hochaschler (SK Hohkastler, LT Hochchastler, FLNK Hochaschtler) auf. Die historischen Belege weisen durchwegs den Typ Kastler auf, sodass die Form wohl nur eine Vereinfachung der Sequenz /ʃt/ zu /ʃ/ gegenüber Kastler aufweist.
Adjektivische Attribute sind selten: am Vndren Castel (Brig), der Ober Chaschtler (Mund), t Ändru Chaschtlere (Turtmann) und einige andere relative Lagebezeichnungen, Ho Chaschtul (‘Hoher Chastel’) und Gross Chaschtel (‘Grosser Chastel’, beide Randa) sind qualifizierend.
Komposita mit Chaschtel als Grundwort fehlen. Hingegen gibt es eine Reihe von Komposita mit Bestimmungswort Chaschtel, darunter Bärg, Flüö, Galerie, Hooru, Egga, Licke, Matta, Tole, Wäg, Wald, Wang und andere, teilweise mit Chaschtler. Ein eigentliches Namennest weist Kippel auf – ausgehend vom Chaschtel hat es Chaschtlärwald, Chaschtlärbord, Chaschtlärbach, Chaschtlärchinn (Schlucht), Chaschtlärhoren, Chaschtlärstäg usw., wozu auch ts Chaschtlerrujoch gehört, das sich beim Chastelhorn befindet und zu Niedergesteln gestellt ist. Hingegen ist ts Chaschtlerruntelli (Niedergesteln) und auf LT Chastlertellipass zu einer Felsformation als Nebental zum Jolital zu verstehen. Wohl von CASTELLARE abgeleitet sind die Chaschtlärä (Turtmann), zu denen es den Chaschtleruhubil und das Chaschtlerukchapälli gibt. Komplexere Fälle bilden das Chly Chastelhorn und das Gross Chastelhorn (beide Reckingen).
Einen schwierig zu deutenden Sonderfall stellt der Beleg in Kastlers Wald (1819, Ergisch) dar; es scheint sich hier um einen Genitiv eines FaN zu handeln, doch ist der Name so im Oberwallis nicht belegt.
VSNB, Bd. 1, Sp. 334
Vorkommen
castler
- Castlermatte Guttet
castleren
- Castleren Albinen
castol
- Castol Grächen
chaschler
- Chaschlerachra Bürchen
- Ho Chaschler Bürchen
- Ober Chaschler Erschmatt
chaschtäl
- Chaschtäl Kippel
chaschtälli
- Chaschtälli Kippel
- Chaschtälli Ferden
chaschtärra
- Chaschtärra Wiler
chaschtel
- Chaschtel Brig
- Chaschtelgwechta Randa
- Chaschtelhöüt Saas-Fee
- Chaschteliima Randa
- Chaschtelwäg Turtmann
- Chaschtelwang St. Niklaus
- Chaschtelwengini Saas-Balen
- Chlei Chaschtel Randa
- Gross Chaschtel Randa
- Unner Chaschtel Brig
chaschtelji
- Chaschtelji Bitsch
chaschtlär
- Chaschtlär Kippel
- Chaschtlärbach Kippel
- Chaschtlärbord Kippel
- Chaschtlärchinn Kippel
- Chaschtläregga Kippel
- Chaschtlärerlä Kippel
- Chaschtlärhoren Wiler
- Chaschtlärhoren Ferden
- Chaschtlärhoren Kippel
- Chaschtlärstäg Kippel
- Chaschtlärstäg Ferden
- Chaschtlärwald Kippel
chaschtlärra
- Chaschtlärra Kippel
chaschtle
- Chaschtle Reckingen
- Chaschtlewang Blitzingen
- Ober Chaschtlehore Reckingen
- Unner Chaschtlehore Reckingen
chaschtler
- Chaschtler Mund
- Chaschtler Erschmatt
- Chaschtlerbiel Erschmatt
- Chaschtlerhubil Erschmatt
- Chaschtlerwald Grengiols
- Ober Chaschtler Mund
- Unner Chaschtler Mund
- Unner Chaschtler Erschmatt
chaschtlere
- Ändru Chaschtlere Turtmann
chaschtleren
- Chaschtleren Turtmann
- Unner Chaschtleren Turtmann
chaschtlerru
- Chaschtlerrujoch Niedergesteln
chaschtlerrun
- Chaschtlerruntelli Niedergesteln
chaschtleru
- Chaschtleruhubil Turtmann
- Chaschtlerukapälli Turtmann
chaschtol
- Chaschtol Törbel
- Chaschtol Törbel
- Chaschtol Törbel
- Chaschtol Zeneggen
- Chaschtol Waldji Zeneggen
- Chaschtoltole Zeneggen
- Chaschtoltschuggo Zeneggen
- Chaschtolwald Eisten
- Chaschtolwier Zeneggen
chaschtul
- Chaschtul St. Niklaus
- Chaschtulbärg Simplon
- Chaschtulflüe St. Niklaus
- Chaschtulflue Simplon
- Chaschtulwäg Naters
- Chaschtulwäg Randa
- Ho Chaschtul Randa
chaschtulti
- Chaschtulti Simplon
- Chaschtulti Simplon
chastel
- Chastelegga Ried-Brig
- Chastellicke Münster
- Chly Chastelhorn Reckingen
- Gross Chastelhorn Reckingen
chastler
- Chastler Bürchen
- Chastlerhorn Niedergesteln
- Chastlertellipass Niedergesteln
gaschtell
- Gaschtell Zwischbergen
kaschtel
- Kaschtelfluo Bitsch
- Kaschtelmatta Bitsch
- Kaschtelmatta Naters
kaschtil
- Kaschtilflüo Visperterminen
kaschtlärä
- Kaschtlärä Gampel
kaschtle
- Kaschtlelicke Reckingen
kaschtleri
- Kaschtleri Grengiols
kaschtol
- Kaschtolegga Stalden
kaschtul
- Kaschtulgalerii Simplon
kastel
- Kastel Ferden
- Kastel Randa
- Kastel Zermatt
- Kastel Ried-Brig
- Kastelbodi Ried-Brig
- Kastelflüe Raron
kasteller
- Kasteller Ried-Brig
kastler
- Kastler Guttet
- Kastlerjoch Ferden
kastleren
- Kastleren Turtmann
kastlern
- Kastlern Ferden
kastlers
- Kastlers Wald Ergisch
kestleren
- Fodren Kestleren Turtmann