Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Stafel

Stafel ‘Alpweide, Alpgebäude’ ist zu schwdt. Stāfel, -ō-, -ou-, Stăfel m., n. ‘Alpweide, Platz zunächst um die Alphütte, Sammel-, Ruheplatz des Alpviehs (über Mittag, bei Nacht); Melkplatz; Fettweide; Alp im engeren Sinn eines besiedelten Alpbodens, Mütte(n) mit dem umliegenden Weidegebiet, Alpstation; Gebäude in der Alp- (Land-)Wirtschaft, Alp-, Sennhütte; Kornspeicher’, Lehnwort aus rät. stavel ‘Sammel-, Ruheplatz des Alpviehs’, lat stabulum (ID. 10, 1394 ff.) zu stellen. GRICHTING (1998, 280) kennt das Wort nur mit langem Hauptvokal Schtaafl usw. ‘Alpteil (viel Gras, Hütten)’. Wie RÜBEL (1950, 67) ausführt, ist das Lemma zweideutig: zum einen ist ein Stāfel eine Weidstufe einer grösseren Alpe, zum anderen bilden die Gebäulichkeiten der Alpe mit dem dazugehörenden Melkplatz den Stāfel.

Die Formenbildung ist vor allem bedingt durch die wechselnden Nebentonvokale in Stafel, Stafil, Stafol, Staful und der Vokalisierung zu Stafu im unteren Goms. Diminutive werden meist ohne Umlaut mit /-TI/ gebildet (Stafelti, Stafilti, Stafolti, Stafulti, Stafuti), Umlaut (Stäfelti, Stäfuti) ist nur im Goms belegt. Plurale des Simplex (Stafle) wie des Diminutivs (Stafeltini) kommen vor, sind aber selten.

Von den rund 490 Namen mit dem Lemma Stafel befindet sich etwa ein Drittel im Goms – das Goms verwendet die Stafel als Weidestufen (WEISS 1941, 71) extensiver als die übrigen Bezirke, hat aber dafür traditionell eine einfache Alphütte und oft keine Ställe für das Vieh (SCHWEIZERISCHER ALPKATASTER 1972, LORETAN 2011). Für die Namentypen ist weiter wichtig, dass Alpen Gemeinden, Geteilen, Burgerschaften und Privaten gehören; entsprechend können Stafel nach den Besitzern benannt sein.

Das Simplex Stafel im Singular mit seinen Varianten ist rund vierzig Mal vertreten, im Plural Stafle vier Mal, vermutlich ebenfalls hierzu gehört der Beleg Staflara (1391, Ried-Brig), der aber auch eine Ableitung auf -ARA sein kann, mit der Bedeutung ‘wo es mehrere Stafel hat’. JORDAN (2006, 539) zählt für Simplon und Zwischbergen eine Reihe von Schtaaful und einige Ableitungen und Komposita auf, wovon S. 98 Schtaaflära ist, das zum Beleg von 1391 aus Ried-Brig passt. Diminutive im Singular Stafelti kommen etwa zehn Mal vor, im Plural nur ein Mal. Unsicher ist vffen Stafon (1351, Ergisch), das fehlende /l/ erschwert die Zuordnung, doch gibt es kein besser geeignetes Lemma. Auch Staveling (LT Stafeling) (Leukerbad) ist unsicher: die Endung -ING deutet auf eine frz. oder frpr. Endung -IN (mit Nasalvokal), anderseits ist das Lemma Stafel in den angrenzenden Patois u. W. nicht vertreten (es fehlt z. B. bei TAGMANN 1946 im Kapitel “Les ”montagnes"" (42–54), siehe aber Etaves bei BOSSARD/ CHAVAN 2006, 138, aber nur für Freiburg und Waadt belegt, wohl aus lat. STATUA ‘colonne (Säule)’).

Sehr häufig sind Konstruktionen mit einem attributiven Adjektiv, vor allem der Alt Stafel, auch ohne Artikel Alte Stafel, insgesamt rund 50 Belege. Sie deuten häufig auf eine Wüstung hin, manchmal sind explizit Mauerreste erwähnt. Das Gegenstück der Niw Stafel ‘der neue Stafel’ (auch Stäfelti) ist nur etwa zehn Mal belegt, vor allem im Goms; nur in Albinen findet man der Nib Stafil. Weiter sind benannt relative Lagen wie der Ober Stafel, der Nider Stafel und der Unner Stafel; der Typ der Mittel Stafel ist selten vertreten, einmal als der Mittloscht Stafil (Eischoll). Weitere Adjektive sind selten: Finschter Stafel ‘der finstere Stafel’ (FLNK, Lax), der Gross Stafel, der Hostafu (wenn ho(ch) hier als Adjektiv betrachtet wird), der Jung Stafel, der Rund Stafil. Eine Ausnahme bilden der Erscht und der Zweit Stafu (beide Steinhaus), also der zuerst bezogene Stafel und der höhere, später bezogene zweite Stafel.

Als Grundwort in Komposita ist Stafel sehr häufig. Die wichtigsten Typen sind Benennungen nach den Besitzern oder Nutzern, z. B. der Allmagäller Stafel ‘der Stafel der Leute von Saas-Almagell’ (Saas-Almagell), Bodmere Stafu ‘der Stafel der Familie Bodmer / der Leute vom Bodmen’ (Binn) Grunneru Stafel ‘der Stafel der Leute von Saas-Grund’ (Saas-Almagell), der Kaarlustafil ‘der Stafel der Familie Karlen / des Karl’ (Oberems), Laxerstafel ‘der Stafel der Leute von Lax’ (Lax), Munder Stafel ‘der Stafel der Leute von Mund’, Reckiger Stafel ‘der Stafel der Leute von Reckingen’ (Ulrichen) usw. Dabei bestimmt meist ein alter Genitiv Plural die Form des Bestimmungswortes. Vor allem im Turtmanntal sind die Bestimmungswörter kollektive -IG-Ableitungen; sie werden zu einem komplexen Typ verbunden, der in seiner vollen Form etwa in tse Jäniltigu der unner Stafel ‘zur Alpe der Familie Jenelten der untere Stafel’ (Oberems) lautet; eine einfachere Form ist Jäniltigu Oberstafil ‘der Oberstafel der Alpe der Familie Jenelten’ (Oberems). Der zweite, sehr verbreitete Typ gibt an, zu welcher Alpe oder zu welcher anderen Flur ein Stafel gehört: ts Ahorustafelti ‘der kleine Stafel beim Gebiet Ahori’ (Glis), der Alpjustafel ‘der Stafel der Alpja’ (Baltschieder), Bächistafel ‘der Stafel beim Gebiet Bächi’ (Reckingen) und viele andere mehr. Dabei kann das Bestimmungswort auch mehrgliedrig sein, wie in ts Bettubachstäfuti ‘der kleine Stafel beim Bettelbach’ (Niederwald), der Galebrunnestafu ‘der Stafel beim Galebrunnen (Quelle / Brunnen auf dem Galen)’ (Ritzingen) oder – besonders komplex – ts Müettergottestannestäfuti ‘der kleine Stafel, wo eine Tanne mit einem Muttergottesbild steht’ und Adjektive kennzeichnen zusätzlich relative Lagen, wie in der Foder Dischtelstafel ‘der Stadel der Alpe Forder Dischtel (der vordere Teil der Distelalpe)’ (Ulrichen). Auch hier hat das Turtmanntal seine spezielle Konstruktion ts Grindji der Unner Stafil ‘des kleinen Grundes (Alpname) der untere Stafel’ (Oberems).

Nicht häufig ist der Typ mit den Namen der Tierarten, die auf einem Stafel gehalten werden: am KuͦStaffell ‘beim Stafel für die Kühe’ (Ried-Mörel), der Geissestafu ‘der Stafel für die Ziegen’ (Mühlebach), Rinnerstafol ‘der Stafel für die Rinder’ (Unterbäch), ts Schaafstäfelti ‘der kleine Stafel für die Schafe’ (Münster), im Süwen Stäfelti ‘im kleinen Stafel für die Schweine’ (1763, Biel). In Rossbodestafel (Münster, Simplon) werden die beiden vorgenannten Typen verbunden: das ebene Weideland (Boden) für die Pferde wird als Flur benannt, auf der sich der Stafel befindet.

Als Bestimmungswort kommt Stafel deutlich seltener vor. Am schwierigsten ist dabei die Konstruktion Stafelalp (Zermatt), Stafelalpa (Termen), das sich wohl am besten als Koordinativ-Kompositum ‘die Alpe, die zugleich Stafel ist’ deuten liesse. Die übrigen Belege sind Determinativkomposita und benennen einen Bach usw. bei einem Stafel. Die Grundwörter sind Bach, Balm, Blatten, Bord, Chäller, Färich, Grabo, Haalta, Matta, Statt, Steg, Tola, Wäg, Wald und Wang. Komplexere Konstruktionen sind möglich wie äm Alten Guggistafel ‘beim alten Stafel der Guggi-Alpe’ (Blatten), ts Altstafilhoru ‘das Altstafelhorn (Gipfelname, benannt nach der Alpe Altstafel)’ (Ergisch) oder die Bachstaffoll-Wasserleiten ‘die Wasserleite, die vom / zum Bachstafel führt’ (1618, Ulrichen).

In einigen wenigen Fällen kann statt dem HL STAFEL auch das HL STAFFEL ‘Treppenstufe’ gemeint sein, doch ist dieses sehr viel seltener.

VSNB, Bd. 4, Sp. 211

Vorkommen

stafel

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stäfeltini

stafer

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stafflero

staffolti

stafil

stafilti

staflara

stafle

stafol

stafolti

stafoltini

stafon

stafu

staful

stafulti

stäfulti

stäfuti

staveling