Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Acher

Acher und seine Ableitungen sind sehr häufig (rund 1700 Namen). Zu stellen ist das Lemma zu schwdt. Acher, Acker m., ahd. achar, mhd. acker, Pl. Ächer, Äcker, Achere, Achre, Dim. Ackerli und Ächerli, wie nhd. ‘Acker, abgegrenztes Stück Pflugland, angepflanztes oder zur Anpflanzung bestimmtes Stück Land, bes. Saatfeld’ und wdt. Acher, Achär (Goms), Achr (Lötschtal), Achär ‘Acker’ (ID. 1, 66 ff.; GRICHTING 1998, 22). Die Häufigkeit von Acher erklärt sich aus dem bäuerlichen Alltag: auf Äckern werden Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Flachs und Hanf und weitere Pflanzen angebaut. MONHEIM (1955) zeigt übersichtsartig die verschiedenen Systeme der Ackernutzung je nach Höhenstufe und Feuchtigkeit mit Fruchtwechsel (Wintergetreide, Sommergetreide, Gerste und Roggen, Kartoffeln), Brachen und Wechselwirtschaft (Wiesen). Bearbeitet wurden die häufig steilen Äcker von Hand mit der Haue; gepflügt wurde selten. Häufig sind Plurale zu finden, weil die Ackerflächen verschiedenen Besitzern gehörten (teilweise bedingt durch die Realteilung im Erbrecht). Je nach Lage der Gemeinden sind Acher-Namen unterschiedlich häufig. Im Talgrund des Rottens unterhalb von Brig/Naters, der bis zu Rhonekorrektion Mitte / Ende des 19. Jahrhunderts praktisch Überschwemmungsgebiet war, fehlen solche Namen weitgehend.

Als Simplex im Singular wird Acher eher selten gebraucht; häufiger sind Plurale Achra / Achru / Achre, manchmal mit Präpositionen wie Zen oder Uf. Die häufigsten Diminutive sind Acherli und Acherlini (Pl.), die aber selten als Simplizia belegt sind, genau so selten wie die ‘rückgebildeten’ Formen Achi und Achini (Pl.) Verglichen mit der Menge der Belege sind beide Typen wenig vertreten.

Meistens wird Acher als Grundwort gebraucht; dann entweder mit einem begleitenden Adjektiv (z. B. der Chrumm Acher, der Leng Acher, der Gross Acher) oder als eigentliches Kompositum mit einem Adjektiv wie Chrummacher, Lengacher, Grossacher. Komposita sind im Übrigen sehr zahlreich und bezeichnen den Ort (Hofacher, Hüsacher, Milacher), angebaute Pflanzen (Weizacher, Gärschtacher, Boonacher, Kabisacher, Chleeacher), Geländeeigenschaften (Chummunacher, Schleifacher, Grabunacher, Chiacher), Formen (Schlusselacher, Spitzacher), Besitzer (Chirchunacher, Schitzunacher), benachbarte Gebäude (Stadelacher, Chapilluacher), Wegkreuze oder Kreuzungen (Chrizacher), Bäume (Eschacher (teilweise wohl zu Esch ‘Saatfeld’)), Tannacher, Waldacher, Birchacher, Haselacher), Familien- und Personennamen, manchmal mit Genitivkonstruktionen (Lamjenacher, Lampertsacher, Maartigsch Acher, Perrigo Acher) und Besitzernamen wie Pfaffenacher (wo es unklar ist, ob der FaN Pfaffen oder das Besitztum des Pfarrers oder der Kirche gemeint ist), Rechtstermini (Pfandacher, Pfrüemdacher) und andere. Ganz unklar ist, was jeweils mit Tiernamen wie Fuggsacher, Geissacher, Schafacher, Wolfacher gemeint ist, und im Fall von Rosacher kann oft nicht entschieden werden, ob es um Pferde oder Roossen (Röstplätze für Hanf und Flachs) geht. Wie auch sonst üblich, können solche Namen mit Unner oder Ober modifiziert sein, doch in relativ wenigen Fällen.

Acher als Bestimmungswort ist sehr selten, am häufigsten ist Achermatta.

Es gibt natürlich auch komplexere Namen, in denen Acher vorkommt, etwa Acherstadolwägji (Staldenried), Fuggsgrabuachra (Hohtenn) oder Chapfacherschleif (Visp).

Besonders erwähnt seien drei Fälle mit unterschiedlicher Problematik: der Hooschtiunacher (Leuk) (mit Erstbetonung) ist als ‘der Acker, dessen Ertrag für das Backen von Hostien verwendet wird’ zu verstehen; das erklärt sich nicht nur aus den Angaben der Gwp., sondern auch aus der Erstbetonung. Die Belege Mälachji ‘Signal’ und Ritzumälachji ‘Signal bei den Ritzen’ (beide Staldenried und beide auf weit über 2000m) sind nicht zu Acher, sondern zu einem uns bislang unbekannten Mälach ‘trigonometrisches Signal zur Höhenmessung’ zu stellen. Schwierig bleibt auch t Weizäggrä (Zwischbergen). Die historischen Belege dazu (1660 weitzakren, 1672 weizachra) legen eine Interpretation als ‘Acker’ nahe – wenn aber die lebende Form so stimmt, wie sie notiert wurde (in Einzelfällen hat M. S. velare Fortis statt Affrikata notiert), müsste ein italienischer Einfluss angenommen werden. JORDAN (2006, 282) notiert aber Weizachra (mit der Bemerkung, dass diese Bezeichung für die spätere Kapelle Sankt Jakob und Anna geläufig war) und Weizacherúawand.

VSNB, Bd. 1, Sp. 71

Vorkommen

achär

acher

ächer

acher

achera

achere

acheren

acheri

acherlein

acherli

acherlin

acherlinen

acherlini

achgy

achi

achini

achji

achra

achrä

achra

achrä

achra

achre

achren

ächri

achrin

achru

ächru

achru

acker

ackerlin

ackerlini

ackern

ackers

äggrä

aker

akere

akerlein

akren

akron

csquere