Chromu
Chromu kommt rund hundert Mal in den Flurnamen vor; es ist zu schwdt. Chrammen, Chrommen, Chrōmen, Chrummen, Grummen, Pl. mit oder ohne Umlaut, Dim. Chromji, Chrummeli, Chrömm(e)li, Chrümm(e)li, wdt. Chromä, Chrome (Mattertal), Chromu (Saastal), Chrumm (Lötschtal), Chrommu m. ‘durch eine Einfriedung abgeschlossener, enger Raum; Verschlag zur Unterbringung von Schmalvieh; Vogelkäfig; kastenähnlicher Verschlag zur Unterbringung von Vorräten; eingezäuntes Stück Weideland; verächtlich von engem Raum oder kleiner Hütte’ (ID. 3, 818 f.; GRICHTING 1998, 54) zu stellen. Wie GRICHTING (1998, 54) zeigt, ist im Lötschental die Lautung Chrumm, Plural Chrimm vertreten; das führt in einigen Fällen zu Unklarheiten in Bezug auf das HL CHRUMM ‘krumm’. In den meisten Fällen ist eine eingezäunte oder ummauerte Wiese oder Weide gemeint (oft mit der Funktion eines Pferchs), manchmal auch eine Wiese, die von Wald, Gebüsch oder Gebäuden als eingezäunt erscheint. In einigen Fällen ist es eine Wiese mit schlechtem, wenig fruchtbarem Bewuchs. Als Gebäudeteil ist ein Chromo auch ein Verschlag oder Zwinger (so V. SCHMID 2003, 80). In den historischen Einträgen ist häufig nicht zu entscheiden, welche Bedeutung genau vorliegt. Bei den Bedeutungsangaben wurde normalerweise ‘eingezäunte Wiese / Weide’ verwendet; sofern aus dem Kommentaren andere Bedeutungen zu erkennen waren, wurden diese angegeben.
Das Simplex Chromu stellt den grössten Teil der Belege dar; Plurale sind seltener – entweder mit dem Umlaut (Typ Chreme) oder ohne (Typ Chrome). Auch Diminutive sind vertreten, mit dem Umlaut (Typ Chremji, Plural Chremjini) und ohne (Typ Chromji, Plural Chromjini). Historische Belege vom Typ Kromi / Kromine werden auch als Diminutiv gewertet. Eine nur einmal belegte Form ist das historische in den Kromigen (Niederwald), vermutlich ein Diminutiv Plural – die sonst geläufige Ableitung auf /-IG/ (</-ING/) mit Kollektivbedeutung kann hier kaum vorliegen. Die Präposition in m. Dativ ‘in’ ist sehr oft belegt; sie bezieht sich wohl auf die Einfriedung, innerhalb derer die Weide liegt.
Adjektivische Attribute zu Chromu sind wenig häufig: Hinnerscht Chrome (Mühlebach), Ober Chromu (Hohtenn), Unner Chromu (Hohtenn).
Vorangestellte Genitive zu Chromu sind selten: Albiners Kromen (Glis), Gattalferro Chromu (Naters) (bezieht sich auf die Leute, die im Weiler Gattalfen (dt. ‘Schleif’) wohnen), ts Jaggisch Chrumm (Wiler). Nicht als Genitiv, aber vorangestellt als Besitzer sind zu verstehen Albert Kromji (Glis), Fuggschromo (Grächen) ‘der Chromo der Familie Fux’, Joschtchromme (Binn) ‘die Chromme der Familie Jost’. Als Grundwort in Komposita wird Chromo oder eine seiner Varianten gebraucht mit Alp, Aren (Adler), Bode, Draad (Draht), Guggi (Gugginalp), Haggdoori (zu Hagdoorni ‘Hagedorn’), Wald, Wasser, Ziger (Zieger im Sinn von schlechtem Gras). Die Tiere, denen die eingezäunte Weide dient, werden ab und zu genannt: Chalberchromu (St. Niklaus), Geis- und Schafchromu (Hohtenn), Schaaf- und Geischromu (Niedergesteln), Stierchromo (Grächen), Rinderchrumm (Blatten, Kippel). Mehrfach wird die Funktion betont: Scheidchreme ‘eingezäunte oder ummauerte Weiden zum Scheiden der Schafe oder Ziegen’ (die gemeinsam auf der Alp gehaltenen Tiere werden für ihre Besitzer in abgesonderte Pferche getrennt), Ringchromo (Grächen) ‘Chromo, in dem die Kühe miteinander ringen’, Stächchromo (Staldenried) ‘Chromo, in dem die Kühe miteinander stechen’ – in beiden Fällen geht es um die Rangordnung unter den Kühen auf der Alp.
Kaum verwendet wird Chromu als Bestimmungswort, etwa in Chrommjiwasser (Randa), Chrommo Wier (Visperterminen), Chromiwäg (Glis), Chromugrabu (Saas-Balen), Chromunblatte (Hohtenn), Kromenachra (Bitsch), Kromen Flüe (Ausserberg), Kromen Schiiri (Birgisch), Krommen Matten (Hohtenn); bei einigen ist auf Grund der Schreibung wohl auch ein vorangestellter Genitiv möglich.
VSNB, Bd. 1, Sp. 370
Vorkommen
chreme
- Scheitchreme Randa
- Scheitchreme Randa
- Zigerchreme St. Niklaus
chremmjini
- Chremmjini St. Niklaus
- Chremmjini Randa
chremu
- Chremu Stalden
- Chremu, d Eggerberg
- Scheidchremu Embd
chrimm
- Chrimm Blatten
chrome
- Bodechrome Selkingen
- Chrome Blitzingen
- Chrome Blitzingen
- Chrome Zermatt
- Chrome Saas Grund
- Chrome Fiesch
- Scheidchrome Eisten
chromi
- Chromiwäg Glis
chromjini
chromme
- Chromme Fieschertal
- Chromme Binn
- Chromme Ernen
- Chromme Ernen
- Chromme Lax
- Hinnerscht Chromme Mühlebach
- Joschtchromme Binn
chrommji
- Chrommji Saas-Almagell
- Chrommjiwasser Randa
chrommjini
- Chrommjini Baltschieder
- Chrommjini Baltschieder
- Chrommjini Eggerberg
chrommo
- Chrommo Visperterminen
- Chrommo Visperterminen
- Chrommo Visperterminen
- Chrommo Wier Visperterminen
chromo
- Chromo Baltschieder
- Chromo Baltschieder
- Chromo Eggerberg
- Chromo Grächen
- Chromo Törbel
- Chromo Zeneggen
- Chromo Raron
- Chromo Eisten
- Chromo Brigerbad
- Chromo Filet
- Ringchromo Grächen
- Stächchromo Staldenried
- Stierchromo Grächen
- Wasserchromo Grächen
chromu
- Chalberchromu St. Niklaus
- Chalberchromu St. Niklaus
- Chalberchromu St. Niklaus
- Chromu St. Niklaus
- Chromu St. Niklaus
- Chromu Saas-Almagell
- Chromu Täsch
- Chromu Saas-Balen
- Chromu Saas-Fee
- Chromu Naters
- Chromu Zwischbergen
- Chromu Saas-Balen
- Chromu Naters
- Chromugrabu Saas-Balen
- Draadchromu Simplon
- Gattalferro Chromu Naters
- Geis- und Schafchromu Hohtenn
- Ober Chromu Hohtenn
- Schaaf- und Geischromu Niedergesteln
- Scheidchromu St. Niklaus
- Unner Chromu Hohtenn
- Waldchromu St. Niklaus
chromun
- Chromunblatte Hohtenn
chrum (Chromu)
- Riitichrum Wiler
chrumm (Chromu)
- Alt Chrumm Ferden
- Bletschuchrumm Blatten
- Chrumm Ferden
- Guggichrumm Blatten
- Haggdoorichrumm Wiler
- Jaggisch Chrumm Wiler
- Rinderchrumm Blatten
- Rinderchrumm Kippel
- Rinderchrumm Kippel
- Stägchrumm Wiler
- Tännärchrumm Wiler
kremyenen
- Kremyenen Eggerberg
krombgynu
- Krombgynu Ausserberg
krome
- Krome Brigerbad
kromen
- Albiners Kromen Glis
- Alpkromen Embd
- Kromen Bürchen
- Kromen Hohtenn
- Kromen Turtmann
- Kromen Ernen
- Kromen Gampel
- Kromen Biel
- Kromen Flüe Ausserberg
- Kromen Schiiri Birgisch
- Kromenachra Bitsch
kromgi
- Kromgi Eyholz
kromginen
- Kromginen Gampel
kromigen
- Kromigen Niederwald
kromine
- Kromine Goppisberg
krominen
kromini
- Kromini Zwischbergen
kromji
- Albert Kromji Glis
kromli
- Arenkromli Stalden
kromm
- Kromm Glis
krommen
krommginen
- Krommginen Naters
krommini
- Krommini Bitsch
kromo
kromu
- Scheitkromu St. Niklaus
kromun
- Grossigo Kromun Acher Ausserberg