Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Wald

Wald ist eines der am häufigsten vorkommenden Hauptlemmata im Oberwalliser Namengut; es ist in über 1800 Namen belegt. Von den Talböden bis zur Baumgrenze erstrecken sich überall teilweise sehr steile Wälder. Ihre Nutzung durch Holzschlag, Kohlenbrennerei und Waldweide hat in den Namen Spuren hinterlassen. Zurückzuführen ist Wald auf das schwdt. Wald m., bzw. -ā-, -t, Pl. Wäld, Walda, Wälder, Dim. Waldi, Waldji, Waldli, Wäldli, Waalji, wesentlich wie nhd. ‘kleinerer oder grösserer Baumbestand’, ahd. wald, mhd. walt. In Einzelfällen kann auch ein Herkunftsname (Walder = die Leute von Wald) oder ein FaN Walden, Waldin (ID. 15, 1467 ff. bes. 1475 f.; AWWB 289) gemeint sein. Die lateinischen Lemmata Silua und Nemus (Gen. Nemoris) treten in den historischen Belegen häufig auf; es ist nicht immer klar, ob ein Appellativ oder ein Name vorliegt und in welcher Sprache. Die romanische Form Boez (bois) ‘Wald, Holz’ wird hier ebensowenig behandelt wie die deutschen Lemmata Holz und Forst. Sie bedeuten teilweise ebenfalls ‘Wald’, werden jedoch getrennt aufgeführt.

Formal: das Simplex erscheint als Waald oder Waaud (Grafschaft), häufig mit einer Präposition wie im, ob dem oder unter dem. Plurale sind selten und vom Typ Wäälder. Diminutive sind Waaldji, Waalji, Walgi, Waaldgi, aber als Simplizia selten; von den Pluralen der Diminutive ist Waaldjini am häufigsten, Waaljini, Walgini und Waaldgini sind vereinzelt.

Adjektivische Bildungen betreffen zunächst die relative Lage: der Ober Waald und der Unner Waald sind am häufigsten, Inner, Mittel und Üsser, Foder und Hinner seltener; Hohwaald ist meist Kompositum und mehrdeutig (‘hochgelegen’ oder ‘mit hohen Stämmen’), im Teiffu Waald ‘im tiefen Wald’ dagegen selten. Als Farben treten Schwaarz, Root und Grie auf, sie können adjektivisch (im Schwaarze Waald) oder als Kompositum erscheinen (im Schwaarzwaald). Einen Sonderfall bildet der Typ Gmei Wald, resp. Silua communis - also der Wald, der nicht in Privatbesitz ist, sondern der Gemeinde oder Geteilschaft gehört.

Als partizipiale Attributbildung fällt der Verbrannt Wald auf (lat. Silua combusta); es handelt sich um einen Wald, der einem Feuer zum Opfer gefallen ist und vermutlich weniger um brandgerodetes Land (Brand).

In Komposita ist Waald meistens Grundwort. Bestimmungswörter sind sehr vielfältig: Baumarten (Arb/Arve, Dähle, Lärche, Fei ‘Buche’, Linde, Tanne usw.), Lage bei einem Weiler oder einem Gebiet (Chippilwaald ‘Wald oberhalb Kippel’, Aletschwaald ‘Wald im Aletschgebiet’ usw.), Funktion Bawaald (sehr oft), Besitzer (Agarnerwaald, Eggerbärgerwald usw.), Familien (Perrigwald (Glis), Gunternwald (Eggerberg)), Berechtigte (Chilchuwaald, Kapälluwaald), frühere Nutzung durch Tiere (Schafwald (Saas-Fee), Hennuwaaldgi (‘kleiner Hühnerwald’ (Betten)) oder Form eines Tieres (Rosswaald (Ried-Brig) und manch anderes; der Typ Jungwald bezeichnet dabei einen neu aufgeforsteten Wald. Bei den Besitzern wechseln Komposita mit Genitivkonstruktionen vom Typ Albinerro Waald ‘der Wald der Leute von Albinen’, Kämpfigu Waald (‘der Wald der Familie Kämpfen’ (Randa)). Komplexere Konstruktionen sind auch möglich, so etwa der Munder Mattwald (‘der zu Mund gehörende Wald bei der Mad / Matta’) oder der Uisser Schwaarzwaald (‘der äussere (talauswärts liegende) Schwarzwald’ (Simplon)’.

Als Bestimmungswort verbindet sich Wald mit anderen Lemmata wie Acher, Bach (Wasser), Biel, Blätz, Bodu, Brand, Brunnu, Bruoder, Chromu, Egga, Flüö, Gassa, Güet, Haalta, Hirmi, Hitta, Hüs, Kapälla, Läger, Mad, Matta, Riich, Ruh, Rüüs, Schiir, Schleif, Schnitta, Stafel, Stäg, Tola, Trog, Tschugge, Üewand, Wäg, Wasser und Weid; es handelt sich um Determinativkomposita, die je nach Lage genauer zu fassen sind. So ist etwa ts Wendelisch Waldmattä (Ferden) ‘die Wiesen der Leute des Wendelin beim Wald’ so zu verstehen, dass die Waldmattä einer Familie gehören, deren Übername in Ferden ts Wendelisch ist, vermutlich nach dem Vornamen des Familienoberhauptes.

Bei den Ableitungen ist vor allem eine -ER-Ableitung Walder zu erwähnen, die Zugehörigkeit zu einem Ort Wald (Ober-, Niederwald), dessen Einwohner oder eine Familie Walder meint – im Einzelfall ist das schwierig zu entscheiden. Walderi als weitere Ableitung meint eine Wasserfuhr. Recht unklar ist die Waaldärra (Kippel / Wiler) – sie liegt über der Baumgrenze und vom Typ der Bildung her müsste es sich um einen Ort handeln, wo es viel Waldpflanzen (nicht aber Wald) gibt – das ist aber eine blosse Spekulation.

VSNB, Bd. 4, Sp. 495

Vorkommen

dwalda

gwald

vald

valdin

waalgi

waalji

wäälji

waalji

wäälji

waalji

wäälji

waalji

waaljini

wal

wald

walda

waldär

waldärra

walde

walden

wälder

walder

wälder

walder

wälder

walderen

walderi

waldernu

walderro

waldes

waldgen

waldgi

waldgini

waldi

waldiger

waldigeren

waldje

waldji

waldjini

waldju

waldrich

waldsch

waldt

waldy

waletji

walgi

walgji

wälji

walji

wallji

waud

waude

wauder

wauderi

welden

welder