Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Brand

Brand ist ein geläufiger Rodungsname zu schwdt. Brand m., Pl. mit Uml., Dim. Brändli, allg. wie nhd. ‘Brand’, mhd. brant, -des, in FlN meist Stelle, wo im Walde mit Feuer gerodet wurde (ID. 5, 673 ff.; GRICHTING 1998, 41). Die Bemerkungen der Gwpp. deuten jedoch darauf hin, dass sie auch trockene, sonnenbeschienene Stellen als Brand bezeichnen. Belegt sind insgesamt rund 360 Flurnamen mit diesem oder einem verwandten Lemma. Neben dem Simplex Brand und dem Plural Brend / Bränd kommen auch Diminutive Brendji / Brändji / Brennji / Brännji und Brendli vor. Nicht ganz klar sind die Ableitungen Brändil (Raron) und Bränola / Brännola (Bürchen, Zeneggen), das auch als Pflanzennamen (Männertreu, siehe ID. 5, 616, GRICHTING 1998, 42 s. v. Brennji) verwendet werden kann (LAUBER / WAGNER / GYGAX 52014, 1314 als NIGRITELLA NIGRA). Brengi und ähnlich ist aus Brendji (ID. 5, 673 ff.) mit Assimilation zu erklären. Brenni oder Brenne f. ist Verbalabstraktum auf ahd. -î(n) zu brennen und bezeichnet eine ‘Stelle, wo etwas gebrannt wird’ (ID. 5, 636) – hier konkret Haartsbrenni ‘Harzbrennstelle’ (Ried-Brig).

Als Grundwort wird das HL mit attributiven Adjektiven verwendet wie dem Alten Brand ‘das alte brandgerodete Gebiet’ (1862, Leuk), den Gemeinen Brand ‘das brandgerodete Gebiet, das der Gemeinde gehört’ (1782, Stalden; 1704 Eisten mit lat. communem Brand), jm Hochen Brand ‘im hohen Brand (brandgerodetes Gebiet)’ (1696, Eyholz), t Innru Brennd ‘die inneren brandgerodeten Gebiete’ (Saas-Almagell, FLNK Inneru Brend), t Kurzu Brännd ‘die kurzen, brangerodeten Gebiete’ (Stalden, LT Churzi Bränd, FLNK Churzu Bränd), der Leng Brannd ‘der lange Brand (brandgerodetes Gebiet)’ (Zeneggen) und viele andere mehr. dr Bliäjendun Brand ‘der verbrannte Wald unterhalb der Bliäjendun (Blühenden)’ (Blatten) meint jedoch eine Lokalisierung unterhalb der Alp Bliäjendun. Auch komplexere Formen sind belegt wie etwa der Hebrandwald ‘der Wald beim hohen brandgerodeten Gebiet’ (Glis) oder ts Unner Branndwasserleitji ‘die kleine Wasserleitung zum unteren Brand (brandgerodetes Gebiet’ (Visperterminen) sind zwei von mehreren Beispielen.

Ein vorangestellter Genitiv meint einen Besitzer oder Nutzer: ts Briggersch Brand ‘das brandgerodete Gebiet der Familie Brigger’ (Eisten), die Herderen Brendt ‘die brandgerodeten Gebiete der Familie Herder (Am Herd)’ (1816, Zwischbergen), ts Häälisch Brand ‘das brandgerodete Gebiet des Häli’ (Mund), ts Chaschlasch Brand ‘das brandgerodete Gebiet des Kastlans (Richter)’ (Stalden), ts Loorisch Brand ‘das brandgerodete Gebiet des Lori (Lorenz)’ (Grengiols), Melchers Brandt ‘Melchiors Brand (brandgerodetes Gebiet)’ (Zeneggen), ts Micholsch Brand ‘das brandgerodete Gebiet Michaels’ (Stalden, FLNK Michulsch Brand), ts Michulsch Brend ‘die brandgerodeten Gebiete Michaels’ (Zwischbergen), in Schmidts Brand ‘im brandgerodeten Gebiet des Schmiedes / der Familie Schmid’ (1703, Ausserberg), Semattero Brandt ‘das brandgerodete Gebiet der Familie Seematter’ (1762, Embd), jn Summermattero Brand ‘im brandgerodeten Gebiet der Familie Summermatter’ (1676, Stalden) und andere. Nur in einem Fall ist ein nachgestellter Genitiv erwähnt: im Brandt Jodro Helners ‘im brandgerodeten Gebiet des Joder (Theodul) Heldner’ (Visperterminen).

Als Grundwort tritt das HL in vielen zweigliedrigen Komposita auf, von denen nur einige aufgeführt werden: der Eschilbrand ‘das brandgerodete Gebiet für Esel / in der Form eines Esels’ (Ausserberg, auch FLNK), t Mittelbrend ‘die mittleren brandgerodeten Gebiete’ (Saas-Almagell. FLNK Mittel Brend), der Pollerbrand ‘das brandgerodete Gebiet oberhalb Ze Pollere (Gebiet mit runden Erhebungen)’ (Stalden), in den Sÿtbrennen ‘die talseitig gelegenen Brände (brandgerodete Gebiet)’ (1623, Visperterminen), der Sunnubrand ‘das sonnseitig gelegene brandgerodete Gebiet’ (Visperterminen) und andere mehr.

Brand kommt sehr häufig auch als Bestimmungswort in Brandacher, Brandegg und Brandwald vor, wo die Motivation nicht immer klar ist. Man muss aber – wie bei anderen Rodungsnamen – davon ausgehen, dass der Name am Ort haften bleibt, auch wenn inzwischen hier wieder Wald gewachsen ist. Weitere Grundwörter in zweigliedrigen Komposita sind: Ägerta, Biel, Biina, Bodu, Brigga, Brunnu, Färich, Gääschi, Gassa, Gletscher, Grabu, Hee (Hooch – Heej), Hitta, Hooru, Joch, Litzi, Mad, Matta, Moos, Pletscha, Recht, Rigg, Schleif, Schlüche, Schluocht, See, Spitz, Stadel, Stutz, Sunna, Tal, Tola, Tschugge, Twära, Wang, Wäg und Weid. Komplexere Konstruktionen sind etwa ts Brandachruwägji ‘der kleine Weg in die Brandachru (Äcker beim Brand)’ (Randa), Brandegguwald ‘der Wald bei der Brandeggy (Ecke beim brandgeroteten Bereich)’ (FLNK, Stalden), dr Brandschluichuschleif ‘der Holzschleif bei der Schlucht beim brandgerodeten Gebiet’ (Blatten), die Brantwasserleyten ‘die Wasserleitung vom / zum Brand (brandgerodetes Gebiet)’ (1634 u. später, Naters; ähnlich auch 1570 u. später in Visperterminen) und andere.

Nur einmal ist ein Adjektiv auf /-IG/ belegt: die Brannig Egga ‘die brennende, heisse Ecke’ (Täsch) (siehe ID. 5, 682).

Auch als vorangestellter Genitiv erscheint das HL in ts Brandsch Bodu ‘der Boden beim Brand (durch Feuer gerodetes / verbranntes Gebiet)’ (Reckingen), wo Brand ein Flurname ist.

Eine Ableitung auf /-ERRI/ findet sich als di Branderri ‘die Wasserleitung zum Brand’ (Naters), wobei unklar ist, ob das historische die Brantwasserleyten mit diesem Namen identisch ist.

Von anderem Typ sind die Partizipia, die als Attribute oder als Substantivierungen zum Verb schwdt. brännen, verbrännen ‘durch Brand zerstören’ (ID. 5, 616 ff.; ID. 5, 630) gebildet werden: ts Verbrannda (Raron), der Ferbrant Wald (Mund, Gampel), aber auch das Ferbrunnen Schiirli ‘die abgebrannte kleine Scheuer’ (Birgisch) vertreten diesen Typus, der zugleich zeigt, dass die Wirkung des Feuers (Verbrennen, Roden) zwar kurzfristig wirkt; die Namen jedoch bleiben teilweise über Jahrhunderte erhalten, auch wenn vom ursprünglichen Vorgang nichts mehr erkennbar ist.

VSNB, Bd. 1, Sp. 267

Vorkommen

brand

bränd

brand

bränd

brand

bränden

branden

branderri

brändil

brändji

brandsch

brandu

brann

brannd

brännd

brannd

brännd

brannd

brännd

brannd

brännd

brannd

brännd

brannd

bränndji

branndji

bränndji

bränndjini

bränner

brannig

brännole

brännolu

brannu

bränola

bre

brend

brenden

brender

brenderi

brendgi

brendjini

brendli

brendlinu

brendtt

brendu

brendy

brenen

brengi

brengjinu

brengyn

brenien

brenjinen

brenn

brennd

brenndjini

brenndu

brenne

brennen

brenner

brenni

brennienen

brennier

brennji

brenu

ferbrand

ferbrannd

ferbrannda

ferbrannt

ferbrunnen

gebrannten

gibranndi

värbrannt

verbrannd

verbrannt

verbrannta

verbranntu

verbranten

verbrunnu