Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Matta

Matta (Matte im Goms, Mattu im Bezirk Leuk) ist das am häufigsten (rund 2500 Belege) verwendete Lemma. Es ist zu schwdt. Matte f., Pl. Matten, Dim. Mattli, Mätt(e)li ‘ebene Grasfläche, Wiese, bes. im Talgrunde, die das Heu für den Winter liefert, daher dem Viehtrieb nicht geöffnet wird, auch Bergwiese, im Flachland Wiese überhaupt’, mhd. mate und wdt. Matta, Mattä (Goms), Mattu ‘Wiese’ (ID. 4, 548; GRICHTING 1998, 133) zu stellen. RÜBEL (1950, 66) führt bei der Besprechung der Bodennutzung aus, dass Matta “als eng umgrenzter Nutzungsbegriff” verwendet wird: “eine im Privatbesitz bewirtschaftete Grasfläche, die gemäht wird und deren Ertrag Viehfutter für den Winter liefert”. Sobald das Gras jedoch vom Vieh abgeätzt wird, wird die Matte zur Weide (auch Etzweide). Wird eine Matte bebaut, kann sie auch Acker genannt werden, genau so, wie ein erlegener Acker wiederum zur Matte werden kann; Gwpp. sprechen dann von ‘gezierten Äckern’ (zu ziere siehe GRICHTING 1998, 246).

Formal tritt Matta als Simplex Matta f., Pl. Matte recht selten auf. Diminutive sind Matti n., Pl. Mattini, Mattji n., Pl. Mattjini, Mattelti n., Pl. Matteltini, Mättji n., Pl. Mättjini, Mättelti n., Pl. Mätteltini, Mettji n., Pl. Mettjini, Mettelti n., Pl. Metteltini, wobei im Einzelfall die Nebenvokale variieren können. Aber auch hier sind Simplizia eher selten. Plurale und Singulare wechseln generell ab – Plurale bezeichnen im Allgemeinen eher grössere Flächen. Als Präposition tritt häufig in der / in den auf; gemeint ist dann das Gebiet, wo sich die Wiesen befinden. Verwechslungen mit den Typen Mad n. und Mettle – Mettja f. sind in Einzelfällen möglich; der FaN und Zugehörigkeitsname Matter kann zu Matta ebenso wie zu Mad gehören.

Die weitaus meisten Belege von Matta enthalten dieses als Grundwort. Dazu gibt es einige häufig auftretende Kombinationen: Hüsmatta (nach RÜBEL 1950, 68) und Hofmatta sind nahe beim Haus gelegene, bewässerte Wiesen, Kirchmatta und Kapällumatta gehören meist zum Kirchen-, resp. Kapellengut, ebenso wie Spittelmatta zum Gut eines Spitals. Bewässerungseinrichtungen prägen die Trogmatta, die Brunnenmatta, die Chänelmatta, während die Lage bei einem Kreuz oder einer Wegkreuzung die Chrizmatta kennzeichnen. Zu diesen Komposita stellt sich eine lange Reihe von weiteren, die etwa die Besitzer oder Nutzer nennen (z. B. Diezigmatten ‘die Wiese der Familie Diezig’ (Ried-Brig)), darunter auch die Alusuisse in Chippis, die t Aleminjummattu ‘die Aluminium-Wiese (Wiese der Alusuisse in Chippis)’ (Leuk) besass, die Lage (z. B. Milimatta ‘die Wiese bei der Mühle’ (Bellwald u. ö.), die Weidetiere (Chiematta ‘Wiese für die Kühe’ (Mund) oder Chalbermatta ‘Wiese für die Kälber’ (Mund)). Doppeldeutig ist Rossmatta ‘Wiese für die Pferde’ (Mund) vs. Roosmatta ‘Wiese mit Röstplatz für Hanf und Flachs’ (Ried-Mörel). Was auf den Wiesen wächst, findet sich in Lischmatta ‘Wiese mit Lischgras’ (Fiesch) oder Dischtulmatta ‘Wiese mit Disteln’ (Ried-Brig). Viele Wiesen werden nach ihrer Lage bei einem Weiler oder einer andern Siedlung benannt (z. B. Ladumatte (Hohtenn) beim Weiler Ladu). Eine Rolle spielen auch Lagen beim Wald wie in Waldmatta ‘Wiese beim Wald’ (Visperterminen), Holzmatta ‘Wiese beim Holz (Wald)’ (Blatten), Loomatta ‘Wiese beim Loo (Wald)’ (Eischoll) oder bei Bäumen (Eschmatta ‘Wiese bei den Eschen’, Teelmattu ‘Wiese bei den Dählen’, Eichmatta ‘Wiese bei den Eichen’, Haselmatta ‘Wiese bei den Haselstauden’, Tammatta ‘Wiese bei den Tannen’), aber auch bei Schluchten (Chimatta ‘Wiese beim Kinn (Schlucht)’ (Stalden), Ecken (Eggumatte ‘die Wiesen bei der Ecke’ (Zeneggen)) oder Felsen (Tschugge) Tschuggmatta ‘die Wiese bei den Felsen’ (Zwischbergen)). Unklar ist manchmal, ob die Beschaffenheit oder die Lage gemeint ist, etwa bei Steimatta ‘die Wiese mit Steinen / bei den Felsen’ (Ausserbinn). Und in einigen Fällen ist ein metaphorischer Gebrauch wahrscheinlich: die Wiese sieht aus wie ein Giebel (Gibelmatta (Visp)), wie eine Geige (Gigimatta (Oberems, wohl nach Alpe Giigi) oder wie eine Ahle (Allesenmatten (Raron)), sofern es sich nicht um einen PN handelt.

Neben den Komposita im engeren Sinn gibt es Attributbildungen, die auch zu Adjektiv-Nomen-Komposita werden können. Wir finden Lengi Matta ‘lange Wiese’ Zwischbergen, Churzi Mattu ‘kurze Wiese’ (Ergisch), Beeschi Matte ‘böse (schwer zu bearbeitende) Wiesen’ (Steg), Gaalti Matta ‘die brach liegende, unfruchtbare Wiese’ (Turtmann), Leidi Mattä ‘unschöne, unfruchtbare Wiesen’ (Bratsch); neben Adjektiven auch andere Attribute wie Stotzundi Mattu ‘steile Wiese’ (Ergisch). Unklar ist jn der Affreton Matton (1345, Gampel), wo wahrscheinlich eine Form von AFTER ‘hinten’ erscheint (also: ‘in der hinteren Wiese’). Komposita dieser Art sind: Lengmatta (Mund), Breitmatta (St. Niklaus) und andere, die oft nicht fest zu sein scheinen.

Weiterbildungen zu Komposita sind eher selten: so kennt Wiler den Namen t Nidrun Mattuschiirä ‘die niederen (tiefer liegenden) Scheuern bei den Wiesen’. Hier werden einige Scheuern, die im Gebiet der niederen Wiesen stehen, näher bezeichnet.

Die Koordinatensysteme der Höhe ober – nider, ober – unter, der Lage im Tal vorder – hinter und auch mittler- werden, wie üblich, häufig verwendet; Beispiele finden sich in der Datenbank.

Selten ist Matta- (auch endungslos als Matt-, oft mit Mad- verwechselbar) als Bestimmungswort. Neben dem Typ Mattachra ‘die Äcker bei der Wiese’ ist prominent die Fügung Mattwald ‘Wald bei einer Wiese, bei einer Mähwiese’ und sie ist doppeldeutig (zu Matta oder zu Mad); im Fall des Gipfelnamens Mattwaldhoru (Visperterminen) ‘erbt’ der Gipfel den Namen von der Mattwaldalp (Eisten), die ihreseits vom Mattwald her benannt ist.

Unklar ist der Gemeindename Zermatt: die Fügung deutet auf ein Femininum (also Matta) und nicht auf ein Neutrum (also Mad) hin; das stimmt mit dem älteren, romanischen Name Praborgne überein, der lat. PRATUM ‘Wiese’ enthält. Matterhorn, Mattertal und die Matter Vispe sind vom Gemeindenamen abgeleitet.

Die Vielfalt der Namen ist so gross, dass eine Reihe von Einzelbelegen nicht gedeutet werden kann. Näheres dazu findet sich in den Artikeln zu den verwendeten Lemmata. Besonders zu erwähnen ist der Typ Allmatte (Agarn, Leuk, Leukerbad), der wohl All- zu zum frpr. aulne ‘Erle’ enthält (cf. HL ALL).

VSNB, Bd. 3, Sp. 202

Vorkommen

matä

mate

mäteltenen

matgi

matgini

mätini

mätjini

mätlein

matli

maton

matt

matta

mattä

matta

mattä

matta

mattä

matta

mattä

matta

mattä

matta

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mättälti

matte

mättelti

mattelti

mättelti

mattelti

mättelti

mätteltin

mätteltini

matten

matter

mattgini

mätti

matti

mätti

mättil

mattilti

mättilti

mattilti

mättilti

mattilti

mättilti

mattiltin

mättiltini

mattini

mattji

mättji

mattji

mättji

mattji

mättjini

mattjini

mättjini

matton

mattu

mättulti

mättultini

mattun

mättuti

matu

meteltin

metgi

metilti

metlein

metli

mettelti

metteltin

metteltj

mettilten

mettilti

mettiltin