Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Böüm

Böüm ‘Baum’ ist ein HL mit mehreren Varianten (vgl. RÜBEL 1950, 3). Es kommt in rund 170 Flurnamen vor. Sie sind zu schwdt. Baum, Boum, Boun, Boin, Bŏm, Bŭm, wdt. Böm, Böim (Mattertal), Böüm (Saastal), Boim m. ‘Baum’ (ID. 4, 1230 ff.; GRICHTING 1998, 40) zu stellen. Das Simplex Böüm kommt nur sehr selten vor, auch im Plural (mit Entrundung) (Unner de Beimu ‘Unter den Bäumen’ (Raron)) oder als Diminutiv (Boimjini ‘die kleinen Bäume’ (Simplon)); daneben lassen sich zwei Typen unterscheiden – die Art des Baumes (Apfel-, Kastanien-, Kirschen-, Mehl-, Nussbaum als häufigste) und der Typ Baumgarten (cf. auch HL GARTO). Der erste Typ wird oft mit dem Genus Neutrum verwendet (ts Nussböüm ‘das Nussbaum’), was seine Verwendung als Ortsbezeichnung unterstreicht. Solche Namen können bleiben, auch wenn die entsprechenden Bäume dort nicht (mehr) wachsen. Neben dem Singular kommen selten auch Plurale (Ze Cheschtibeimmu ‘bei den Kastanienbäumen’ (Naters)) und Diminutive (t Epfilböümjini ‘die kleinen Apfelbäume’ (Gampel)) vor. Der Typ Böümgaarte ‘Baumgarten’ kann zu Bongarto (Visp) werden. Baumgartner kann auch FaN sein. Das in Ried-Brig belegte Furgguböüm (auch FLNK; LT Furggubäum) bezeichnet eine Alpe am Fuss des Furgguböümhoru ‘Furkenbaumhorn’ (it. Punta d’Aurona), der Furgguböumlicka ‘die Lücke (Pass, it. Forca d’Aurona) beim Furgguböümhore’ und dem kleinen Furgguböümgletscher. Durchflossen wird die Alpe vom Furgguböümbach (FLNK; LT Furrgubäumbach). Während Furggu zum HL FURGGA zu stellen ist, kann Böüm auf rund 2300 m kaum einen Baum meinen. Der älteste Beleg von 1457 hat an Furkunbun, was ein schwacher Dativ sein muss. In Frage kommt etwa das von ID. (4, 1945 ff.) erwähnte Bü(w) ‘Bau, Mist’, bei GRICHTING (1998, 45) als wdt. Büww, Büü (Saastal), Buiw (Lötschtal), Buww ‘Mist’. Doch diese Herleitung ist spekulativ und inhaltlich nicht besser als das später aufgeführte Böüm.

Bildungen mit Adjektiven (Bim Schwartzen Boŭm ‘beim schwarzen Baum’ (Binn)) finden sich ebenso wie Besitzernamen (ts Heersch Böümgartu ‘des Herrn (Pfarrer) Baumgarten’ (Mund)). Weitergehende Komposita wie etwa t Mälböümschräja ‘der Wasserfall (des Kelchbachs) beim Weiler Mehlbaum’ (Naters) oder in den Boúmgartenackeren ‘in den Äckern beim Baumgarten / der Familie Baumgartner’ (Mörel) sind selten. Vereinzelt ist die Motivation für die Namen unklar – etwa bei Im Erbböüm (Agarn), das zwar durchsichtig zu sein scheint (Kompositum mit Erb ‘das Erbe’), ohne dass klar ist, was genau gemeint ist.

VSNB, Bd. 1, Sp. 262

Vorkommen

baum

bäum

baum

baumen

bäumen

beim

beimen

beimmu

beimu

boim

boimjini

boimjinu

bom

bon (Böüm)

böüm

böum

böüm

böum

böüm

böum

böüm

böum

böüm

böum

böüm

böum

böüm

böum

böüm

böum

böüm

böum

böüm

boum

böüm

boume

boumen

böümer

böumji

böümji

böümjini

böumma

pouma

poume