Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Blind

Blind kommt als Adjektiv und als Substantiv vor. Es ist zu schwdt. blind wie nhd. ‘blind, trübe, undurchsichtig, versteckt’ und wdt. blind ‘blind’ und Blinni, Blindi ‘Blindsein’ (ID. 5, 109 ff.; SZNB 1, 455; GRICHTING 1998, 39) zu stellen. Die Form Blinne (< Blinde) geht auf einen lautlichen Prozess im Walliserdeutschen zurück (nd -> nn). Blinne ist in Reckingen Bachname, der ein Namennest mit Blinnental, Blinnenhorn, Blinnengletscher usw. bildet (das Blinnenhorn heisst an der Grenze zu Italien auf LT Corno Cieco ‘Blindes Horn’). Hier dürfte als Motivation das trübe Wasser in Frage kommen. Weitere Blind-täler gibt es in Naters und in Mund / Eggerberg; die Motivation ist hier weniger klar – kleine, schlecht einsehbare Täler? Auch in Naters gibt es ein kleines Namennest, ausgehend vom Blindtal. Blinda (St. Niklaus) und die Blyndun (1303 u. später, Grächen) als Flurname beziehen sich wohl auf ertragsarme, unfruchtbare Flächen oder undurchsichtige Waldstücke. der Blindu (Niedergesteln) benennt einen unfruchtbaren Rebberg. Als Adjektiv kann weiter die versteckte Lage oder die unklare Struktur in Frage kommen. Die Grundwörter zum Adjektiv sind: Bach, Bäärg, Biel, Chella, Chumma, Flüö, Schleif, See und Tal.

Zweigliedrige Komposita mit dem HL als Bestimmungswort haben folgende Grundwörter: Acher, Bäärg, Chäla, Egg(a), Gletscher, Hooru, Joch, Rüüs, Sand, Schleif, Tal und Wald. Komplexer sind ts Chlii Blinnehore ‘das Klein Blinnenhorn (so LT)’ (Grengiols) und die Blindthall Höhi ‘die Höhe im Blindtal’ (1550, Naters).

VSNB, Bd. 1, Sp. 245

Vorkommen

blin

blind

blinda

blinden

blindi

blindu

blindun

blinne

blinnen

blinnu