Frid
Frid m. ist ein HL, das zum schwdt. Frĭden m., mhd. ‘Sicherung kultivierter Grundstücke gegen Schädigung durch Vieh; Einfriedung, eingehegter Raum, Bezirk’, Synonym Efrid, Feldfrid (ID. 1, 1279 f.; RÜBEL 1950, 108) zu stellen ist. In neueren Namen wie z. B. Bärgfridu ‘Bergfrieden’ steht es für ‘Frieden’ (ID. 1, 1276 ff.); das ID. zählt die beiden Deutungen unter einem Eintrag auf. Die Bedeutung in Ortsnamen ist nicht immer klar bestimmbar (ID. 1, 1281). Friedhof m., mhd. vrīthof, ahd. frīthof, bedeutete ursprünglich ‘Vorhof, eingefriedetes Grundstück’ zu ahd. frīten ‘hegen’, got. freidjan ‘schonen’, der Name hätte sich eigentlich zu nhd. Freithof entwickeln sollen, das Wort ist jedoch als Bezeichnung des Kirchhofs an Friede angeglichen worden durch das Verständnis als ‘Immunitätsland’, auf das die öffentlichen Beamten kein Eingriffsrecht hatten (ID. 2, 1027; KLUGE / SEEBOLD 252011, 318). GRICHTING (1998, 81) unterscheidet Fride, Fridä (Goms), Fridn (Lötschental), Fridu ‘Frieden’ und Fridhof, Friidhof ‘Friedhof’.
Möglicherweise ist die Form Friden ein Genitiv zu einem PN Frid(i) (abgeleitet von einem der Namen unter Frith bei FÖRSTEMANN 1, 526 ff.).
Das HL ist als Simplex nur in der Frid (Ernen), auch Alpe Frid, bezeugt. SK hat auf dem Fritt und zeigt mehrere Alphütten, während sich heute dort eine grosse Stallung befindet. Vermutlich dürfte eine frühere Einfriedung den Namen gegeben haben (erster Beleg 1592 jm Fridt).
Ebenfalls wohl ein Simplex ist Friden (1749, Simplon Dorf), das als Variante zu die Laúbhalten bezeichnet wird (cf. JORDAN 2006, 29 s. v. Frido), der auch Frid als Variante aufführt.
Als Grundwort ist das HL nur in Bärgfridu (FLNK, Täsch) belegt; der Name stammt laut Gwp. von einem Wohnhaus Bergfrieden.
Als Bestimmungswort tritt das HL im Typ Friithof ‘Friedhof’ auf. Lebend ist belegt: bim Friithof ‘beim Friedhof’ (Stalden), zem Friithof ‘beim Friedhof’ (Blatten) und historisch am Frÿdhoff ‘am Friedhof’ (1740, Raron). Lateinisch erscheint dagegen retro cemiterium ‘hinter dem Friedhof’ (1507, Ernen), subtus Cemiterium ‘unter dem Friedhof’ (1573, Münster), subtus Cimiterium ‘unter dem Friedhof’ (1425, Fiesch) und in Cimisterio ‘im Friedhof’ (1280 (ca.), Raron). Komplexere Formen sind zem Änglischi Friithof ‘beim englischen Friedhof’ (FLNK, Blatten), laut Gwp. ein Dorfteil mit einem Gedenkstein an verschollene Engländer (frühe Bergsteiger), der Bätzlärfriithof ‘die Mulde im Bereich der Bätzla, die einem Friedhof gleicht’ (Kippel), der Chalchefriithof ‘der Friedhof bei den kalkhaltigen Stellen’ (Ulrichen, laut Gwp. Begräbnisort eines protestantischen Sennen), Falken Friedhof (1596, Ulrichen; auch SK), wohl identisch mit Chalchefriithof, und der Heidufriithof ‘der Friedhof der Heiden (der vorgeschichtlichen Bevölkerung)’ (Saas-Almagell).
In Unterbäch ist 1544 in den Fridenmatten ‘in den Wiesen des Frid(i)’ belegt, wo wohl ein Besitzername vorliegt (vgl. HLL FRIDING (PN) und FRIDLEN (PN)).
VSNB, Bd. 2, Sp. 182
Vorkommen
frid
friden
- Friden Simplon
- Fridenmatta Unterbäch
fridu
- Bärgfridu Täsch
fried
- Friedhof Fiesch
friit
- Änglischi Friithof Blatten
- Bätzlärfriithof Kippel
- Friithof Blatten
- Friithof Stalden
- Heidufriithof Saas-Almagell
frit
- Chalchefrithof Ulrichen
- Falkenfrithof Ulrichen