Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Alt

Das Adj. alt Adj. ‘alt’ ist zu schwzd. alt, mhd. und ahd. alt, wesentlich wie nhd. ‘alt, ehemalig, einstig’, im Gegensatz zu ‘neu’ und wdt. aalt, aaut ‘alt’ (ID. 1, 203 ff.; GRICHTING 1998, 15) zu stellen. Der Vokal in alt ist im Walliserdeutschen normalerweise gelängt. In FlN wird das Adjektiv auch für noch vorhandene, aber nicht mehr dem ursprünglichen Zweck dienende Gebäude, Bodenflächen, Bachläufe usw. verwendet.

Das Adjektiv kommt in rund 350 Namen vor und wird meist attributiv verwendet, entweder unflektiert oder flektiert. Im unteren Goms mit der Vokalisierung von /l/ ist die Form meistens aut.

Der häufigste Typ ist der Alt Stafel ‘der alte Stafel’ mit den Varianten der Alt Stafil, der Alt Stafol, der Alt Staful und der Aut Stafu mit insgesamt rund 35 Belegen. Es handelt sich fast durchwegs um Alpen und Alphütten, die höher liegen als die späteren Stafel in Folge der sog. Kleinen Eiszeit (CHRISTIAN PFISTER: "Kleine Eiszeit" (HLS) [10.12.2020;IW]).

Ein zweiter häufiger Typ bezeichnet das alte Flussbett des Rotten vor dessen Korrektion (1863–1884): ts Alt Rottebett ‘das frühere Bett des Rotten’ mit den Varianten ts Alt Rottubett, ts Alt (e)Rottubett, ts Alt (e)Rottunbett und das Alte Rhonebett (1895, Leuk) mit acht Belegen.

Ebenfalls häufig ist der Typ t Alt Wasserleita ‘die alte Wasserleitung’, die öfters auch lateinisch als antiquus aqueductus oder vetus aqueductus bezeichnet wird. Hier findet sich auch eine der wenigen Substantivierungen wie das Alti (sic!) (FLNK, Ergisch) und t Altu (Leuk, Oberems) für eine alte Wasserleitung. t Alti Süe (Eischoll, Unterbäch) und Varianten kommen in sechs Fällen vor, davon zweimal t Alti Gieschsüe ‘die alte Wasserleitung nach Giesch (Weiler von Hohtenn)’ (Hohtenn, Steg) Die Menge der Nomina mit dem Attribut alt umfasst rund 270 HLL. Sie können hier nicht alle aufgeführt werden. Komplexeste Formen sind t Alti Chalbertreichi ‘die alte Tränke für die Kälber’ (Gampel), Alti Ganterbrigga ‘die alte Brücke über den Ganterbach’ (FLNK, Ried-Brig), der Unner Alt Stafel ‘der untere Teil des alten Stafel’ (Saas-Almagell) und das schöne Alti Niibuhittu ‘die alte (Alp-)Hütte der Niwenalpe’ (FLNK, Bratsch), wobei die Niwenalpe ‘die neue Alpe’ ist.

Nur einige wenige Belege sind zusammengesetzt wie Altwaldschleif ‘der Schleif beim Gebiet Alti Walda’ (FLNK, Visperterminen), wobei Alti hier auch ‘hoch gelegen’ (MÖLLER 1985) bedeuten kann, was auch für den Beleg Alte Gemmi (Leukerbad) gilt, die wohl kein alter Übergang, sondern ein hochgelegener Übergang (ca. 2700 m) ist.

VSNB, Bd. 1, Sp. 104

Vorkommen

aalti

alt

alte

alten

alter

alti

alts

altu

altun

aut

aute