Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Alpa

Alpa f. ist zu schwdt. Alp, Alb, Alpa, Alben f., Pl. Alpen, Dim. Alpetli, Älpetli, Alpli, Alpi, ahd. alpa, mhd. albe, wie nhd. ‘Alpe, Bergwiese, bes. für Melkvieh’ und ‘Recht der Benutzung einer Gemeinalp’, sowie Alpa, Alpä (Goms), Alpu ‘Alpe’ (ID. 1, 193 ff.; GRICHTING 1998, 25) und Aupa (im unteren Goms) zu stellen. SEEBOLD / KLUGE (252011, 24) vermuten im Anschluss an die Literatur ein vorindogermanisches Wort mit der Bedeutung ‘Berg’. Das HL ist in über 550 Flurnamen belegt.

Das Simplex im Singular erscheint als in der Alben (1707, Visperterminen) und t Alpa (St. Niklaus, Zermatt, Zwischbergen). Lateinische Formen von alpis sind im Allgemeinen Appellative, keine Namen. Plurale sind nicht belegt.

Als Diminutive im Singular erscheinen ts Alpgi (unklares Datum, Saas-Fee), im Alpgÿ (1708, Embdt), ts Alpji (Eischoll, Glis (zweimal), Ried-Brig (dreimal), Simplon, Törbel und Zwischbergen, Alpji (FLNK, Termen), ts Ällpi (Saas-Balen, Saas-Fee). Plurale sind nicht belegt.

Attributive Adjektive oder Partizipien sind: die Gemeinen Alpen ‘die Alpen, die der Gemeinde gehören’ (1824, Naters), die Gemein Alpen ‘die Alpe, die der Gemeinde gehört’ (1774 (?), Eggerberg), in der Gemeinen Alpen ‘auf der Alpe, die der Gemeinde gehört’ (1746, Simplon; 1650 super communi alpe), vss der Gemeinen Alpen ‘die Alpe, die der Gemeinde gehört’ (1469, Ernen), von der Gemeinen Alpen ‘von der Alpe, die der Gemeinde gehört’ (1714, Binn; 1490 u. 1655 communi alpe), die Grosse Alpen ‘die grosse Alpe (von Geren)’ (1550, Oberwald), t Inner Alpa ‘die innere Alpe’ (Zwischbergen), die Kaufte Alpe ‘die gekaufte Alpe’ (1681, Blitzingen; unklar, ob es sich überhaupt um einen Flurnamen handelt), an der Nydrun Alpun ‘an der niederen (unteren) Alpe’ (1448, Zermatt), (lat.:) apud inferiorem alpem ‘bei der unteren Alpe’ (1369, Ried-Brig), in der Nydron Alpon ‘in der niederen (unteren) Alpe’ (1393, Termen), in der Obren Alpen ‘in der oberen Alpe’ (1749, Ried-Brig), Obere Alpe ‘die obere Alpe’ (1862, Mund), in den Obern Alpen ‘in den oberen Alpen’ (1774, Termen), (lat.:) in superiori alpe ‘auf der oberen Alpe’ (1449, Zermatt), in der Obren Alpen (1749, Ried-Brig), ts Ober Alpji (Randa, Zwischbergen (zweimal)), Obere Alpe (1862, Mund), Oberste Alp ‘die oberste Alpe’ (SK, Visperterminen), t Obri Alpu ‘die obere Alpe’ (Albinen), in den Vndresten Alpen ‘in den untersten Alpen’ (1745, Törbel), t Undri Alpu (Albinen), ts Undruscht Alpa ‘(das Gebiet) zu unterst der Alpe’ (Gampel), t Unner Alpa ‘die untere Alpe’ (Zermatt), ts Unner Alpji ‘die untere kleine Alpe’ (Zwischbergen (zweimal)), iner Unner Aupe ‘in der unteren Alpe’ (Martisberg), ts Wiiss Alpji ‘die kleine Weisse Alpe’ (Bürchen). Die meisten attributiven Adjektive kennzeichnen die relative Lage oben unten.

Vorangestellte Genitive (ohne die alten Genitive Plural auf /-ER/) sind: in Arnolsch Alpen ‘in der Alpe des Arnold / der Familie Arnold’ (1676 u. später, Törbel), Balligo Alpji ‘die kleine Alpe der Familie Balli (Balet?)’ (1675, Unterbäch), jn Bertoldsalpen ‘auf der Alpe des Bertold’ (1768, Ergisch), in Bitschigo Alpÿ ‘auf der kleinen Alpe der Leute des Bitschin’ (1742 u. später, Turtmann), ts Bitschisch Alpji ‘die kleine Alpe der Familie Bitschin’ (Glis), in Bÿtschis Alpyn ‘in der kleinen Alpe der Familie Bitschin’ (1745 Ergisch; 1830 die Alpen Pitschier), in Bortero Alpe ‘auf der Alpe der Familie Borter’ (1679, Bürchen; 1678 steht Vortero Alpe), in alpegio der Dietzigen ‘(lat.: in alpegio) in der Alpe der Familie Diezig’ (1654, Binn; Genitiv ist aus Konstruktionsgründen nachgestellt), jn Gersters Alpen ‘auf der Alpe der Familie Gerster’ (1628, Visperterminen), Ggugis Alpa ‘die Alpe des Guggi / die Guggi-Alpe’ (153?, Törbel), ts Guschtavsch Alpji ‘die Alpe des Gustav (laut Gwp. Gustav Heinzmann)’ (Visperterminen), in Hofero Alpen ‘auf der Alpe der Familie Hofer / der Leute vom Hof’ (1528, Saas-Grund), Jennen Alpen ‘die Alpe der Familie Jennen’ (1681, Blitzingen), Júnigo Alpgi ‘die kleine Alpe der Familie Juon’ (Unterbäch), Kalbermattero Alpÿ ‘die kleine Alpe der Familie Kalbermatter’ (1687 Ergisch; 1687 Turtmann, gleiche Alpe), in alpe illorum de Martis ‘(lat.: in alpe illorum de Martis) in der Alpe der Leute von Martisberg’ (1648, Martisberg; Genitiv ist konstruktionsbedingt nachgestellt), Niggligo Alpen ‘die Alpe der Leute des Niggeli / der Familie Niggeli (Nikolaus)’ (1585, Oberems), ts Pfarheersch Alpa ‘die Alpe des Pfarrherrn’ (Naters; FLNK Pfarrherrualpa), ts Stoffolsch Alpji ‘die kleine (Vor-)Alpe des Stoffel / der Familie Stoffel’ (Visperterminen), Trogerro Alpa ‘die Alpe der Familie Troger’ (1548, Turtmann), Trogerro Alpgÿ ‘die kleine Alpe der Familie Troger’ (1585, Ergisch), Weissen Alpli ‘die kleine weisse Alpe / die kleine Alpe der Familie Weissen’ (1706, Turtmann), Zimermans Alpen ‘die Alpe der Familie Zimmermann’ (1744, Ergisch).

Die /-ER/-Belege (alte Genitive Plural) sind vor allem mit Gemeindenamen vertreten und erscheinen manchmal auch als Erstglieder von Komposita: Almagäller Älpi ‘die kleine Alpe der Leute von Almagell’ (FLNK, Saas-Almagell; LT Almagelleralp, SK Almageller Alp) (die Höhenangaben differieren stark, wohl grössere Alp mit einem Stafel), Aŭserbinner Alpen ‘die Alpen der Leute von Ausserbinn’ (1844, Ernen), Balmerro Alpelti ‘die kleine Alpe der Leute von Saas-Balen’ (1553), in Balmerro Alpen ‘die Alpe der Leute von Saas-Balen’ (1528, Saas-Balen), Bettmeralp ‘die Alpe, die den Leuten von Betten gehört’ (LT und SK, Betten; 1583 apud alpem Bettmerro), t Bischtmeralpa ‘die Alpe der Geteilen von Bister’ (Filet), t Bobmeraupa ‘die Alpe der Leute von Bodmen’ (Blitzingen; laut Gwp. Leute aus dem Weiler Bodmen), di Borteralpu ‘die Alpe der Familie Borter’ (Oberems, laut Gwp. FaN Borter, auch ze Borteru), Brÿgerro Alp ‘die Alpe der Leute von Brig’ (1578, Glis), Bürchner Alp ‘die zur Gemeinde Bürchen gehörende Alpe’ (LT, Bürchen), aŭff Viescherern Alpen ‘auf der Alpe der Leute von Fiesch’ (1691, Fieschertal), t Fiescheraupa ‘die Alpe der Leute von Fiesch’ (Fiesch), Fieschertalleren Alpen ‘die Alpe der Leute von Fieschertal’ (1818, Lax), in Finninero Alpen ‘auf der Alpe der Leute von Finnen’ (1306, Eggerberg), Geschineralp ‘die Alpe der Leute von Geschinen’ (1471, Geschinen), in der Gorpiler Alpe ‘auf der Alpe der Leute von Goppisberg’ (1839, Goppisberg; 1809 in alpibus de Goppileren), Goppisbergeralp ‘das Alpgebiet der Leute von Goppisberg’ (LT u. SK, Goppisberg), Gräicher Alpe ‘die Alpe der Leute von Greich / die zu Greich gehört’ (FLNK u. LT, Greicheralp; Name ist phonetisch Gräicheralp), Laggeralpa ‘die Alpe der Leute von Lax’ (FLNK, Lax), Laxeralp ‘die Alpe der Leute von Lax’ (LT u. SK, Lax), Leigeralpa ‘die Alpe der Leute von Leiggern’ (Ausserberg; LT u. FLNK Leiggeralpa), Martisbergeralp ‘die Alpe der Leute von Martisberg’ (LT, Martisberg), Milebacheraupa ‘die Alpe von Mühlebach’ (FLNK, Mühlebach), Munder Alpe ‘(lat. alpes) die Alpen der Leute von Mund’ (1527 Baltschieder; 1527 Mund), Riederalpa ‘die Alpe der Leute von Ried-Mörel’ (FLNK, Ried-Mörel; LT und SK Riederalp), Ritzigeralpe ‘die Alpe der Leute von Ritzingen’ (FLNK, Gluringen; FLNK, Ritzingen), alpem Schineren ‘(lat.: alpem) die Alpe der Familie Schiner’ (1520, Binn), ts Schreeteralpji ‘die kleine Alpe der Familie Schröter’ (Eischoll), Varneralp ‘die Alpe der Leute von Varen’ (LT und SK, Varen; FLNK Varneralpu), Vischper Alpa ‘die Alpe der Leute von Visp (im Nanztal)’ (1519, Visperterminen; 1717 Wisper Alpen), Wileralpen ‘die Alpe von Wiler’ (1811, Lax), t Wileraupa ‘die Alpe von Wiler (Weiler von Blitzingen)’ (Fiesch), ts Wileraupji ‘die kleine Alpe von Wiler (Weiler von Blitzingen)’ (Fiesch), Zwischberger Alppen ‘die Alpen von Zwischbergen’ (Zwischbergen). Einen nachgestellten Genitiv Plural findet man in jn Alpe Tallerro ‘in der Alpe der Leute vom Tal (wohl Fieschertal)’ (1508, Fieschertal). Eine sonst selten belegte Konstruktion besteht im Grundwort Alp und einer Apposition dazu. So gibt es Alp Distel ‘die Alpe, wo es Disteln hat’ (LT, Saas-Almagell), Alp Hermetje ‘die Alp Hermetje (Mettle des Herrn?)’ (Zermatt), t Alpa Bäll ‘die Alpe Bälle’ (Naters; sonst auch Belalp, wohl in Anlehnung an frz. la belle alpe), Alpe Bächi ‘die Alpe Bächi (bächereiches Gebiet)’ (FLNK, Reckingen), in Alpe Biellensium (latinisiert) ‘die Alpe der Leute von Biel’ (1733, Biel), Alpa Finilu ‘die Alpe Finilu (Heuschober; SK Finnelenalp, gehört zu Eisten)’ (Eisten), Alpe Gamilti ‘die Alpe mit der kleinen Hütte (unsicher)’ (1680 u. später, Zwischbergen), Alpa aŭff dem Driest ‘die Alpe auf dem Driest (unfruchtbares Gebiet)’ (1401 u. später, Naters; die Namen wechseln, es handelt sich wohl um eine Alpe im inneren Aletschi, die auf dem Driest genannt wurde), alpe zem Beche ‘auf der Alpe zum Bach’ (1399, Ried-Mörel), alpe zem Bech ‘auf der Alpe zum Bach’ (1480, Naters; die Belege sind unklar, meist nur zum Bech), in Alpe Agerun ‘die Alpe der Familie Äger / der Leute von Ager (Geren)’ (1548; Oberwald; später Gerenalp) und weitere. Eine Reihe von Namen weisen dabei romanische Appositionen oder präpositionale Bestimmungen mit de auf: Alpen Camona ‘die Alpe Camona (Hütte) (liegt jenseits der Grenze in Italien)’, Alpa Possetta ‘die Alpe Pussetta (kleiner Tannenwald)’ (SK, Zwischbergen), Alpis Sottheroz ‘die Alpe, die dem Gerichtsboten zur Verfügung gestellt wurde’ (1495, Salgesch), alpem deys chauanes ‘die Alpe mit den Hütten’ (1357, Leukerbad), Alpis de curmilz ‘die Alpe von Curmilz (unklar)’ (1346, Leukerbad), in alpe de la soterod ‘auf der Alpe, die dem Gerichtsboten zur Verfügung gestellt wurde’ (1344, Feschel), alpem de lalpeta ‘die Alpe genannt die kleine Alpe’ (1328 u. später, Leukerbad), alpem de solla ‘die Boden-Alpe’ (1346, Leukerbad). In einem Fall ist ein PN im Genitiv nachgestellt: in alpe Otolfi ‘auf der Alpe des Otolf’ (1232, Ried-Brig). Andere Belege sind: der Alpen Rodani ‘die Alpe Rudu (heute Alpjerung)’ (1511 u. später, Zwischbergen), in alpe Ruspecca ‘die Alpe Rusp-Egga (Rusp-Ecke, unklar)’ (Visperterminen) und andere mehr. Das Bild wird hier bestimmt durch lateinische und romanische Konstruktionen, wobei lat. ALPIS und dt. Alpe oft nur appellativen Charakter haben.

Als Grundwort tritt das HL zunächst mit Tiernamen auf: Chiealpa ‘die Alpe für die Kühe’ (FLNK, Bellwald), Chuealpa ‘die Alpe für die Kühe’ (FLNK, Betten), Gämschalpji ‘die kleine Alpe mit Gämsen’ (FLNK, Guttet), Chalberalpa ‘die Alpe für die Kälber’ (FLNK, Bellwald), Lämmerenalp ‘die Alpe mit vielen Lämmern’ (LT und SK, Leukerbad; FLNK Lämmerenalpu), ts Bäralpji ‘die kleine Alpe, wo es Bären hatte’ (Ried-Brig), ts (e) Rinneralpu ‘bei der Alpe für die Rinder’ (Unterbäch, LT Rinderalp) und ohne Vokalvorschlag in den Formen Rinderalpen ‘die Alpe für die Rinder’ (1701, Feschel), jn der Rinderalpen ‘in der Alpe für die Rinder’ (1616, Eischoll; der Beleg von 1729 gehört wohl zu Ergisch), die Rinder Alpen ‘die Alpe für die Rinder’ (1693, Törbel), ts Rinneralpji ‘die kleine Alpe für die Rinder’ (St. Niklaus, laut Gwp. heute Schafalpe), t Rinneralpu ‘die Alpe für die Rinder’ (Oberems, laut Gwp. früher Voralpe, heute überwaldet), Schafalpa ‘die Alpe für die Schafe’ (FLNK, Bellwald), t Schaafalpa ‘die Alpe für die Schafe’ (Visperterminen), Schafalpen (1600 u. später, Turtmann), t Schaafalpu ‘die Alpe für die Schafe’ (Ergisch), ts Stieralpji ‘die kleine Alpe für die Stiere’ (Erschmatt), t Stieralpu ‘die Alpe für die Stiere’ (Guttet) (gemeint ist in beiden Fällen wohl die Alpe für die Stierkälber (RÜBEL 1950, 23); Stiere wurden kaum auf die Alpen getrieben), ts Tieralpji ‘die Alpe mit Gämsen’ (Betten). Komplexer ist t Ämser Schafalpu ‘die Alpe für die Schafe der Leute von Ems (heute Ober- und Unterms)’ (Oberems), Ämsär Schafalpu ‘die Alpe für die Schafe der Leute von Ems (heute Ober- und Unterems)’ (FLNK, Turtmann).

Gemeinde-, Weiler-, Familien- und Personennamen ohne Veränderungen sind: Eischollalpu ‘die Alpe von Eischoll’ (FLNK, Eischoll), Ergischalpen ‘die Alpen von Ergisch’ (SK, Ergisch), Gerenalp ‘die Alpe Geere (spitzer Streifen Landes)’ (1846, Obergesteln), Illalpu ‘die Ill-Alpe (Alpe beim Illi ‘Aue’)’ (FLNK, Leuk), Jolialpa ‘die Jolialpe (im Jolital)’ (FLNK, Niedergesteln; SK Ijollialp), Jooscht Alpji ‘die kleine Alpe des Jost / der Familie Jost’ (Ergisch), ts Perrigalpji ‘die kleine Alpe der Familie Perrig’ (Glis), alpium de Sarqueno ‘die Alpen von Salgesch’ (1490, Salgesch), ts Schreeteralpji ‘die kleine Alpe der Familie Schröter’ (Eischoll), Spüttelalp ‘die Alpe beim Spittel (auf der Grimsel)’ (1604, Oberwald), die Taferalpe ‘die Alpe bei der Taferna’ (1857, Ried-Brig), Törbelalpen ‘die Alpe von Törbel’ (SK, Törbel; 1412 in alpe de Torbio), Täschalpa ‘die Alpe von Täsch’ (FLNK, Täsch; 1388, in alpe de Tesche).

Zwei lateinische Belege betreffen das Baltschiedertal: alpis ponÿrrensis ‘der Alpe von Baltschieder’ (1660, Baltschieder), in alpe de Balschedertal ‘in der Alpe des Baltschiedertales’ (1381, Baltschieder).

Die meisten Belege mit dem HL als Grundwort in zweigliedrigen Komposita beziehen sich auf eine naheliegende Flur. Beispiele dafür sind: t Eiualpu ‘die Alpe an der Aue’ (Saas-Almagell), t Faldumalp (LT u. SK, Ferden) ‘die Faldumalp’, Findelalp ‘die Findelalp (LT; lebend: ts Findle)’ (LT, Zermatt), t Flüealp ‘die Fluh-Alpe’ (Leukerbad, so nicht bei R. GRICHTING 1993; Zermatt), t Furggalpu ‘die Furggalpe (Pass und Alpe)’ (Saas-Almagell), Gletscheralp ‘die Gletscheralp (früher wohl im Vorfeld des Langgletschers)’ (Blatten), di Graadalpa ‘die Gratalpe (Alpe unterhalb des Gebietes Grat)’ (St. Niklaus) und viele andere mehr.

Komplexere Konstruktionen sind Hotel Belalp ‘das Hotel Belalp’ (FLNK, Naters) (wohl in Anlehnung an frz. belle alpe; sonst Alpa Bäll), Milebacher Chalberaupa ‘die Kälberalpe von Mühlebach’ (FLNK, Mühlebach), ts Ober Borteralpji ‘der obere Teil der kleinen Alp der Familie Borter’ (Unterbäch), ts Ober Chiefferalpji ‘der obere Teil der kleinen Küfer-Alp’ (Leuk), ts Ober Geertschigalpji ‘der obere Teil der kleinen Alpe der Familie Gertschen’ (Unterbäch), ts Ober Gämschalpji ‘der obere Teil der kleinen Gemsalpe’ (Guttet), ts Ober Sänggalpji ‘der obere Teil der kleinen Alpe oberhalb des Sengg (durch Sengen gerodetes Gebiet)’ (Eischoll) und weitere Alpen mit dem Attribut Ober, Balmfluh Alp ‘die Alpe beim Felsen, der überhängt (heute: Balma)’ (SK, Zwischbergen), Bodmero Schaffalpen ‘die Schafalpe der Leute von Bodmen’ (1593, Fiesch), ts Rinderfäldalpji ‘die kleine Alpe mit dem Rinderfeld’ (Hohtenn), wobei Rinderfäld kein belegter eigener Flurname ist, Rosswaldalpa ‘die Alpe oberhalb des Rosswald (Wald, der einem Pferd gleicht)’ (Termen), Schwarzbergalp ‘die Alp Schwarzberg’ (LT, Saas-Almagell; FLNK Schwarzbärgalp), ts Spilbielalpji ‘die kleine Alpe im Berech des Spilbiel (Spiel-Hügel)’ (Hohtenn), di Turtmaschafalpu ‘die Schafalpe der Alpgenossenschaft Turtmann’ (Oberems), t Undri Eischleralpu ‘die untere Alpe von Eischoll’ (Eischoll), t Undri Fäsilalpu ‘die untere Fäsilalpe (LT Untere Feselalp)’ (Gampel), t Undri Illalpu ‘die untere Ill-Alpe (Alpe beim Illi ‘Aue’)’ (Leuk), Unner Borteralpji ‘der untere Teil der kleinen Alpe der Familie Borter’ (Unterbäch) und weitere Alpen mit Unner, Winckell Riedero Alpÿ ‘der Winkel auf der kleinen Alpe der Familie Rieder / der Leute vom Ried’ (1687, Ergisch; 1687, Turtmann), das Weis-Flühen-Älpchen ‘die kleine Alpe bei der weissen Fluh’ (1821, Ergisch).

Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern vor: Acher, Brigga, Chäller, Chrache, Chromu, Fääsch, Gassa, Hitta, Hubel, Lee, Löuwina, Matta, Müra, Rigg, Riss, Rüüs, Schleif, Schiir, Schlüche, See, Suon, Stafel, Straas, Stutz, Üewand, Wäg, Wald, Wang, Wasser und Züü.

Komplexere Konstruktionen finden sich in ts Albiner Alputirli ‘die kleine Tür auf dem Weg zur Albiner Alpe’ (Albinen), der Alphubelgletscher ‘der Gletscher unter dem Alphubel (Gipfelname)’ (Täsch), ts Alphubeljoch ‘das Joch beim Alphubel (Gipfelname)’ (Saas-Fee, Täsch), am Alpmattknúbel ‘am Hügel bei der Alpmatt (Alpenwiese)’ (1796, Naters), Alpuwasserleitu ‘die Wasserleitung für die Alpe’ (Varen), t Alpwäggräbem ‘die Gräben beim Alpweg (Weg in die Alpe)’ (Ferden), dem alten Alpweeg ‘dem alten Weg, der zur Alpe führt’ (1766, Münster; Dativ konstruktionsbedingt), den Alten Obren Alpweg ‘der alte obere Weg auf die Alpe (unklar, ob Name oder Appellativ)’ (1755, Eisten; Akkusativ konstruktionsbedingt), der Eischolalpgraad ‘der Grat auf der Alpe von Eischoll’ (Eischoll), Ergischalphorn ‘das Ergischalphorn (Gipfelname, benannt nach der Ergisch Alpe)’ (LT, Eischoll), ts Guttneralputiri ‘die kleine Türe auf dem Weg zur Alpe der Leute von Guttet’ (Albinen), in Hans Alpŭnwald ‘im Wald des Hans bei der Alpe (unklar)’ (1688, Grächen), t Hinner Alpgasse ‘die hintere Gasse, die zur Alpe führt’ (Oberwald) und andere mehr.

Eine Ableitung auf -JA/-JU (wohl mit Palatalisierung eines /l/, wie bei RÜBEL (1950, 120, Fn. 6) für Triichja belegt, ist im Typ Alpja / Alpju, Plural Alpje belegt. Es handelt sich um eine Stellenbezeichnung, also etwa ‘das Alpgebiet’, wobei sich diese Kennzeichnung auch einfach als Gebiet mit Etz-Wiesen verstanden werden kann. Belegt sind: Alpia ‘die Alpe, die Alpia heisst’ (1424, Eggerberg), Alpja ‘die Alpja (Name eines Alpgebietes)’ (FLNK u. LT, Baltschieder), t Alpja ‘die Alpja (Name eines Gebietes, unsicher)’ (Ausserberg), t Alpja ‘die Alpja (laut Gwp. keine Alpe, sondern eine Schafweide)’ (Mund), t Alpia ‘die Alpia (Name einer Alpe)’ (St. Niklaus), in den Alpien ‘in den Alpien (Namen eines Alpgebietes)’ (1705, Saas-Grund), in der Alpie ‘in der Alpie (Name eines Alpgebietes)’ (?, Saas-Almagell; 1509 der Alpÿen, 1793 in der Alpÿen), in die Alpien ‘in die Alpien (Name eines Alpgebietes)’ (1785, Saas-Fee), uf Alpje ‘auf Alpjen (Name eines grösseren Alpgebietes)’ (Reckingen), Alpje ‘Alpjen (Gebiet mit Alpen)’ (LT, Simplon), Alpje ‘Alpje (Name eines Alpgebietes)’ (Münster), t Alpje ‘die Alpien (Name eines grösseren Alpgebietes’ (Zwischbergen) (JORDAN 2006, 265 f. dokumentiert den Namen ausführlich).

Ein vorangestellter Genitiv ist in der Alpierro Schlucht ‘die Schlucht der Leute von Alpien’ (1410, Saas-Fee) enthalten.

Als Bestimmungswort findet sich die Ableitung in ts Alpjahoru ‘das Alpjahorn (LK Alpjuhorn, Gipfelname, benannt nach der Alpja)’ (Mund). Eine /-ER/-Erweiterung ist belegt in ts Alpjer Bidi ‘der kleine Boden im Gebiet Alpje’ (Simplon), der Alpjerbach ‘der Bach, der aus dem Gebiet Alpjen herunterfliesst’ (Zwischbergen), der Alpjergletscher ‘der Gletscher oberhalb der Alpje (Alpgebiet)’ (Zwischbergen), der Alpjerwald ‘der Wald im Gebiet Alpjen (das Alpgebiet)’ (Zwischbergen), t Alpjerweng ‘die Grasabhänge im Gebiet Alpjen’ (Simplon). JORDAN (2006, 266 ff.) kennt für Zwischbergen: Alpjärwäg, Alpjärschtraass, Obers Alpjärband, Alpjärweng, Alpjärwassär, Alpjärwaald, Alpjärgletschär, Alpjärung (cf. HL Alpjerung), Undrä Alpjerung. Weiter nennt JORDAN (2006, 153 ff.) für Simplon: Alpjärboort, Unners Alpjärbidi, Alpjärbidi, Alpjärwäg und Alpjärschtraass. Vermutlich auch hieher gehört die historisch belegte Form Alpilwualdt ‘der Wald bei der kleinen Alpe’ (1410, Saas-Fee; das /u/ in wualdt ist so belegt), das hier als Diminutiv gedeutet wurde, aber wohl zum Typ Alpila > Alpja gehört.

Nur selten ist eine Ableitung auf /-ER/ (wohl Stellenbezeichnung, vgl. SONDEREGGER 1958, 525 f.): der Alperbiel ‘der Hügel, der zur Alpe gehört (?) (unklar wegen Höhe, ca. 1300 m) (Feschel, Guttet). Interessant ist, dass in Feschel 1564 Walpelbüehl und in Guttet ebenfalls 1564 Walpper Biel und Walpelbüehl belegt sind. Daraus lässt sich schliessen, dass hier der FaN Walpen gemeint ist; weggelassenes /w/ führt dann zur heutigen Form Alperbiel, für die es keine gute Deutung gibt. In Reckingen ist ts Alperbielti ‘der kleine Hügel bei der Alpe’ belegt, bei dem sich eine Voralpe befindet.

Häufiger ist eine weitere, wohl romanische Ableitung auf -ETA belegt. BOSSARD / CHAVAN (2006, 239) notieren sie unter Arpettaz, Arpette (mit der frpr. Entwicklung von /l/ zu /r/) und dem Diminutiv-Suffix /-ITTA/ (cf. auch GPSR 1, 631). Belegt sind: in Alpeten ‘auf der kleinen Alpe’ (1742 u. später, Turtmann), in Alpettun ‘auf den kleinen Alpen’ (1616, Ergisch) (älteste Belege aus dem 13. Jh. in lalpeta, 1328 (mehrfach) en lalpeta, 1539 jn Alppeten), t Alpetjini ‘die kleinen Alpen’ (Ergisch, mit deutschem Diminutivsuffix zum romanischen Diminutiv), Alpethorn ‘das Alpethorn (Gipfelname, nur auf SK, zwischen Tieregghorn und Dübihorn, wohl zu Alpet ‘kleine Alpe’)’ (Baltschieder), Alpetustapfu ‘die Stapfe (Zaunüberstieg / steiler Weg) bei der kleinen Alpe’ (FLNK, Ergisch), der Alpetwald ‘der Wald bei der kleinen Alpe (unklar)’ (Termen; LT Albetwald) und der Alpetbrunno ‘die Quelle / der Brunnen im Alpetschleif’ (Termen). Die Belege aus Turtmann und Ergisch sind sicher romanisch, hierzu gehört auch lalpeta mit agglutiniertem Artikel. Die Belege aus Termen sind unsicher und können auch zum HL ALBET gestellt werden.

VSNB, Bd. 1, Sp. 96

Vorkommen

allpät

ällpi

alp

alpa

alpe

alpelti

alpen

alper

alpet

alpetä

alpetjini

alpetu

alpetun

alpgi

alpgy

alpi

älpi

alpi

alpia

alpien

alpierro

alpil

alpis

alpja

alpje

alpjer

alpji

älpju

alpju

alpli

alpnerru

alpon

alpu

alpun

aup

aupa

aupe

aupji

auputi