Chrache
Chrache ‘Krachen’ ist zu schwdt. Chrachen, wdt. Chrache, Chrachä (Goms), Chrachn (Lötschtal), Chrachu m. ‘Felstobel, Schlucht, meist tief, eng, steil, schaurig; Abgrund’ (ID. 3, 783 f.; GRICHTING 1998, 53) zu stellen. ZINSLI (1946, 328, s. v. Chrache(n)) unterscheidet drei Bedeutungen: 1) ‘Felskluft, Schlucht’ 2) ‘Hang’ und 3) ‘abgelegener Ort’. Vor allem die Bedeutungen 1) und 2) sind im Oberwalliser Namenmaterial vertreten; es lässt sich auf Grund der verfügbaren Kenntnisse nicht immer entscheiden, welche Bedeutung vorliegt. Entsprechend sind die Umschreibungen in der Datenbank nicht immer gleich. Gemeinsam ist allen das Steile und Enge.
Das Simplex Chrache m. ist selten im Singular, häufiger im Plural (Chrache) belegt; die Endungen variieren wie üblich im Singular: Chrache, Chracho, Chrachu, Chracha. Als Simplex kommt nur ein einziger Diminutiv (im Plural) vor: Chrachjini (Simplon). Adjektivische Konstruktionen mit Diminutiv sind ts Unner und ts Ober Chrachji (beide Binn), sowie ts Fiischter Chrächji ‘der finstere kleine Krachen’ (St. Niklaus). Nur einmal findet sich eine Genitivkonstruktion: ts Ännupierlisch Chrachu (Leukerbad), wobei unklar ist, auf welchen Namen der Genitiv zurückgeht.
In Komposita tritt Chrache als Grundwort zusammen mit näheren Bestimmungen auf, die nahegelegene Orte bezeichnen wie Alpuchrachu (St. Niklaus), Tiernamen wie t Huwwuchrache ‘die steilen Felshänge, wo Eulen / Uhu sind’ (Ausserberg) und Geischrache ‘die steilen Felshänge mit Ziegen’ (Saas-Almagell) oder die Beschaffenheit wie Wasserchrache ‘Steiler Wassergraben’ (Blitzingen) – wohl ein Tobel, das Wasser führt. Andere Namen wie Paajichrachu ‘Felshang des / der Paaji (Welsche?, Italiener?)’ geben Rätsel auf, genau so wie der Froibuchrachu ‘Frauenkrachen’ auf dem Gemmiweg (Leukerbad) (R. GRICHTING 1993, Blatt 8, Nr. 19 hat ebenfalls Froibuchrachu). Komplexere Bildungen sind etwa Dorftossuchrache ‘Felstobel beim hervorstehenden Felsen über dem Dorf St. Niklaus’ (St. Niklaus).
Als Bestimmungswort tritt Chrache zusammen mit Bodo auf, meistens wohl die Nachbarschaft eines Boden zu einem Chrache, dann mit Grabu / Grabo (was als Verdoppelung erscheinen mag, ein Chrache ist ja auch ein Graben, aber eben nicht immer), mit Gassa, Loch, Runs, Schleif, Wald und Wäg. Ganz unklar ist die 1843 belegte Krachen=Mauer (ev. ‘steiler Hang’) (Steg).
VSNB, Bd. 1, Sp. 363
Vorkommen
chracha
chrache
- Chrache Binn
- Chrache Raron
- Chrache Reckingen
- Chrache Reckingen
- Chrache Münster
- Chrache Ausserberg
- Chrache Ausserberg
- Chrache Grabo Ausserberg
- Chrachebode Münster
- Chrachebode Ulrichen
- Chrachewaud Binn
- Geischrache Saas-Almagell
- Huwwuchrache Ausserberg
- Ofnerchrache Münster
- Wasserchrache Blitzingen
chrachen
chrachil
- Chrachilbodo Visperterminen
- Chrachilbodocheer Visperterminen
chrachini
- Chrachini Zwischbergen
chrächji
- Fiischter Chrächji St. Niklaus
chrachji
- Ober Chrachji Binn
- Unner Chrachji Binn
chracho
- Chracho Ausserberg
- Schiisschracho Naters
chrachu
- Alpuchrachu St. Niklaus
- Ännupierlisch Chrachu Leukerbad
- Chrachu Steg
chrächu
- Chrächu Eisten
chrachu
- Chrachu Saas-Balen
- Chrachu Saas-Balen
- Chrachu Visp
- Chrachu Schleif Glis
- Chrachugrabo Baltschieder
- Chrachugrabu Leukerbad
- Chrachuloch Saas-Balen
- Chrachuschleif Leuk
- Dorftossuchrachu St. Niklaus
- Fäärlichrachu Gampel
- Froibuchrachu Leukerbad
- Medjichrachu St. Niklaus
- Paajichrachu Zwischbergen
- Peyerschrachu Glis
- Ried Chrachu St. Niklaus
- Riedchrachu St. Niklaus
- Schwarz Chrachu Glis
- Schwarz Chrachu Visp
krache
krachen
- Krachen Ulrichen
- Krachen Saas-Balen
- Krachen Runs Raron
- Krachengasse Steg
- Krachenmauer Steg
- Krachenwäg Brigerbad
- Ramschflüokrachen Eisten
krachgi
- Triiffkrachgi Grächen
krachi
- Trypffkrachi St. Niklaus
krachjini
- Krachjini Simplon
krachun
- Krachun Täsch
kracken
- Wiihelkracken Ferden
kraken
- Kraken Embd
- Witchen Kraken Niedergesteln