Chääs - Chees
Käse ist eines der wichtigsten Alpprodukte; er wurde auf den Alpen zubereitet, dann in geeigneten Kellern aufbewahrt und am Ende der Alpzeit unter die Geteilen verteilt. Das Wort kommt in Flurnamen nur als Bestimmungswort oder in Ableitungen vor. Zu stellen ist es zu schwdt., wdt. Chääs m. ‘Käse’ (ID. 3, 502; GRICHTING 1998, 46). Lautlich ist das Oberwallis in zwei Gebiete geteilt: der obere Teil bis zur Grenze zwischen Brig und Visp hat Chääs, der untere Chees (SDS 1, 74). Im Goms herrscht der Typ Chäserstatt f. ‘Ort, wo Käse gemacht oder gelagert wurde’ vor, lebend in Binn und Mühlebach, historisch ab 1527 als Cheserstatt (Ernen) und 1529 als Keserstatt (Ritzingen); Chäserstatt kennt auch BENB (1, 2, 429) für Hasliberg. Vermutlich liegt hier die Ableitung Chäser ‘Käser’ (ID. 5, 513) vor. Seltsam ist das schon 1379 belegte Hutten Kesseren (Ulrichen), wo wohl die Hütten der Alpe Kesseren gemeint sind, wobei Kesseren selbst unklar ist (cf. HL KÄSCHERA als Alternative). Der Bezirk Brig weist 1320 u. später zer Alten Keserron, 1381 zen Alten Kesarie (Glis) auf, das wiederum die beiden Deutungen ‘Hütte’ oder ‘Ort, wo gekäst wird’ zulässt. Ganz anders zu deuten ist der Beleg t Chääsladi ‘der Ort, wo der Käse (auf Schlitten) verladen wurde’ (Zwischbergen). Im Bezirk Visp sind t Cheesegge ‘die Ecken in der Form eines Käses (?)’, ts Cheeswägji ‘der kleine Weg, auf dem man Käse trug’ (Embd, Staldenried), im Bezirk Westlich-Raron t Cheeswäga ‘die Wege, auf denen man Käse transportierte’ (Ferden) belegt; im Bezirk Leuk ist Cheesschleif ‘der Schleif, durch den man Käse transportierte’ (Gampel) bezeugt. Nur historisch ist in Törbel Kuͦntschen Keserron ‘die Alphütte / die Käserei der Familie Kuntschen / des Kunz’ (1519) belegt. Dazu kommt der Chaaslobstei ‘der Stein von der Farbe des Käselabs’ (Täsch). Im Bezirk Leuk ist der Chaaslobbodu ‘der Boden, der die trübe Farbe von Käselab hat’ (Ergisch) vertreten; auch in Ritzingen (Goms) ist belegt der Chaaslobputz ‘der Tümpel mit trübem Wasser’.
Unsicher ist die Zuordnung der obliquen Form Kesseron, das u. a. von BENB (1, 2, 429 f.) unter Hinweis auf ID. 5, 513 Chäseren ‘Ort, wo gekäst wird’ zugeordnet wird (cf. zu einer abweichenden Meinung HL CHÄSCHERA). Einige dieser Belege können auch zu einem romanischen Wort gestellt werden, wie das Folgende.
Zu einem rom. Beleg (MEYER 1914, 161 stellt es zu casaria; TAGMANN 1946, 44 zu casearia ‘fromagerie’) gehören die unter Cheserey aufgeführten Belege in Ergisch: 13. Jh. lo chisera, 1328 lo cheserel (mehrfach), 1328 lo chesery, 1328 ol chesery, hier wohl zu verstehen als ‘die Hütte, in der Käse hergestellt / aufbewahrt wurde’ (vgl. auch FEW 2, 456 s. v. caseus käse).
VSNB, Bd. 1, Sp. 318
Vorkommen
chääs
- Chääsladi Zwischbergen
chaas
- Chaaslobbodu Ergisch
- Chaaslobputz Ritzingen
- Chaaslobstei Täsch
chääser
- Chääserstatt Mühlebach
chees
- Cheesegge Täsch
- Cheesschleif Gampel
- Cheeswäga Ferden
- Cheeswägji Staldenried
- Cheeswägji Embd
cheser
- Cheserstatt Ernen
cheserey
- Cheserey Ergisch
kääser
- Kääserstatt Binn
keser
- Keserstatt Ritzingen
keserron
- Alt Keserron Glis
- Kuontschen Keserron Törbel
kesseren
- Kesseren Hitte Ulrichen