Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Bord

Ein Boord n. (mit gelängtem Vokal und meist auslautendem -t) ist in unserem Gebiet meistens ein Abhang oder ein Böschung, manchmal auch ein Rand oder eine Begrenzung; es ist insgesamt nicht selten, was mit der gebirgigen Topografie des Gebietes zusammenhängt. Belegt sind rund 420 Flurnamen. Zu stellen ist es zu schwdt. Bort, wdt. Boord n., Pl. unverändert oder Börter, Dim. Börtli, Bördji ‘Rand, äusserstes Ende eines Dinges, z. B. eines Tellers, Tisches’, vom Erdboden: ‘Uferrand, -böschung eines Sees, Flusses, Bachs’, ‘Rand, ansteigende oder abfallende Böschung, (mit Gras oder Gesträuch bewachsener) Grenzrain an Grundstücken (Wiesen, Äckern, Gärten), Strassen und Wegen; kleiner Abhang’, mhd. bort, -tes mn., dazu FaN Borter (ID. 4, 1627 ff.; GRICHTING 1998, 40). Das Wort erscheint zunächst als Simplex im Singular oder Plural (Beerter), wobei der Plural mehrere kleine Abhänge oder Böschungen meint und Entrundung aufweist. Der Diminutiv (Boortji; selten Beertji) hat meistens keinen Umlaut; oft ist er im Plural (Boortjini; Beertjini). Neben attributivischen Fügungen (ts Leng Boort, ts Root Boort usw.) gibt es viele Zusammensetzungen mit Boord als Grundwort, wobei meist die Lage ausschlaggebend ist; die meisten dieser Namen sind unter dem Bestimmungswort erschlossen.

In komplexeren Fügungen kann Boord ebenfalls auftreten, so in Öügschtbordwasserleitu (Wasserleite aus dem Öügschtbord). Zusammensetzungen mit Öugschtbord oder ähnlich sind häufig; sie bezeichnen meist den Zeitpunkt der Nutzung (cf. HL ÖUGSCHT).

Ein seltsamer vorausgesetzter Genitiv eines PN ist in ts Ober und ts Unner Wiisch Bord ‘das obere und das untere Bord des Alois’ (Grengiols) enthalten, wo laut Beschreibung Wiisch für <ts wiisisch> ‘des Alois’ steht.

Als Bestimmungswort tritt Boord ebenfalls auf: meist wieder in Bezug auf die relative Lage: Boordacher (‘Bordacker’) oder Boordhooru (‘Bordhorn’) sind zwei Beispiele. Ein Sonderproblem bietet das mehrfach auftretende Landboord (Gampel, Bratsch), das den Rottendamm bezeichnet – unklar ist, ob Land hier das Material des Dammes meint (also Erde) oder ob es in Analogie zur Landstraass ‘Staats-, Kantonsstrasse’ einen kantonalen Damm bezeichnet. Als FaN treten Ambord und Borter auf (AWWB 8 und 40). Vermutlich auch hieher gehört die Ableitung auf /-EL/ (Stellenbezeichnung) in Boortel (cf. HL BOORTEL).

VSNB, Bd. 1, Sp. 257

Vorkommen

bäärter

beerter

beertere

beertgini

beertlin

beertrin

berter

bertren

boerter

bor

bord

bordjeri

bordjini

bordsch

bort

borte

börter

borteri (Bord)

börtern

bortery

bortji

bortjini

börtren

bortt

poord

pord