Bär
Bär ist ein Tiername, der in rund 90 Flurnamen vorkommt. Das HL ist zu schwdt. Bër ‘Bär’ und wdt. Bär ‘Bär’ (ID. 4, 1447; 1998, 32) zu stellen. Laut CARLEN (2009, 25) wurde der letzte Bär anfangs des 19. Jahrhunderts erlegt, vgl. auch CAPT ET AL. (2005), die jedoch eher das Ende des 19. Jahrhunderts annehmen. Generell ist weiter zu bedenken, dass auch schwdt. Bëren ‘Schubkarren’ und wdt. Bära, Bärä (Goms), Bara, Bäru ‘Schubkarre’ (ID. 4, 1478; GRICHTING 1998, 432) eine Rolle spielen können, vor allem bei Bestimmungswörtern.
Neben dem Simplex zum Bär ‘zum Bär (Fels, der einem Bär gleicht)’ (Randa, auch FLNK) erscheint das HL praktisch nur als Bestimmungswort. Ausnahmen von dieser Regel sind Genitive wie im Berren Acker ‘(unklar, ob Berren zum Tier Bär oder zu Bäre ‘Bahre, Futtertrog zu stellen ist) der Bärenacker’ (1786, Ulrichen) und t Bäriseggu, auch t Rächti Bäriseggu ‘die rechte (sonnseitige) Ecke des Bäri (PN) / wo es Bären hatte’ und t Läzi Bäriseggu ‘die schattseitige Ecke des Bäri (PN) / wo es Bären hatte’ (Ergisch). In allen drei Fällen ist die Zuordnung zu Bär als Tier unsicher.
Bei den Komposita ist zunächst der Typ di Bärufalla ‘die Falle für Bären’ (Ried-Brig, auch FLNK, LT Bärufalle, SK Bärfallen) zu erwähnen, der auch als di Bärufallu ‘die Falle für Bären’ (Niedergesteln, Saas-Balen, Saas-Fee) belegt ist. Plural ist Bärufalle ‘die Fallen für Bären’ (FLNK und LT, Ferden; SK Bärenfällen). Ein vereinfachte Form ist ts Bärfel ‘die Bärenfalle (aber ntr.)’ (Oberwald) und das historische jm Berfell ‘in der Bärenfalle (aber ntr.!)’ (Obergesteln). Komplexer sind bei der Bärenfallun Stapfen ‘beim Zaunstieg bei der Bärenfalle (Alpe von Ried-Brig)’ (1809, Ried-Brig), Bärufallugrabu ‘der Graben bei der Bärufallu (Falle für Bären)’ (FLNK, Niedergesteln), di Bärunfalluntreichi ‘die Tränke bei den Bärufalle (Fallen für Bären)’ (Ferden) und andere mehr.
Ein zweiter verbreitetet Typ ist (der) Bärefad (Binn, Ernen (nur FLNK), Steinhaus) und der Bärufat ‘das Felsband, wo es Bären hatte’ (Naters, auch FLNK), das auch als der Bärufatt ‘das Felsband, wo es Bären hatte’ (Raron, FLNK Bärufat, LT Bärufad, SK Bärenfad; Mund, auch FLNK) erscheint. In Fiesch (auch FLNK, LT und SK) ist es als ts Bärfett ‘die schmalen Felsbänder, wo es Bären hatte’ (wohl ein Kollektiv) belegt. Komplexer sind etwa Leigru Berenfad ‘das Felsband für die Bären bei Leiggern’ (1688, Ausserberg), der Bärfettgrabe ‘der Graben beim Bärfett (Felsbänder, wo es Bären hatte)’ (Fiesch), der Bärofattbodo ‘der Boden beim Bärufad (Felsband, wo es Bären hatte)’ (Ausserberg) und andere mehr.
Ein dritter Typ ist zum mhd. bërsol ‘die Pfütze, in der sich Bären suhlen’ (cf. HL SOL) zu stellen. Belegt sind ts Bärsol (Ferden), ts Bärisall ‘Pfütze, in der sich Bären suhlten’ (Ried-Brig; FLNK Bärisal).
Weitere zweigliedrige Komposita enthalten die HLL Acher, Alpa, Balma, Chi, Chumma, Egg(a), Fääsch, Flüö, Grüeba, Loch (mehrfach), Matta, Pfad, Pletscha, Ried, Ritz, Schleif, Schluocht, Schwand, Seil, Sprung, Stampf, Stei, Stafel, Stich, Tritt, Tschugge und Wald. Komplexer sind u. a. t Hinner und t Voder Bäreschlüecht ‘der hintere und der vordere Teil der Geländeeinbuchtung, wo es Bären hatte’ (Reckingen), ts Inner und ts Uister Bärriäd ‘das innere und das äussere Ried, wo es Bären hatte’ (Wiler), ts Ober und ts Unner Bärisall ‘der obere und der untere Teil des Bärisall (Pfütze, in der sich Bären suhlten)’ (Ried-Brig) und andere mehr.
VSNB, Bd. 1, Sp. 162
Vorkommen
bär
- Bär Randa
- Bäralpji Ried-Brig
- Bärfel Oberwald
- Bärfett Fiesch
- Bärfettbach Fiesch
- Bärfettgrabe Fiesch
- Bärriäd Wiler
- Bärsol Ferden
- Bärsolegga Ferden
- Inder Bärriäd Wiler
- Uister Bärriäd Wiler
bäre
- Bärefad Steinhaus
- Bärefad Ernen
- Bärefad Binn
- Bäreritz Oberwald
- Bäreschlüecht Reckingen
- Bärestäfelti Oberwald
- Bärestich Grengiols
- Hinner Bäreschlüecht Reckingen
- Voder Bäreschlüecht Reckingen
bären
- Bärenfall Wald Oberwald
bäri
- Bärisall Ried-Brig
- Bärisallcheer Ried-Brig
- Bärisallschlüocht Ried-Brig
- Ober Bärisall Ried-Brig
- Unner Bärisall Ried-Brig
bäris
- Bäriseggu Ergisch
- Läzi Bäriseggu Ergisch
- Rächti Bäriseggu Ergisch
bärn
- Bärnbletscha Blatten
bäro
- Bärofattbodo Ausserberg
bäru
- Bärubalma St. Niklaus
- Bäruchi Raron
- Bäruchumma Simplon
- Bärufalla Ried-Brig
- Bärufalla Stapfe Ried-Brig
- Bärufalle Ferden
- Bärufallu Niedergesteln
- Bärufallu Saas-Balen
- Bärufallu Saas-Fee
- Bärufallugrabu Niedergesteln
- Bärufalluntreichi Ferden
- Bärufalluntritt Niedergesteln
- Bärufalluwäg Saas-Fee
- Bärufalluwang Ferden
- Bärufat Naters
- Bärufatt Raron
- Bärufatt Mund
- Bärufattlicka Raron
- Bärufatwäg Naters
- Bärufeesch Raron
- Bärufett Simplon
- Bärufluä Ferden
- Bärugrüeba Visp
- Bärulee Leukerbad
- Bäruloch Blatten
- Bäruloch Leuk
- Bäruloch Bratsch
- Bäruloch Varen
- Bäruloch Salgesch
- Bärulochschleif Gampel
- Bärumatta Simplon
- Bärumatte Törbel
- Bärupfad Unterems
- Bärupletschu Oberems
- Bäruschleif Leuk
- Bäruschleif Varen
- Bäruschwenti Eyholz
- Bäruschwenti Visp
- Bäruseil Eisten
- Bäruspring Oberems
- Bärustampf Glis
- Bärustampf Visperterminen
- Bärustei Ausserberg
- Bärustei Grächen
- Bärustei Saas-Balen
- Bärutschugge Raron
- Bärutschuggo Raron
- Bärutschugguschleif Raron
- Bäruwald Eisten
- Obru Bärumatte Törbel
- Undru Bärumatte Törbel
bärun
- Bäruntritt Ferden
ber
- Beregge Obergesteln
- Berfell Obergesteln
- Berschlüecht Geschinen
- Berwäg Niederwald
- Hinner Berfelwald Obergesteln
beren
- Beren Luog Tschugge Visperterminen
- Berenmatta Zwischbergen
- Berenstei Biel
- Berenstei Ausserberg
- Leigru Berenfad Ausserberg
berren
- Berren Acher Ulrichen