Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

Datenbank (Webversion)
Hauptlemma

Bleiwen

Die vorherrschende Form Bleiwa ist wohl das entrundete Gegenstück zu Blöuwa, das zu schwdt. Blūwen, Blǖwen f. ‘Stampfmühle für Hanf oder Flachs’ (ID. 5, 249 f.) zu stellen ist, volksetymologisch umgedeutet in Anlehnung an blau (ID. 5, 240 ff.). Belegt ist das Simplex im Singular als z Blauwen ‘zur Hanf- oder Flachsmühle’ (1832, Mühlebach), zer Bleiwu ‘auf dem Gebiet der Hanf- oder Flachsmühle’ (Ferden), zer Bleiwun ‘bei der Hanf- oder Flachsmühle’ (Blatten), Blewa ‘die Hanf- oder Flachsmühle’ (1690, Fieschertal). Als Grundwort erscheint das HL in Bieliger Bleiwen ‘die Hanf- oder Flachsmühle der Leute von Biel’ (1731 u. später, Biel). Als Bestimmungswort findet sich das HL in das Bleiwmättelti ‘die kleine Wiese bei der Hanf- oder Flachsmühle’ (1639, Turtmann), der Bleiwwistuck ‘das abgeteilte Stück Land bei der Hanfoder Flachsmühle’ (Selkingen), Blewengraben ‘der Graben bei der Hanf- oder Flachsmühle’ (1544, Eyholz), in der Bleÿwe Halten ‘die Halde bei der Hanf- oder Flachsmühle’ (1834, Unterems) und aŭs dem Bleüwen Wŭhr ‘die Wasserleitung zur Hanf- oder Flachsmühle’ (1650, Mühlebach). Komplexer ist den alten Bleŭwe Platz ‘der Platz der alten Hanf- oder Flachsmühle’ (1860, Glis).

Die Form Blewwi ‘die Hanf- oder Flachsmühle’ (Unterems) zeigt eine Ableitung auf /-I/ (SONDEREGGER 1958, 497 ff.), die sonst nicht belegt ist.

VSNB, Bd. 1, Sp. 240

Vorkommen

blauwen

bleiw

bleiwen

bleiwu

bleiwun

bleiwwi

bleuwe

blewa

blewen

blewwi

bleÿwe