Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Beesch

Beesch Adj. ‘böse’ ist ein meist attributiv gebrauchtes Adjektiv, das zu schwdt. bōs / bös, wdt. beesch (ID. 4, 1705 f.; GRICHTING 1998, 33) zu stellen ist. Lautlich sind Entrundung von /ö:/ zu /e:/ und Schibilantisierung (/s/ zu /sch/) für die jüngeren historischen und die lebenden Belege verantwortlich. Das Adjektiv bewertet den Namen als ‘nach Beschaffenheit oder Leistungsfähigkeit mangelhaft, geringwertig, schlecht, von Tieren, Körperteilen, vom Erdreich mit Bezug auf dessen Ertragfähigkeit, unfruchtbar; durch schlechte, ungünstige Beschaffenheit Schaden drohend oder wirkend, arg, schlimm, gefährlich, unangenehm’ (ID. 4, 1705 ff.; GRICHTING 1998, 33). Das HL ist in rund 90 Namen belegt.

Das attributive Adjektiv verbindet sich mit einer Reihe von Grundwörtern; der häufigst belegte Typ ist dabei der Beesch Tritt ‘der böse Tritt’ (19 Belege), gefolgt von di Beesch Matta (10 Belege) und weiteren insgesamt rund 45 HLL, die meisten davon nur einmal belegt. Das HL kommt in allen Bezirken so vor. Es kann flektierte Formen annehmen wie in di Beeschi Haaltu ‘die böse Halde’ (Hohtenn) oder di Beeschun Gräbem ‘die bösen Gräben’ (Baltten).

Substantivierte Belege sind: di Beeschi ‘die Böse (Stelle, wo der Weg jährlich erneuert werden musste)’ (Zermatt), die Bösi ‘die Böse (wohl: böse (schwer zu erreichende) Stelle)’ (1653, Ulrichen) (hierzu ID. 4, 1727 ‘gefährliche Stelle im Hochgebirge’ und ASCHWANDEN 1994, 7) und das Kompositum t Winndbeeschti ‘die böseste (Stelle) mit Wind’ (Randa), wobei Beeschti ein Superlativ (< Beesch+escht-i) ist (vgl. auch HL BOSSINEN).

Unklar bleibt der Beeschrich (Raron) und historisch Böschrich (1753, Ausserberg). Es handelt sich um die gleiche Flur in einem Weinberg unterhalb St. German. Da eine benachbarte Flur der Bitrich ‘Gelände in rundlicher, fassartiger Form’ (Raron) heisst, kann ein Einfluss der Endung -rich nicht ausgeschlossen werden, die wohl als Suffix zu Beesch mit der Gesamtbedeutung ‘schwer zu bearbeitende Stelle’ gedeutet wurde.

VSNB, Bd. 1, Sp. 177

Vorkommen

beesch

beeschä

beesche

beeschi

beeschrich

beeschti

beeschu

beeschun

besch

beschen

bescher

besen

boesen

boesi

boessen

bös

bos

bös

böse

bösen

bosen

bösen

böss

bössch

boz