Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Erb

Erb n. zu schwdt. Erb n., Pl. Erb, Dim. Erbi, Erbji, mhd. erbe, zu stellen. Es bedeutet ‘Lehen, das zu erblichem Besitz und Nutzung nach Hofrecht verliehen ist; hofrechtliches Erblehen; ererbtes und vererbbares Grundeigentum’ und ‘Erbschaft allgemein’ (ID. 1, 427 f.; GRICHTING 1998, 71 kennt nur das Verb erppe (m. Varianten) ‘erben’). Es kommt in rund 90 Flurnamen vor.

Das Simplex im Singular erscheint als ts Erb (Ausserberg und sechs weitere Gemeinden), im Erb (Hohtenn, Visp) und uffum Erb (Zeneggen). Historisch sind aufum Erb (1615 u. später, Raron), im Erb (1679, Fiesch) und vffem Erb (1528 Ernen, 1816 im Erb) belegt. Einen Spezialfall stellt Erbo (1394, Unterbäch) dar, das wörtlich ‘der Erbe’ heisst, hier aber wohl für ‘das Erb’ verwendet wird.

Der Diminutiv Singular ist als am Erbgi ‘am kleinen Erb (geerbtes Gut)’ (1594 u. später, Eggerberg), Erbgÿ ‘das kleine Erb (geerbtes Gut)’ (1825, Saas-Fee), Erbi ‘das kleine Erb (geerbtes Gut)’ (FLNK, Saas-Balen), ts Erbi ‘das kleine Erb (geerbtes Gut)’, im Erby ‘im kleinen Erb (geerbtes Gut)’ (1699, Turtmann), ts Erbji ‘das kleine Erb (geerbtes Gut)’ (Raron und zehn weitere Gemeinden) und im Erbÿ ‘im kleinen Erb (geerbtes Gut)’ (1698 u. später, Bürchen) belegt; der Diminutiv Plural als t Erbine ‘die kleinen Erbgüter’ (Ausserberg), ts Erbini ‘bei den kleinen Erbgütern’ (Saas-Almagell), t Erbjini ‘die kleinen Erbe (geerbte Güter)’ (Hohtenn, FLNK Erbjini; zweimal).

Mit einem Adjektiv oder Partizip sind belegt: ts Gschoru Erb ‘das geschorene Erbgut’ (Zwischbergen, LT und FLNK Gschorus Erb) (JORDAN 2006, 247 kennt es als Gschorus Erb; er hat weiter Uissärs Gschorus Erb (S. 247) und Innärs Gschorus Erb (S. 248)), ts Läng Erb ‘das Lange Erb (geerbtes Gut)’ (Niedergesteln; FLNK Läng Erb), Mitelerbe ‘das mittlere Erb (geerbtes Gut) (1399, Ried-Brig), zen Núwen Erben ‘beim neuen Erb (geerbtes Gut)’ (1470, Visperterminen), ine Niwwu Erbu ‘in den neuen Erb(stück)en (geerbte Güter im Schwemmgebiet von Vispe und Rotten)’ (Visp; FLNK Niw Erb), ts Ober Erb ‘das obere Erb (geerbtes Gut)’ (Oberems; FLNK Obererb; dazu zwei weitere in Eggerberg, eines davon Diminutiv), Brún Erbÿ ‘das braune geerbte Gut’ (1680 (ca.), Zwischbergen), Staeltun Erb ‘das abschüssige Erb (?) / das Erbe des Stelto’ (Zermatt), ts Schattmig Erb ‘das schattige Erb (geerbtes Gut)’ (Visperterminen), ts Unner Erbji ‘das untere kleine Erb (geerbtes Gut)’ (Eggerberg).

Häufiger sind Genitive im Singular oder Plural, die Erben bezeichnen: ab Kumberro Erbe ‘das Erbe der Leute von der Chumma (Mulde) / der Familie Kummer’ (1303, Raron), Kumberro Erbe ‘das Erbe der Leute von der Chumma (Mulde) / der Familie Kummer’ (1307, Bürchen), Lorisch Erb ‘das Ergbut des Lori (Lorenz)’ (Ausserberg; FLNK Lorischerb), d’Martisch Erb ‘das Erbe des Martin / der Familie Marti’ (1682, Turtmann), ts Maartischerb ‘das Erbe des Martin / der Familie Marti’ (Ergisch), Riederro Herbe ‘das Erbe der Familie Rieder / der Leute vom Ried’ (1303, Raron), Rvͥbeln Erbe ‘das Erb (geerbtes Gut) des Rübel (Krauskopf?)’ (1306 u. später, Grächen), Simpellero Erbe ‘das Erbe der Familie Simpiler)’ (1297, Stalden), Tazzero Erbe ‘das Ergubt der Leute von Tatz (Weiler von Niedergesteln)’ (1310, Steg), Tomigo Erb ‘das Erbe der Familie Tomig / der Leute des Thomas’ (1686 u. später, Ausserberg), Hans Jos Wichellen Erb ‘das Erb (geerbtes Gut) des Hans Jost Wichel’ (1750 (ca.), Lax), Wullis Erb ‘das Erb (geerbtes Gut) der Familie Wulli’ (1462, Visp), Zuberro Erbe ‘das Erbe der Familie Zuber’ (1307, Törbel).

Komposita mit dem Grundwort Erb sind: im Galdterbt ‘im unfruchtbaren Erb (geerbtes Gut)’ (1778, Oberwald), ts Gauterb ‘das unfruchtbare Erb (geerbtes Gut)’ (Bellwald, auch Niederwald, hier mit FLNK Gauderb), ts Jänneerb ‘das Erbe (geerbtes Gut) des Johannes’ (Steinhaus; FLNK Jänneerb), Leegerb ‘das ebene Erb (geerbtes Gut)’ (1927, Eischoll), ts Blattscherb ‘das Erbe der Familie Blantschen’ (Raron; eventuell Genitiv Singular), ts Scheuwenerb ‘das Erb (geerbtes Gut) der Familie Schellen’ (Lax; FLNK Schellenerb) und Türlen Erb ‘das Erb (geerbtes Gut) im Tirler (cf. Nr. 29002)’ (1415, Visp).

Als Bestimmungswort kommt das HL in zweigliedrigen Komposita mit den folgenden Grundwörtern vor: Acher, Bodu, Böüm, Chi, Hee (hooch, heej), Loch, Matta, Pletscha, Rüüs, Schiir, Schnitta, Stadel, Stutz, Tola, Tschugge, Wäg, Wald und Zug.

Komplexere Fälle sind Erbbletschuräbe ‘die Reben bei den Erbbletschu (Ebene beim Erb)’ (Hohtenn), in Martis Erbzug ‘im Zug (Graben) beim Erbe des Martin / der Familie Marti’ (1827, Turtmann), Nüwen Erbŭn Gassŭn ‘die Gasse zu den neuen Erb(stücken) (Gebiete im Schwemmgebiet von Vispe und Rotten)’ (1580, Visp), der Platscherbwald ‘der Wald beim Blattscherb (Ergbut der Familie Blantschen)’ (Raron). Ob das in Zwischbergen doppelt belegte Eerblatte zu diesem HL gehört, ist unklar.

VSNB, Bd. 2, Sp. 73

Vorkommen

ehrb

erb

erbe

erbgi

erbi

erbine

erbini

erbji

erbjini

erbo

erbu

erby