Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Grund

Grund m. ist zu schwdt., wdt. Grund m., Pl. wdt. Grind auf die Landschaft bezogen ‘Talgrund, -sohle, Niederung, Ebene’, auch ‘Boden’ (ID. 2, 772 f.; ZINSLI 1946, 321; BENB 1, 2, 122 f.; URNB 2, 84 f.; GRICHTING 1998, 98) zu stellen. Es ist in rund 180 Flurnamen belegt.

Das Simplex im Singular erscheint als Grund ‘der Grund’ (FLNK u. LT, Blatten; LT, Gampel; FLNK, Raron), der Grund (Glis; Ried-Brig; Täsch, FLNK u. LT Grund), im Grund ‘im Grund’ (Blitzingen, Niederwald, Saas-Grund, Wiler), im Grund ‘im Grund (wohl Wohnort des Peter Schröter)’ (1576, Agarn), jm Grundt ‘im Grund’ (1631 u. später, Stalden; 1733, Turtmann) und andere. Unsicher ist die historisch belegte Schreibung Grun (1692, Ulrichen). Eine halb latinisierte Form ist in de Grunde ‘vom Grund’ (1391, Naters) belegt, wo ein dt. Grund mit einem lat. Ablativ verbunden wurde.

Der Plural des Simplex ist sehr selten belegt: di Grind ‘die Gründe’ (Saas-Grund; FLNK ine Grinu), Gründen ‘die Gründe’ (SK, Baltschieder), in den Grinden (1703, Ausserberg), vgl. aber hierzu auch HL GRIND. Die frühere Gemeinde Gründen (gespr. Grinda) war bis 1922 selbständig und wurde dann zu Ausserberg überführt (PH. KALBERMATTER in "Gründen" (HLS) [26.05.2021;IW]). Die Gemeinde lag auf dem Gebiet von Baltschieder, wurde aber Ausserberg zugeteilt.

In verschiedenen Formen vertreten ist der Singular des Diminutivs: ts Grindji ‘der kleine Grund’ (Gampel, Oberems, St. Niklaus, Stalden (zweimal), Staldenried), im Grindji (FLNK, Zeneggen), im Gringji ‘im kleinen Grund’ (Brig), ts Grinndji (Embd), ts Gringji (Ried-Brig), jm Grinnÿ (1829, Leukerbad), das Grundgi (1512 u. später, Visp), ts Grundle (Blitzingen). Die Formen erklären sich aus vier phonologischen Prozessen: Entrundung /ü/ > /i/, Assimilation /nd/ > /nn/, Palatalisierung /l/ > /j/, Assimilation /nd/ vor /j/ > /ŋ/ vor /j/.

Plurale des Diminutivs sind: jn den Grindginen (1620, Visperterminen), di Grindjini (Täsch, zweimal), Mit attributiven Adjektiven finden sich: jm Alten Grundt ‘im alten Grund’ (1573, Eyholz), der Änner Grund ‘der jenseitige Grund’ (Baltschieder), der Gross Grund (Baltschieder, Lalden, Visp), in den Nidern Grvͥnde (1306, Lalden; Konstruktion unklar), der Nider Grund (Niedergesteln, Raron), im Neiwen Grŭndt ‘im neuen Grund’ (1677, Raron), Obergrund (FLNK, Steg; 1789 (?) im Oberen Grund), sampt dem Vsseren Grindgi ‘samt dem äusseren kleinen Grund’ (1706, Stalden), der Wiiss Grund (Brigerbad), im Wilden Grúnd (1824, Gampel), im Wilden Grúndt (1705, Glis), ts Wilt Grindji (Turtmann, FLNK Wildgrund, 1398 Viltengrund). wild ist normalerweise ‘unbebaut’ oder ‘unfruchtbar’.

Vorangestellte Genitive kennzeichnen meist den Besitzer: in Bilgischero Grund ‘im (Tal-)Grund der Familie Bilgischer’ (1716, Visp), in Dichtilen Grúndt ‘im Grund der Familie Benedikt’ (1716, Visp), in Eychero Grundt ‘im Grund der Leute vom Eich / der Familie Eicher’ (1714, Lalden), in Eÿschlerro Grund ‘im Grund der Leute von Eischoll’ (1651, Eischoll; 1651, Niedergesteln), ts Emilsch Grund ‘der Grund des Emil’ (Baltschieder), der Gamsnergrund ‘der Grund bei Gamsen’, Giescherrungrund ‘der Grund der Leute von Giesch’ (Niedergesteln, ev. ist Gäsch gemeint), ts Gregoorisch Grund ‘der Grund des Gregor (heute ts Perrigsch Grund)’ (Brigerbad), der Gurtugrund ‘der Grund der Familie de Courten’ (Vispk), der Jesuitergrund ‘der Grund des Ordens der Jesuiten’ (Glis), in Kronügsgrund ‘im Grund der Familie Kronig’ (1599, Baltschieder), in Kúmmers Grúndt ‘im Grund der Familie Kummer’ (1697, Baltschieder), beÿ Maffien Grund ‘beim Grund der Familie Maffien’ (1667, Baltschieder), ts Manngisch Grund ‘der Grund der Familie Mangisch’ (Visperterminen), der Mariluwis Grund ‘der Grund der Marielouise’ (Baltschieder), der Massonigrund ‘der Grund der Familie Massoni’ (Baltschieder), Michligo Grund ‘der Grund der Familie Michlig / der Leute des Michel’ (1629, Baltschieder), ts Perrigsch Grund ‘der Grund der Familie Perrig’ (Brigerbad), der Petersgrund ‘der Grund des Peter’ (Visp), ts (e)Rubisch Grund ‘der Grund der Familie Rubi’ (Baltschieder), der Schniidrigungrund ‘der Grund beim Weiler Schnidrigu (bei der Familie Schnidrig)’ (Niedergesteln), in Schuomachrigo Grund ‘îm Grund der Familie Schumacher / der Leute des Schuhmachers’ (1564, Eyholz; 1643, Raron), in Triegerro Grúndt ‘im Grund der Familie Zen Triegen’ (Niedergesteln), des Truffers Grŭndt ‘das Gebiet im Talgrund der Familie Truffer’ (1562, Brigerbad), Waaltschungrund ‘der Grund des Waaltschun (unklar)’ (Hohtenn), dr Waldsch Grund ‘der Grund (Talboden) der Familie Walden / Waldin’ (Niedergesteln). Einige Konstruktionen auf /-ER/, die auf einen Genitiv Plural /-ERO/ zurückgehen, werden (sofern noch nicht erwähnt) nachgetragen: im Balziedergrúndt ‘im Grund von Baltschieder’ (1709, Baltschieder), der Chritsergrund ‘der Grund (Grundstück im Talboden) der Familie Kreuzer’ (Visp), der Eischlergrund ‘der Grund der Leute von Eischoll (füherer Besitz?)’ (Brigerbad), der Leiggergrund ‘der Grund der Leute von Leuk (südlich des Rotten)’ (Leuk), Schallengrŭnd ‘der Grund der Familie Schaller’ (1860, Eyholz), im Stegergrúnd ‘im Grund (wohl Rottenebene) der Leute von Steg’ (1707 u. später, Steg).

Bei den zahlreichen Belegen zum HL GRUND als Grundwort sind zunächst Pflanzen erwähnt: der Birchugrund ‘der (Tal-)Grund mit Birken’ (Raron, FLNK Birchugrund), der Chleegrund ‘der Talboden, wo Klee wächst’ (Brigerbad, zweimal), Eschigrund ‘der Grund (Rottenebene) mit Eschen)’ (Baltschieder), der Faggsugrund ‘der Grund (Talboden) mit Borstengras’ (Brigerband), jm Massotero Grundt ‘im Grund der Leute vom Ahorngehölz’ (1570, Baltschieder; 1599 jn Massolters Gründgÿ), des Rohren Grúndts ‘der Grund (Ebene) beim Röhricht’ (1681, Steg), der Stüdugrund ‘der Grund (Talboden) mit Stauden’ (Brigebad).

Viele andere Belege beziehen sich auf nahegelegene Fluren: der Bielgrund ‘der Grund beim Biel (Hügel)’ (Glis), der Chrizigrund ‘das Grundstück im Talboden beim kleinen Kreuz (wohl Weiler zum Kreuz)’ (Lalden), der Faldumgrund ‘der Grund (beim Faldumbach) der Faldumalp’ (Ferden), im Gampellgrúnd ‘im Grund von Gampel’ (1757 u. später, Gampel), jm Göstilgrundt ‘im Grund von (Nieder-)Gesteln’ (1625–1678, Niedergesteln, 1696 u. später im Gestillgrúndt), der Gletschärgrund ‘der Grund (ebene Fläche) der Gletscheralp’ (Blatten), der Litternagrund ‘der Grund im Gebiet mit Schwemmsand (heute überbaut)’ (Visp), der Radgrund ‘der Grund beim Gebiet Rad (radförmiges Gebiet, in Brigerbad)’ (Lalden, FLNK Radgrund) und andere mehr.

Komplexere Konstruktionen sind Bilder Aker Grŭnd ‘der Grund beim Bilder-Acker’ (Brigerbad), der Büüchhüsgrund ‘der Teil des Talgrundes, wo das Waschhaus stand’ (Brigerbad), in superiori Gampelgrundt ‘im oberen Grund von Gampel’ (1720, Gampel), der Taleiugrund ‘der Grund (Rottenebene) bei der Taleia (Aue beim Tal)’ (Baltschieder), im únteren Túrtig Grúnd ‘im unteren Turtiggrund (Rottenebene bei Turtig)’ (1803, Niedergesteln).

Das HL tritt als Bestimmungswort in zweigliedrigen Komposita mit folgenden Grundwörtern auf: Acher, Alpa, Bäärg, Biel, Brigga, Egg(a), Eie, Fura, Gassa, Matta, Ritz, Sand, Satz, See, Sol, Stalde, Stapfa, Stei, Viertel und Wald.

Komplexer sind: der Fooder und der Inner Grindjiwald ‘der vordere und der innere Teil des Waldes unter der Alpe Grindji (kleiner Grund)’ (Oberems), ts Grindji der Unner Stafil ‘der untere Stafel der Alpe Grindji (kleiner Grund)’ (Oberems), Grindji Oberstafel ‘der Oberstafel der Alpe Grindji (kleiner Grund)’ (FLNK u. LT, Oberems), ts Grindjtagfäld ‘das Tagfeld (Weide tagsüber) der Alpe Grindji (kleiner Grund)’ (Oberems), der Gross(grund)kanal ‘der Kanal im grossen Grund (Rottenebene)’ (Raron), der Grossgrundkanal ‘der Kanal im grossen Grund’ (Visp, FLNK Grossgrundkanal), der Grundacherwald ‘der Wald beim Grundacher (Acker im Grund)’ (1745, Eyholz), Grumpillmatton ‘die Wiese beim Grundbiel (Hügel im Grund)’ (1399, Glis) (es scheint sich hier um eine Erstbetonung mit Verkürzung des Nebentons zu Grundbüel (im Dokument erwähnt) zu handeln; eine Entrundung im strengen Sinn ist 1399 noch nicht zu erwarten), im Grŭnd zŭm Badt ‘im Talgrund beim Brigerbad’ (1669, Brigerbad).

Eine Ableitung auf /-ER/ (SONDEREGGER 1958, 525 ff.) findet sich in agros Gründerro ‘den Äckern der Leute vom Grund’ (1615, Visperterminen), Grunderro Wasserleiton ‘die Wasserleitung der Leute vom Grund’ (1715, Termen), Grunder Färig ‘der Pferch der Leute von Saas-Grund’ (FLNK, Saas Grund)’, der Gruneru Biz ‘das kleine Stück Alpe der Leute von Saas Grund’ (Saas-Almagell), Grunneru Hitte ‘die (Alp-)Hütten der Leute aus Saas-Grund’ (Saas-Almagell), Grunneru Stafel ‘der Stafel der Leute von (Saas)-Grund’ (Saas-Almagell). Die Formen sind Genitive im Plural; nur der Beleg Grunder kann auch als Adjektiv gedeutet werden. Einen Diminutiv hierzu weist jm Grúnderli ‘im kleinen Grund’ (1679 (ca.), Glis) auf, wobei unklar ist, ob ein Diminutiv auf /-ERLI/ vorliegt oder eine Diminutiv zu Grunder. Der Kontext gibt darüber keine Auskunft.

VSNB, Bd. 2, Sp. 385

Vorkommen

grindginen

grindi

grindji

grindjini

gringji

grinnd

grinndje

grinndji

grinni

grun (Grund)

grund

grunde

grunden

grunder

grunderli

grunderro

grundgi

gründji

grundle

gruneru

grunner

grunneru