Chitt
Chitt, Pl. Chitte ist zu schwdt. Chitt, Chitten m., f. (Ulrichen n.) ‘Spalte, Ritze, z. B. in Gletschern, Felsen’ (ID. 3, 567 f., ZINSLI 1946, 88) zu stellen; GRICHTING (1998, 48) kennt nur das gleichlautende Chitt ‘Kitt’ und gibt als Beipiel ‘der Chitt am Pfeischter’. Die Formen sind schwierig zu interpretieren, da anlautendes <k> auch zu Ge-Chitt ‘Felsspalten (Kollektiv)’ gehören kann; auch Chitter ist wohl eine kollektive /G(E)-ER/-Ableitung zu Chitt. Überschneidungen mit entrundetem Ge-Hitt ‘das Gehütt, die (armseligen) Hütten’ (ID. 2, 1780), Chütt ‘Herde, Schar von Kleinvieh, Geflügel’ (ID. 3, 576, ohne Beleg für WS) oder verhochdeutschtem Ge-Hüet ‘der Hütebereich, Teil einer Gemeinde’ (ID. 2, 1794) sind möglich. Das Chitt ist ein relativ grosses Gebiet an der Ägene, das den Gemeinden Reckingen, Münster und Ulrichen zugesprochen ist; darauf beziehen sich mehrere Belege. Es ist in der Datenbank mit ‘Felsspalten’ gedeutet; die Bezeichnung bezieht sich wohl auf die Felsen entlang der Ägene. In Birgisch wird die Chitta als ein ‘grosses Loch’ bezeichnet; der Name erscheint aber nur als Bestimmungswort. t Fuggschitta ‘das Fuchsloch’ (Randa) ist wohl metaphorisch für eine Reihe von Felsspalten gemeint, doch kann hier auch Hitta gemeint sein.
Das Simplex Chitt ist im Ägenental vertreten (s. oben); die übrigen Belege sind wohl Plurale wie t Kchitte (Fieschertal, Unterems, beide mit assimiliertem Artikel); historisch erscheint es mehrfach auch als Kytten. Ein Diminutiv t Kchittiltini ‘die kleinen Felsspalten’ (Embd) tritt einmal auf. Adjektivische Attributbildungen sind t Obru und t Undru Chitte (Staldenried), in der Indren Kitten (1746, Turtmann), das Vordere und das Hintere Kitt (1653, Ulrichen), sowie ts Minschtiger Kitt (Ulrichen, auch FLNK) und Reckiger Kitt (FLNK, Ulrichen). Als Grundwort in Komposita findet es sich in t Fuggschitta (Randa) und t Walkite ‘Waldchitte’ (Naters).
Als Bestimmungswort ist es belegt mit den HLL Bach, Biel, Bodu, Flüö, Matta, Schleif, Sunna, Wald und Weid.
Komplexere Bildungen sind etwa bis an den Vndren Küdtboden ‘bis auf den unteren Teil des Bodens beim Kitt’ (1653 u. später, Ulrichen) oder Chittumattuwald ‘der Wald bei der Wiese bei der Chitta ‘Loch, Felsspalte’’ (FLNK, Birgisch).
VSNB, Bd. 1, Sp. 350
Vorkommen
chitt
- Chittfluo Ried-Mörel
- Chittschleif Ried-Mörel
chitta
- Fuggschitta Randa
chitte
- Chitte Staldenried
- Obru Chitte Staldenried
- Undru Chitte Staldenried
chittu
- Chittubiel Birgisch
- Chittumattuwald Birgisch
kite
kitt
- Foder Kitt Ulrichen
- Foder Kittbode Ulrichen
- Hinnere Kitt Ulrichen
- Kitt Ulrichen
- Kittbächi Münster
- Kittbächi Ulrichen
- Kittbrigg Ulrichen
- Kittwald Ulrichen
- Kittwald Münster
- Minschtiger Kitt Ulrichen
- Mittlere Kitt Ulrichen
- Reckiger Kitt Ulrichen
- Unner Kittbode Ulrichen
- Unnerkitt Ulrichen
kitte
- Kitte Unterems
- Kitteweide Unterems
kitten
- Indren Kitten Turtmann
- Kittenmatten Naters
kitter
- Kitter St. Niklaus
- Kittersunne St. Niklaus
kittiltini
- Kittiltini Embd
kittu
- Kittumatta Birgisch