Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

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Hauptlemma

Breit

Das Adjektiv breit und die davon abgeleiteten Substantive Breiti, Breita und Gibreita sind zu schwdt. breit ‘ausgedehnt (von Flächen)’ (ID. 5,917 ff.) bzw. schwdt. Breiten, Gebreiten, Breiti f. ‘ausgedehntes, ebenes Feld, Komplex von Grundstücken (bes. Äckern) in ebener, fruchtbarer Lage’ und wdt. Breiti ‘Breite’ (ID. 5,920 f., 922; GRICHTING 1998, 41) zu stellen. Rund 240 Flurnamen sind damit gebildet.

Das Adjektiv kann attributiv verwendet werden; die Breite ist dann relativ zum Substantiv zu verstehen (ein breiter Weg ist weniger breit als ein breiter Acker). Folgende HLL sind als Grundwörter in zweigliedrigen Formen belegt, wobei das Adjektiv flektiert oder unflektiert sein kann: Acher, Älm, Blatta, Bletz, Bodu, Bord, Chumma, Egg(a), Fad, Fäld, Grabu, Haalta, Löüb, Matta, Moos, Pfad, Rieba, Riiffe, Riische, Riss (m.), Ritz, Rufina, Schleif, Schluocht, Schnee, Schnitta, Spiss, Steg, Stei, Stock, Trasse, Ture, Wäg, Wald, Wang, Wase, Wildi und Zug. Komplexere Konstruktionen sind etwa der Ober Breit Fad ‘das obere breite Felsband’ (Saas-Almagell, zweimal), t Obri Breit Mattu ‘die obere breite Wiese’ (Eischoll; FLNK Oberi Breitmatte), (lat. larga) Bachtala ‘die breite Wasserrinne’ (1301, Raron), Breit Löübgrabo ‘der Graben beim breiten Laub’ (FLNK, Baltschieder) und andere.

Nicht immer ist die Abgrenzung von attributiven Konstruktionen zu Komposita mit Breit- als Erstglied wie in Breithorn usw. sicher (vgl. oben t Obri Breit Mattu vs. Oberi Breitmatte in Eischoll). Komposita werden mit folgenden Grundwörtern gebildet: Acher, Agsch, Fad, Hooru, Löüb, Matta, Tola, Wäg, Wald und Wang. Komplexere Konstruktionen sind etwa: Chlei Breithorn (FLNK, Blatten; LT Kleines Breithorn, SK Breithorn), Ober Breitwang ‘der obere breite Grasabhang’ (FLNK, Staldenried), der Breithoregletscher ‘der Breithorngletscher’ (Zermatt; LT und SK Breithorngletscher), ts Breithoreplato ‘das Breithornplateau’ (Zermatt, LT und SK Breithornplateau) und viele weitere. Vor allem im alpinen Bereich spielen die verschiedenen Breithorn und Ableitungen davon eine Rolle.

Die substantivierten Typen Breiti, Breita und Gibreita (Kollektiv) beziehen sich meist auf ausgedehnte, fruchtbare Felder, deren konkrete Nutzung als Wiese, Weide oder Acker nicht bestimmt ist. Alle drei kommen in verschiedenen Formen als Simplizia im Singular vor, wobei Gibreita und seine Formen im Gebiet mit assimiliertem GI- (Bezirke Goms und Östlich-Raron) als Breita erscheinen kann. Als Simplizia im Plural sind Breite und historisch, resp. verhochdeutscht auch Breiten und Breitten belegt. Der Singular eines Diminutivs erscheint als aŭf dem Breitelti (1857, Naters). Ein Plural Breitini (Guttet und Feschel) ist für die gleiche Flur bezeugt. Das Kollektiv erscheint in verschiedenen Formen als Gebreita und Gibreita mit unterschiedlichen Endungen.

Nur ganz wenige Namen weisen auf Gemeindenamen hin, wie z. B. jn den Bettmer Breÿten ‘in den breiten, ebenen Feldern der Leute von Betten’ (1662, Betten), in den Morgien Breÿtten ‘in den breiten Feldern von Mörel’ (1884, Mörel) oder einem Gebäude wie in t Kaplubreite (Plural) ‘die breiten Felder bei der Kapelle’ (Bister, FLNK Chaplebreite). Zum Kollektiv Gibreita gibt es nur wenige Zusammensetzungen wie di Gibreituachra ‘die Äcker bei den breiten Feldern’ (Ergisch) und ts Gibreituschiirli ‘die kleine Scheuer in den breiten Feldern (Kollektiv)’ (Unterbäch, FLNK Gibreituschiirli).

Nicht ganz klar ist das nur auf der Siegfriedkarte verzeichnete Thürspreite (Leukerbad) – es scheint sich um einen engen Übergang von Türes Breite zu handeln, doch ist diese Deutung nicht gesichert.

VSNB, Bd. 1, Sp. 273

Vorkommen

breidte

breit

breita

breite

breitelti

breiten

breiter

breiti

breitini

breitten

breitu

gebreita

gebreiten

gebreiton

gebreitun

gebreyta

gebreyton

gebreytta

gebreytton

gibreita

gibreitä

gibreiti

gibreitu

preite